Arkivet, Thorvaldsens Museum

 
No. 6361 af 10246
Afsender Dato Modtager
Joseph Hermann (den yngre) [+]

Afsendersted

Dresden

11.1.1834 [+]

Dateringsbegrundelse

Dateringen fremgår af brevet.

Bertel Thorvaldsen [+]

Modtagersted

Rom

Modtagerinfo

Ingen udskrift.

Resumé

Kommentarerne til dette brev er under udarbejdelse.

Se original

Hochzuverehrenter Herr!

Im Vertrauen auf Ihre, mir so vieljährig und mannigfaltig bewiesene Güte, als Ihr Schüler und eifrigster Verehrer, wagte ich es schon vor ohngefähr vier Monaten einen Brief an Sie zu richten, worinn ich es wagte Ihnen, verehrter Meister, meine Wünsche und Hofnungen vorzutragen, und hoffte mich einiger Zeilen Antwort von Ihnen erfreuen zu dürfen, wohl weiß ich daß Sie stets mit Geschäften überhäuft sind und besonders mit wichtigeren Sachen, als meine Wenigkeit betrifft, doch kenne ich aber auch Ihre Güte und liebevolle Theilnahme an allen denen, die das Glück hatten in Ihrer näheren Umgebung zu leben und deshalb kann ich mir auch keinen anderen Grund Ihres Stillschweigens denken, als daß Dieselben mein Schreiben gar nicht erhalten haben. In dieser Voraussetzung wage ich es nun noch einmal Sie mit einem Schreiben zu belästigen und es dringt sich mir zuerst der Wunsch auf, daß Ihnen auch das neuangetretene Jahr im besten Wohlseyn und ganz Ihren Wünschen entsprechend verfließen möge, und daß Sie der gütige Schöpfe noch viele Jahre in stets reger Manneskraft Ihren zahlreichen Verehrern erhalten möge. Profeßor Dahl schmeichelte uns vor einiger Zeit mit der Hofnung, daß wir das Glück haben würden, Sie auf Ihrer Reise nach Dänemark in unserer Mitte zu sehn, und wir erwarteten mit der größten Begeisterung den frohen Tag, an welchen es uns vergönnt sein würde, den großen, geliebten Meister wiederzusehn; doch ist leider bis jetzt unser schönste Hofnung unerfüllt geblieben.
Mit den schmerzlichsten Gefühlen verließ ich Rom, wo ich in Ihnen, verehrter Meister, einen zweiten Vater zurückließ, der Wunsch mein Vaterland wiederzusehn, die Hofnung den eignen Heerd zu gründen, vermochten es allein mich von Allem zu trennen, was mir seit zwölf Jahren theuer geworden war. Hätte ich es doch nie gethan, ich würde mir manche bittre Täuschung erspart haben.
Hier angekommen machte man mir die schönsten Versprechungen, ich hatte die größte Hofnung als Profeßor an der Kunstacademie angestellt zu werden, als Professor Rauch hier ankam und seinen ganzen Einfluß anwendete, um sienem Schüler Rietzschel diese Stelle zu verschaffen, es gelang ihm nur zu gut und ich ward zurückgesetzt. Später wurden mir sämmtliche Bildhauer=Arbeiten an der neuen Hauptwache feyerlich zugesichert, als es aber zur Ausführung kam, ertheilte man die Hälfte derselben den Bildhauer Pettrich. Dann wurde ich vom Prinzen Johann, welcher an der Spitze der Commission steht, welche den Bau des Augusteums oder Universitäts-Gebäudes in Leipzig zu besorgen hat, aufgefordert, eine Zeichnung zu den Frontispice dieses Gebäudes zu entwerfen, die Verzierungen des Portals hatte man schon früher den Profeßor Rietzschel übertragen. Da meine Composition einen zu großen Geldaufwand erforderte, mußte ich noch eine zweite einfachere liefern. Jetzt nach einem Jahre wird mir endlich der Bescheid, daß man die Verzierungen am Frontispice nur von Stuck fertigen werde, man könne nicht mehr als ohngefähr 2000 rf. dazu verwenden und dafür verlangt man 7 bis 8. Figuren, welche sitzend über 5 Ellen jede meßen. Zu der coloßalen Statue des verstorbenen Königs August, welche einen der Plätze Dresdens zieren soll, fertigte ich zwey Modelle, indeßen bleiben sie unberücksichtigt und auch dies wurde den Profeßor Rietzschel übertragen, welcher die Modelle dazu in Berlin unter der Leitung des Profeßor Rauch fertigte. Da nun auch Ihr verehrter Landsmann, Herr von Berg, welcher sich meiner so väterlich annahm, längst gestorben ist, befinde ich mich ohne alle Protection und den abscheulichsten Kabalen ausgesetzt. So schmerzlich es mir auch ist, so habe ich doch den Entschluß gefaßt, mein undankbares Vaterland zu verlaßen, in der Hofnung man werde mir im Ausland mehr Gerechtigkeit wiederfahren laßen. Mein Plan ist fürs Erste nach Paris zu gehen, mich dort eine Zeitlang aufzuhalten, um der Sprache ganz mächtig zu werden und mich später, wenn es die Verhältniße einigermaaßen gestatten, in London niederzulaßen. Dies führt mich nun auf den Gegenstand einer Bitte; da ich das Glück gehabt habe zehn Jahre unter Ihrer Leitung zu arbeiten, da ich Sie aus reinem Grund des Herzens nicht nur als den ersten Künstler der Welt, sondern auch als meinen zweiten Vater verehre und liebe, so wage ich es im Vertrauen auf Ihre Güte, Sie um Ihre schätzbare Empfehlung nach Paris und London zu bitten, in der Ueberzeugung daß ein empfehlendes Wort von Ihnen, verehrter Meister, den vortheilhaftesten Einfluß auf mein dortiges Fortkommen haben wird. Fast überzeigt, durch Ihre mir so oft bewiesene liebevolle Theilnahme, Ihre so väterliche Zuneigung, werden Sie mir gewiß diese Bitte nicht versagen, Ihre Empfehlungen nach London, wo Sie so zahlreiche Verehrer besitzen, würden gewiß den wohlthätigsten Einfluß auf mein ferneres Fortkommen haben, ein empfehlendes Wort von Ihnen, wird mir den schönsten Blick in eine heitere Zukunft verschaffen und mich ewig zu Ihrem Schuldner machen.
Da mich nichts mehr hier zurückhält, sich so manche bittre Erinnerungen an meinen hiesigen Aufenthalt knüpft, so werde ich Dresden sobald wie möglich, und noch in diesem Frühjahr verlaßen, und sehe daher recht bald einer geneigten Antwort von Ihnen entgegen. So leben Sie denn wohl, theurer, geliebtester Herr und Meister und schenken Sie zuweilen einen Augenblick eines freundlichen Andenkens

Ihren

Dresden den 11. Januar 1834. Ihnen ganz ergebenen Schüler
Joseph Herrmann
Ostra-Allee No. 73.
Generel kommentar

Dette brev er stort set en gentagelse af Herrmanns tidligere brev af 16.9.1833.

Arkivplacering
m19 1834, nr. 3
Personer
J.C. Dahl
Sidst opdateret 07.01.2013 Print