Arkivet, Thorvaldsens Museum

 
No. 8418 af 10246
Afsender Dato Modtager
Johan Bravo [+]

Afsendersted

Rom

29.4.1840 [+]

Dateringsbegrundelse

Dateringen fremgår af brevet.

Just Mathias Thiele [+]

Modtagersted

København

Modtagerinfo

Udskrift: A Monsieur / Monsieur

Resumé

Kommentarerne til dette brev er under udarbejdelse.

Se original

Rom 29 April 1840

Hochgeschäzter Herr Professor Thiele.


Aufgefordert von unseren gemeinschaftlichen Freund Bissen ein Gesuch an den König zu machen, welches Sie die Güte haben wollen selber zu überreichen, veranlaßt mich dieses Schreiben an Sie zu richten um Ihnen meinen verbindlichsten Dank für solch wohlwollendes Anerbieten zu sagen. Kaum konnte ich erwarten daß Sie sich meiner erinnerten und werde nun zu meiner Beschämung von Ihnen mit dem höchsten Zeichen des Wohlwollen [sic] bedacht, welches für meine zukünftige Existenz von der größten Wichtigkeit ist. Ich werde mich indessen keinen trügerischen Hoffnungen hingeben aber wie der Erfolg Ihrer Bemühung auch ausfalle, Sie sind es dem ich stets meinen herzlichen Dank darbringe.

Beifolgend finden Sie das Gesuch an unsern verehrten Monarchen und hoffentlich ist es nicht Stylwiderig abgefaßt. Hier ist in dem Augenblick keiner dem ich um Rath fragen könnte oder Jemand dem ich mich anvertrauen wollte, so daß etwaniger Verstoß meine Unkenntniß zu Last fällt.

Zu bemerken habe ich hierbei noch einige Punkte und Sie verzeihen mir gewiß wenn ich etwas weitschweifig werde, da ich es als nothwendig ansehe Sie mit meiner ganzen Lage und Verhältnisse näher bekannt mache indem diese bei einer Empfehlung von Thorvaldsen, welche Sie gütigst dem Gesuch beilegen wollen wie Freund Bissen schreibt, vielleicht benutzen können.

Ich erhielt vor Thorvaldsens Abreise von hier, aus seinen Händen einen Wechsel von 200 Scudi als Honorar von dem verstorbenen König als Zeichen seiner Zufriedenheit mit meinen bewiesenen Bemühüngen [sic] für die Landsleute, wie ein dabei folgendes Schreiben von Hr. Conferenzrath Collin besagte. Zugleich wurde ich Thorvaldsen in diesem Brief empfohlen, als der Mann, dem er das Vertrauen geschenkt sein Executor testamenti zu werden, welchem er während seiner Abwesenheit von hier seine Sachen und Geschäfte übertragen könne. Dieses bot ich ihm natürlich auch mit Bereitwilligkeit an und ich glaube daß ich alles nach Pflicht und Gewissen gethan um seine Zufriedenheit gewärtig seyn zu können. Im vorigen Jahr bekam ich unterm 2 April ein Schreiben vom Finanzminister Grafen v. Moltke, worin er mir die Königl. Resolution kund giebt, zufolge dessen Se. Maj. geruht habe mir auf Thorvaldsens Vorstellung ein Honorar auf drei Jahre, von 1839 bis 1841, jährlich von 400 Rbth. bewilligt habe. Zugleich beruft sich der Graf auf ein Schreiben von Collin, wornach ich einen Theil von Thorvaldsen seinen Sachen nach Kopenhagen schicken sollte. Diese wurden von mir mit der größten Fürsorge und Aufmerksamkeit eingepackt und die Corvette Galathea Führte [sic] sie nach Dänemark wo sie bei der Auspackung zu meiner größten Freude und Genugthuhung in dem besten Zustande angelangt sind, wie mir gemeldet wurde. Seit seiner Abreise habe ich, wie gesagt alle seine Geschäfte geleitet und beifolgenden Brief an ihn, den ich bitte daß Sie ihn übergeben wollen und vielleicht läßt er dann auch durch Sie die Antwort machen, handelt von seinen Affairen. Zugleich bitte ich darin um seine Fürsprache bei dem König und erinnere ihn an sein Versprechen, für mich in Kopenhagen zu sorgen.

Zurück auf das Gesuch eines Königl. Kunstcommissär zu kommen bemerke ich, daß fast alle Regierungen hier einen haben, wie Professor Wagner für Bayern, E. Wolff für Preussen, Kritzow für Rußland & &, welche alle vorkommende Geschäfte besorgen wie ich dieses in dem Gesuch auch bemerk [sic], daß Zoega diesen Posten für Dännemark verstand. Seit unser Consul tod [sic] ist habe ich den Landsleute auf alle Weise mit Rath und That helfen müssen. Daß ich um das Consulat nicht suche, werden Sie mir beipflichten, obgleich dieses ein Lieblingsidee von Thorvaldsen ist, da man mir schwerlich ein Gehalt bewilligen wird, welches so groß ist daß ich Standesmäßig davon leben kann. Ich bin übrigens von dem württembergischen Consul, meinen intimen Freund, v. Kolb schon früher den Staatsminister v. Krabbe-Carisius als Consul vorgeschlagen. Er visirt die dänischen Pässe auf mein Ansuchen. Der Regierung Mittheilungen von hier von Zeit zu Zeit, bei wichtigen Begebenheiten, zu machen fühle ich mich bei meiner socialen Stellung gewachsen und werde Ihnen anderweitig darüber schreiben.

