Arkivet, Thorvaldsens Museum

 
No. 2453 af 10239
Afsender Dato Modtager
Sulpiz Boisserée [+]

Afsendersted

Stuttgart

Antagelig 1820 [+]

Dateringsbegrundelse

Dateringen fremgår ikke af brevet. Nærmere begrundelse for dateringen er under udarbejdelse.

Bertel Thorvaldsen [+]

Modtagersted

København

Modtagerinfo

Ingen udskrift.

Resumé

Forslag til et mindesmærke for J.W. Goethe udarbejdet i anledning af dennes 70 års-dag. En kolossalbuste udført af den tyske billedhugger J.H. von Dannecker tænkes opstillet nær Goethes fødeby Frankfurt, “hvor han fik sine første indtryk”,

Se original

Vorschlag zu einem Denkmal für Goethe.

Der Dichter sagt selbst irgendwo: das schönste Denkmal ist des Mannes eigenes Bild.

Darum säume man nicht, so lange der Verehrte noch unter uns verweilt. Sein 70er. Geburtstag mahne uns, daß einer der besten Vaterländischen Künstler sein Bildniß verfertigen sollte, ihm zum Denkmal, dem wir für uns und unsere spätesten Enkel einen Schatz von Freude, Belehrung und Bildung verdancken.

Über den Künstler kann keine Frage seyn; Dannecker behauptet mit einstimmigen Rufen den Vorrang unter unseren Vaterländischen Künstlern. Und zugleich hat er durch seine nicht genug zu bewunderende colossale Büste von Schiller, die er zu einem demselben in der Heimath zu errichtenden Denkmal bestimmt, ein würdiges unseren Wünschen höchst willkommenes Beispiel gegeben.

Das Andenken des Dichters knüpft sich am liebsten an die Stätte, wo er geboren und an die Gegend, wo er die ersten Eindrücke empfangen; daher wird, wie das Bild von Schiller in der Umgebung von Stuttgardt so des Bild von Goethe in der Umgebung von Frankfurt die geeignetste Stelle finden.

Ferner besteht die Forderung, daß die ganze Anlage des Denkmals bezeichnend sey; dies führt zu der Betrachtung, daß der Dichter aus dem allbelebenden Quell der Natur schöpfend sich seine eigene Welt bildet, und mithin zu der Folge, daß auch seinem Bilde ein eigenes Haus in freier offenen Landschaft gebühre.

Einfach, rund, von oben erleuchtet würde es am angemessensten seyn, und den schiklichsten bedeutsamsten Raum zu Verzierungen, die sich auf die Wercke des Verehrten bezögen, darbieten.

Denkt man sich nun ein solches Gebäude für Goethe’s colossale Büste auf einem Hügel, in einem Garten, so gestellt, daß man aus der Thüre den Mayn, die Stadt, und die ganze Landschaft ins Auge faßen könnte, und nimmt man noch dazu, daß man bey dieser Stellung den Untergang der Sonne, jene erhabene Natur-Erscheinung, schauen würde, die vor allen anderen am schönsten an die Unsterblichkeit errinnert (weil wir ihres Wiederaufgangs gewiß sind.) so dürfte erst für die Wahl des Orts nichts zu wünschen übrig bleiben.

Das Materiale und die Verzierung betreffend würde ich vorschlagen: Das Gebäude von Quadern zu errichten, die inneren Wände mit gelbem Stuc-Marmor zu überziehen, sie unten mit einer Sitzbanck und oben mit einem Gesims und Fries – alles von weissem Marmor zu umgeben, die Kuppel ausmahlen, den Boden mit weißem, und dem übrigen entsprechendem farbigen Marmor einlegen, und die Thüre von Erz verfertigen zu laßen.

Die Verzierung des Äusseren wäre auf folgendes zu beschräncken: Ein Kranz von Eichenlaub, der unter dem Gesimse das ganze umgäbe, an den Thürflügeln einerseits eine brennende Lampe, anderseits ein Oelzweig in erhabener Arbeit; und über der Thüre eine Inschrift mit ehernen Buchstaben:
“Dem Andenken von Goethe”

Die Verzierung des Innern hingegen müste sehr ausgezeichnet und bedeutend, sie müste selbst ein Kunstwerck seyn, und den andern Hauptheil des Denkmals ausmachen. Um nämlich an den Schöpfungen des Dichters zu errinnern, müsten in dem rundumlaufenden Fries Vorstellungen aus seinen Wercken in halberhabener Arbeit ausgeführt werden. Am vortheilhaftesten wäre es sowohl in Rücksicht der Bedeutung als der Künstlerischen Behandlung hier ein Werck für alle gelten zu laßen. Beyden Rücksichten aber würde am besten entsprechen werden können, wenn man Hermann und Dorothea zum Gegenstand wählte. Die durchgehende Beziehung auf das Vaterland, und auf die ereignißvolle Zeit, die der Dichter erlebt, und uns durch seine Poesie verschönert und veredelt hat, eignet dieses Gedicht ganz vorzüglich [besonders] zu dem gesezten Zweck. Die Beyden Hauptgestalten Hermann und Dorothea wurden von dem Augenblick ihrer Erscheinung allgemein als wahre Muster Bilder eines deutschen Jünglings und Mädchens anerkannt, und nun sind sie uns durch die großen Begebenheiten der lezten Jahre, da sich unsere Frauen so hülfreich und die Männer so tapfer bewiesen, noch so viel bedeutsamer und theurer geworden! Hermann hat die Verheißung, die ihm der Dichter in den Mund gelegt:

