Arkivet, Thorvaldsens Museum

 
No. 6105 af 10179
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Karl Grüneisen
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Afsendersted

Stuttgart & Tübingen

11.6.1833 [+]

Dateringsbegrundelse

Dateringen fremgår af tidskriftet, hvor teksten blev trykt.

Omnes
Resumé

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Sculptur.

Leben und Werke des dänischen Bild-
hauers Bertel Thorwaldsen, dargestellt
von J. M. Thiele ac.

(Beschluß.)

1810 modellirte Thorwaldsen seine eigene kolossale Büste für den dänischen Generalconsul West in Paris, nach dessen Tode sie der König von Dänemark, der Käufer der Kunstsammlungen West’s, der Akademie der Künste zum Geschenke gemacht hat.

Nach einem Sommeraufenthalt in Montenero ging er an folgende Arbeiten: die Basreliefs: Amor und Bacchus, für den Kaufmann Knudzen in Drontheim; die Caritas für die Marchioneß Landsdown undspater als freiwilliges Geschenk für einen unglücklich gewordenen norwegischen Beamten zu dessen und seiner Familie Unterstützung; Amor und Psyche, für Herrn Dalmar; Vulkan, Venus, Amor und Mars (s. oben), für Herrn Alexander Bille; ferner die Gruppe Mars und Amor (s. oben). Die in Montenero skizzirten Basreliefs, Sommer und Herbst, kamen erst 1811 zur Ausführung. Beide besitzt der Graf von Schönborn. Eine der sinnvollsten Compositionen Thorwaldsens ist unstreitig das um dieselbe Zeit entstandene Monument der deutschen Schauspielerin Auguste Böhmer, Stieftochter von A. W. Schlegel und Schelling. Es besteht aus drei verschiedenen Darstellungen, von welchen die größere mittlere die Ursache des Todes, die treue Pflege am Krankenbette der Mutter, nach deren Genesung die Tochter selbst erkrankte und nicht wieder genas, dadurch vergegenwärtigt, daß die sitzende Mutter aus den Händen der Tochter den Trank der Gesundheit empfängt, derweil die Schlange der Hygeia die Tochter in die Ferse verwundet. Das eine Seitenrelief stellt die geflügelte Nemesis, welche die Erzählung von dem Opfer der kindlichen Zärtlichkeit und Liebe aufzeichnet, das andere den mohnbekränzten Genius des Todes dar, der sein Haupt auf die umgesenkte Fackel stützt. Letzteres Basrelief ist in Deutschland nicht nur über dem Grabe der Künstlerin (zu Bocklet bei Würzburg?), sondern auch in Altona als Monument der Gattin des dänischen Etatsraths Donner aufgestellt.

1811 wurde die Statue der Psyche, mit der Urne, von dem Bruder des Sir Thomas Hope erkauft, und die des Amor, mit dem Schmetterling, jetzt in Curland befindlich, ausgeführt. Unterdessen war auf Befehl Napoleons der Anfang gemacht, den Quirinalpallaft zu Rom zu einer Wohnung für den Kaiser der Franzosen einzurichten. Man hatte anfänglich nicht an Thorwaldsen gedacht, der zumal aufs Neue in Krankheit verfallen war. Erst drei Monate, bevor die Arbeit vollendet seyn mußte, wendete sich der mit der Leitung des Ganzen beauftragte Architekt Stern an denselben, und Thorwaldsen hatte Muth zu dem Versprechen, bis dahin in eines der kaiserlichen Gemächer einen Fries von 29 Ellen Länge in Gyps fertig zu bringen. Er wählte, wie der Verf. sagt (S. 67), gewiß nicht ohne Beziehung auf den größten Triumphator der neueren Geschichte, den Triumphzug Alexanders des Großen in Babylon. Die Geschichte dieses weltberühmten Kunstwerkes wird von dem Verf. mit der genauesten Ausführlichkeit beschrieben, und am Ende (S. 70) eine Aufzählung der vier verschiedenen Bearbeitungen des Alexanderzuges gegeben; sie sind:
 

Das Quirinalexemplar, welches der eiligen Umstände seiner Entstehung wegen, eigentlich nur als Skizze zu betrachten ist;
 

Das Exemplar des Grafen Sommariva in seinem Schloß am Comersee, nach dem zuvor erwähnten mit Vermehrungen ausgeführt, zeichnet sich besonders durch das unten hinzugefügte Stück aus, auf welchem die Gestalten des Künstlers und seines kunstliebenden Freundes, welchem jener den voranschreitenden Zug Alexanders zeigt, angebracht sind;
 

Das durchaus neu gearbeitete und durch mehrere Stücke erweiterte Exemplar, welches als die erste, vollendete Composition des Stoffes zu betrachten ist und sich dadurch auszeichnet, daß es nur in der halben Höhe der vorher erwähnten ausgeführt ist; und endlich
 