Was nun das schmeichelhafte Zeugniß betrifft daß ich meinen Landsleuten dienstfertig hier immer zur Seite gestanden, so will und kann ich dieses nicht widersprechen, doch habe ich nie gewagt dieses als ein großes Verdienst hervor zu heben, da ich dieses ohne Nebenabsichten that, es lediglich als meine Pflicht ansah und es auch ferner von mir ohne Rücksichten auf Interesse geschehen wird. Ich habe dieses in dem Gesuch angemerkt, da Bissen es mir schrieb, sonst hätte ich es nicht berührt.

Ich habe seit einigen Monaten die dänische Bibliothek in meiner Wohnung aufgenommen. Sie gewinnt an Umfang immer mehr und den Landsleuten gewährt sie Unterhaltung und Belehrung, wie sie diesen Winter dann auch durch die zahlreichen Reisenden fleißig benutz ist. Für die Ordnung derselben sorge ich; sie stand bisher in einem Hause wo sie etwas verwahrlost wurde, solches soll unter meiner Leitung nicht wieder vorkommen.

Zum Schluß habe ich Ihnen noch in Vertrauen mitzutheilen daß hier das Gerücht geht, Thor. werde schwerlich zurück kehren, er scheut sich für die Reise. Sollte dieses wahr seyn so bitte ich zu bedenken was im Fall seines Todes geschehen könnte, da noch so vieles von seiner Sammlung hier ist und der Oberst P. gewiß nicht gleichgültig zusehen wird. Ich beschwöre Sie dieses zu bedenken, und was hätten alle meine Mühe genutz daß das Testament von ihm gemacht wurde das Museum würde vielleicht wenig davon haben. Da P. solche Absichten hat, glaube ich nicht allein, sondern bin durch manche Umstände veranlaßt vollkommen daran überzeugt. Er hat Papiere in Händen, die Thor. nicht mal unterschrieben und dessen Inhalt er nicht erinnert, mit diesem wir P schon zum Vorschein kommen. Dieses Alles lieber Professor muß als Geheimniß zwischen uns bleiben und ich theile Ihnen dieses bloß mit, um Ihnen auf die Gefahr aufmerksam zu machen welche durch das Dahinscheiden des großen Mannes für das Vaterland entstehen kann. Durch die hiesigen Landesgesetze begünstigt würden die Juristen einen Proceß veranlassen der trotz Testament und Codicill, (welches ich Thor noch zur größeren Vorsicht machen ließ), sehr zweifelhaft enden kann. Sind die Sachen aber mal dort, so weiß man woran man ist. Meine Meinung wäre nun, wenn er wirklich nicht mehr zurückkehren will und die große Reise scheut um seine Sachen in Ordnung zu bringen, so will ich gerne nach Kop. kommen um seine Order abzuholen, denn er hat viele Affairen die er keinem dritten anvertraut. Dieser Vorschlag müßte ihm als ganz alleine von Ihnen selber ausgehend mitgetheilt werden, wenn Sie merken daß er keine Lust hat herzukommen oder den großen Weg scheut. Selbst wenn Sie es für gut befinden, sprechen Sie mit dem König darüber, daß der es ihm beibringt, doch dieses überlasse ich ganz Ihren Einsichten und Erfahrungen, zumal da Sie seinen Charakter vollkommen kennen, wie er behandelt seyn will. Die Reise würde ich dann in möglich kürzeste Zeit über Frankreich zurück legen und dann schnell wieder hierher zurück eilen. Bei seinem Alter dürfen wir nicht säumen und wenn er auch gute Gesundheit genießt, welche ich wünsche daß der Himmel sie ihm noch viele Jahre für die Kunst und das Vaterland dessen Ruhm er ist, erhalte, so zählt er doch bereits siebzig Jahre die man berücksichtigen muß. Nochmals empfehle ich Alles Ihren Einsichten und den stets bewiesenen Eifer für das Vaterland.

Von den Landsleuten die herzlichsten Grüße besonders von Küchler und Ernst Meyer, der nicht gekommen ist, wie er mir zusagte um einige Worte an Sie beizulegen.

Beifolgenden Bericht für die Akademie werde ich so bald als thunlich einen andern nachfolgen lassen. Mich Ihrer Gewogenheit empfehlend verharre ich Ihre Antwort entgegen sehend

mit Hochachtung
Ihr ganz ergebener
I. Bravo.

An Bissen bitte ich zu sagen daß er zu Ende
dieser Woche einen Brief von mir haben soll
und daß Scholl in diesen Tagen abreisen wird

NB Das Gesuch an den König bitte ich wenn es nöthig ist zu versiegeln

Arkivplacering
m31, nr. 11
Personer
H.W. Bissen · Jonas Collin · Ernst Meyer · Adam Wilhelm Moltke
Sidst opdateret 10.05.2011 Print