Arkivet, Thorvaldsens Museum

 
No. 6678 af 10197
Afsender Dato Modtager
Emil Wolff [+]

Afsendersted

Rom

Afsenderinfo

Laksegl og poststempler: Rester af segl og et meget utydeligt poststempel.

13.6.1835 [+]

Dateringsbegrundelse

Dateringen fremgår af brevet.

Theodor Wagner [+]

Modtagersted

Stuttgart

Modtagerinfo

Udskrift: Regno di Wirtemberg / An /den Herrn Theodor Wagner / ausgezeichneter Bildhauer’s / Wohlgeboren / Stuttgardt

Resumé

Kommentarerne til dette brev er under udarbejdelse.

Se original

Rom den 13 Juny 1835.

Sehr werther Freund

Vor 14 Tagen erhielt ich ein sehr angenehmes Schreiben von Ihnen, welches mich an meiner so langes Mißbrauchen Ihrer Güte erinnerte, da ich ohne mir selbst den Grund davon angeben zu können schon seit 2 Jahre vernachläßigt hatte Ihnen zu schreiben u über das mir Aufgetragne Bericht zu erstatten. Zuerst also danke ich Ihnen, daß Sie die Gelegenheit der Absendung jener für Thorwaldsen bestimmten Gegenstände benutzen wollen um mir die Supplement von Goethe mit überkommen zu laßen, ich habe Thorwaldsen bereits davon in Kenntniß gesezt u sehe mit wahrem Vergnügen der Ankunft jener Sachen entgegen.

Ihrem Wunsche gemäß hatte ich vor längerer Zeit schon mich bemüht ein paßendes Kupferwerk für Sie anzukaufen um unsre Rechnung zu egalisiren. Ich hatte demgemäß die beiden Säulen Trajan u Antonius von Santi Bertoli erstanden zum Preise von 12 Scudi aus der Calcografie u würde Ihnen solche falls das Werk Ihnen willkommen wäre unverzüglich zu senden. Indeßen wünsche ich vor allen Dingen erst Ihre Meinung zu hören da ich falls Ihnen meine Wahl nicht recht wäre jenes Werk für mich behalten u Ihnen irgend ein anders Beliebiges kaufen könnte . Ich bitte, daß Sie mir über diesen Gegenstand etwas Bestimmtes sagen wollen.

Es freut mich ungemein zu hören wir gut es Ihnen geht u daß Sie bald Gelegenheit haben werden eine größre Unternehmung ins Werk zu setzen. Kepels hat eine sehr gelungne Gruppe von demselben sujet geliefert, die zu Besten gehört was hier seit längrer Zeit gemacht worden ist. Wie schade ist es, daß Ihnen das Denkmal für Schiller entgangen u an den stets unerhältlichen Thorwaldsen gekommen ist, der dergleichen leute um sich macht, damit nur kein jüngerer Bildhauer Gelegenheit bekommen etwas Größres auszuführen. So hat er das Modell zum Monumente Guttenbergs gemacht, d. h. durch Bissen modelliren laßen, ein schwaches Produkt! jetzt wird er den Achilles von Matthiae einem Landsmann von vier machen laßen u werden wir sehe [sic] ob dieß beßer gehen wird. Er selbst arbeidet sehr wenig u hat auch seine Werkstatt soviel als möglich eingeschränkt

Nach einigen sehr magren Jahren ist es mit in lezter Zeit wieder ziemlich gut gegangen. Ich habe die Staue einer Jägerin an dem rußischen Grafen Davidoff u eine Thetis mit den Waffen des Achill an eine Gräfinn Wilhorski verkauft, Graf Boleslaus Potocky hat mir eine Wiederholung meines schon vor mehreren Jahren ausgeführten Fischerknaben aufgetragen. Dagegen habe ich in meiner Vaterstadt das Unglück gehabt eine dahin gesandte Gruppe vorstellend Hebe die den Ganymed unterrichtet nicht zu verkaufen, da solche die ich durchaus im antiken Geiste gedacht u ausgeführt hatte den in Berlin herrschenden sentimentalen Geschmack nicht entsprach. Ich weiß nun nicht was ich mit meiner Arbeit in jener großen Und..ue anfangen werde, da ich die bedeutenden Kosten der Rückfracht scheue. So habe stets ein Verlust den Vortheil auch u man kommt auf keinen grünen Zweig! Außerdem beschäftigt mich die nackte Figur eines Jägers der seinen Hund, welcher auf das Wild ansezt zurückhält, die ich für eine Engländer u [hul i papiret] ausführe u ein Amor mit Keule u Löwenhaut, der Sp… [hul i papiret] Stärke, den ich auf eigne Rechnung ausführen will.

Von Ihren früheren römischen Bekannten sind Wenige mehr hier. Gegenbauer ist kürzlich nach Deutschland, ich glaube um Ihren König zu sehen gereist, Imhoff geht binnen Kürzem nach Griechenland, wohin er als Bildhauer mit einem Gehalte von 600 Scudi engagirt ist, eine Stellung um die ich ihn, der ich das Land kenne nicht beneide. Pettrich hat sich mit Frau u Kindern nach Nord America eingeschifft, wo er große Arbeiten beim Bau einer katholischen Kirche übernehmen wird. Hofer führt ein idyllisches Leben mit einer Französinn, die von ihrem Mann getrennt lebt u etwas mehr Geld als er zu haben scheit. Von mir heißt es, daß ich eine Person mit der ich seit 3 Jahren schon ein sehr nahes Verhältniß habe heirathen werde u glaube ich daß etwas Wahres an der Sache sei, als ich mir schon ein schönes Quartier gemiethet habe u in Begriffe stehe solches zu meubliren, auch muthmaßlich nach Triest gehen werde, da man hier die Einsegnung gemischter Ehen nicht gestattet.


Nun leben Sie wohl u schreiben Sie mir bald was Sie in Ansehung des Anzukaufenden beschließen wollen, geben Sie mir auch nochmals eine Uebersicht meiner bei Ihnen antrahirten Schuld, da mir Ihr früheres Schreiben eines solche relict mir schwer wieder aufzufinden sein wird. Leben Sie nochmals herzlich wohl, empfehlen Sie mich Ihrer Frau Gemahlinn u behalten Sie in freundschaftlichen Andenken

Ihrer

Via d. Quattro Fontane stet ergebenen Emil Wolff.

              no. 151

Arkivplacering
m30 II, nr. 76
Personer
Joseph Anton Gegenbaur
Sidst opdateret 29.10.2012 Print