“Gedächte jeder wie ich, so stünde die Macht auf
Gegen die Macht, und wir erfreuten uns alle des Friedens”
treulich erfüllt; die Hausfrau hat ihn gerüstet, und reist siegreich heimgekehrt.

Für den Künstler ergeben sich hieraus die günstigsten Anläße. Wie im Anfang des Bilderkreises einen Zug von Auswanderern mit Weibern und Kindern, so würde er gegen das Ende einen Zug von Wehr Männern, und zwischen diesem und jenem die wichtigsten Handlungen und Begegniße die beyden Liebenden darzustellen haben. Dorothea die Mädchen beschützend und kämpfend gegen die Feinde, dann mit dem Ochsengespann die Wöchnerinn führend, Hermann mit den Pferden und Wagen herbeieilend, sie den Kindern Kleider zurichtend, das Paar am Brunnen vereinigt, der Abschied von der Wöchnerinn den Kindern und Fremden, der Heimgang und bey allem diesem die Beschäftigungen der Erndte, zulezt Hermanns Bewaffnung, seine Kriegs Thaten und Siegbekräntzung, würden ebensoviele der Wahl des Künstlers zu Gebothstehende willkommene Gegenstände seyn. Das Costum könnte kein großes Hinderniß machen, da der Charackter des ganzen Gedichte meist ländlich gehalten ist. Ein so genialer erfindungsreiche Künstler wie Thorwaldsen, den man dieses Bildwerck auftragen müste, würde alle etwa sich erhebenden Schwierigkeiten, ohne der Wahrheit Abbruch zu thuen, leicht überwinden. Auch würde er wegen der runden Gestalt des Gebäudes selbst bey einer sehr mäßigen Größe hierruhenden Raum für seine Aufgabe finden, indem Z.B. mit einem Durchmeßer von 20 Fuß schon ein Umkreis von 60 Fuß entstände.

Wenn nun durch solch eine BilderReihe eins der vorzüglichsten Wercke [des Dichters] und zugleich einigermaßen das Zeitalter des Dichters dargestellt würde, so brauchten nur noch die Namen von einigen anderen HauptWercken wie Werther, Faust, Lieder, Iphigenie usw mit ehernen Buchstaben an den Wänden angebracht und durch LorbeerZweige zu einem großen Kranz verbunden zu werden, um auf das befriedigendste an die mannichfaltigen Hervorbringungen seiner Muse zu errinnern.
Das BrustBild müste auf einem erhöhten von dem übrigen Theil des Gebäudes durch etliche Stuffen getrennten Boden aufgestellt werden, auf einem einfachen Untersatz, an dem die geliebten Gestalten der Harfner und Mignon in halberhabener Arbeit eine schöne Verzierung bilden würden. An den beyden Seiten neben dem Brustbild sollten zwei große Vasen von weissem Marmor stehen, worin während der guten JahresZeit immer frische Blumen erhalten werden musten.

Auf den inneren Thürflügeln wären die für die äusseren angegebenen Sinnbilder: Lampe und Oelzweig zu wiederholen. Um aber das ganze würdig zu vollenden, müsten in der Kuppel vier schwebende Genien auf himmelblauem [blauem] Grunde gemalt werden, welche Kränze über dem Haupt des Dichters emporhielten: Der Genius der Natur mit einem Kranz von FeldBlumen (worunter die blauen Kornblumen vorherrschend) der Genius der Liebe mit einem Kranz von Rosen, der Genius der Poesie mit einer LorbeerKrone und der Genius der Unsterblichkeit mit einer Krone von gelben Sternblumen. Es würden dadurch die großen Gaben bezeichnet, die den Dichter schäncken, und der höchste Lohn der seinem Verdienst zu Theil wird; zugleich würde darauf hingedeutet, daß der wahren Gaben, wie der wahre Lohn, nur von oben kommen, und so erhielte das Ganze eine Beziehung auf denjenigen, der über aller menschlichen Größe thront.

Daß auch dieses Kuppelgemälde nur einem unserer vorzüglichen Künstler und vor allen einem so trefflichen Zeichner wie Cornelius oder Overbeck anzuvertrauen bedarf keiner Errinnerung.

Arkivplacering
m6 1820, nr. 21
Personer
Johann Heinrich von Dannecker · Johann Wolfgang von Goethe · Friedrich Schiller
Sidst opdateret 29.04.2020 Print