Das Exemplar für das Schloß Christiansburg in der Hauptstadt von Dänemark, welches genau nach dem letzterwähnten Exemplar (1829 – 1830) ausgeführt wird, jedoch in der nämlichen Höhe wie das Quirinalexemplar. Eine gypsene Copie des Quirinalexemplars befindet sich im Pallaste des Herzogs von Leuchtenberg in München; ein anderer Gypsabguß wurde späterhin nach England geschickt. Ueber das marmorne Exemplar in halber Höhe hat Thorwaldsen in den letzten Jahren Formen gießen lassen, um Exemplare in terra cotta liefern zu können, deren eines in Rom 1000 Scudi kostet. Pistrini in Rom hat den ganzen Fries nach dem Exemplar von Sommariva 1½ Zoll hoch nachgebildet, wovon er Abgüsse verkauft.
 

1812 hat Thorwaldsen auch ein kleines Basrelief komponirt, das aber nie in Marmor ausgeführt worden, gleichwohl aber an und für sich eine schöne Idee aufs Würdigste behandelt und besonders auch dadurch merkwürdig ist, daß hier zum ersten Male Thorwaldsen sich des modernen Costümes bedient hat: Victoria, einen gefallenen Krieger bekränzend. Um dieselbe Zeit hatte der polnische Adel auf dem Reichstag der Generalconföderation zu Warschau beschlossen, es sollten die Zusickerungen Napoleons, woraus man, wiewohl mit Unrecht, das Wiederaufleben der polnischen Nation in ihrer Selbstständigkeit und Größe sich versprach, in eine eherne Tafel gegraben und diese zum ewigen Andenken aufgestellt werden. Das Architrav, unter welchem diese Tafel ein- gesetzt werden sollte, waren zwei Caryatiden zu tragen bestimmt, und Thorwaldsen mit der Ausführung derselben beauftragt. Die Ausführung ist zwar durch den Künstler aufs Herrlichste erfolgt, aber zu ihrer ursprünglichen Bestimmung konnten diese Caryatiden nicht gelangen; im J. 1818 wurden sie von der dänischen Regierung angekauft und sind jetzt neben dem Königlichen Throne im Christiansburger Schlosse angebracht.

Hiermit schließt sich im ersten Bande des vorliegenden Werkes die lange Reihe der bis zum Jahre 1812 zu Stande gekommenen Werke Thorwaldsens. Die später entstandenen, darunter namentlich die große Anzahl seiner christlichen Bilder, die Denkmale des Copernicus, des Pabstes Pius VII., des Herzogs von Leuchtenberg, des Fürsten Poniatowsky, die Statue des Merkur, die Basreliefs Tag und Nacht, die Amorinenverkäuferin u. A. m. wird der zweite Band enthalten. Die Kupferblätter geben wohlgelungene Umrisse der beschriebenen Kunst- werke und außerdem auf Tafel VIII. ein Porträt Thorwaldsens als Jüngling nach seiner eigenen Zeichnung, und auf dem Titelblatte eine Nachbildung der Vorder- und Rückseite der von Brandt in Berlin gravirten Medaille mit Thorwaldsens Profil und dem Basrelief: a genio lumen.

Der Text ist mit solcher Unbefangenheit des Urtheils abgefaßt, daß in dieser Anzeige die Idee und Art des Meisters gegen einen Vorwurf des Verfassers in Schutz genommen ist. Es wäre daher von dem offenen und unparteiischen Geiste desselben zu hoffen, daß er über die künstlerische Bedeutung Thorwaldsens und über dessen Stellung in der Kunstgeschichte unsrer Zeit, über sein Verhältniß zu seinen Vorgängern aus der italienischen und französischen Schule, über die Hauptmomente seines Einflusses auf die Regeneration der Sculptur in Darstellung sowohl des Christlichen als des Mythologischen, ein freies und gründliches Wort zu sprechen wisse, und wir vertrauen hierin zu dem baldigen Erscheinen des Restes dieser Schrift, deren einfache und bündige Erzählung und Auslegung des Historischen und der einzelnen Kunstwerke durch solche wissenschaftliche Behandlung des Gegenstandes wohl die verdiente Vollendung erhielte.

Grüneisen.

Generel kommentar

Dette er en trykt tekst fra det tyske kunsttidsskrift Kunst-Blatt, op. cit. Kun de passager af teksten, der vedrører Thorvaldsen, citeres her.

Thiele
Ikke omtalt hos Thiele.
Andre referencer

  • Kunst-Blatt gebildete Stände, No. 47, 1833, pp. 187-188.

Personer
Bertel Thorvaldsen
Sidst opdateret 14.08.2017 Print