Arkivet, Thorvaldsens Museum

 
No. 2899 af 10219
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Heinrich Hase [+]

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Dresden

25.10.1821 [+]

Dateringsbegrundelse

Dateringen fremgår af det tidsskrift, op. cit., som artiklen er trykt i.

Omnes
Resumé

Artikel om Theodor von der Ropps kunstsamling, herunder hans 10 Thorvaldsen-værker.

Ueber die Gemälde und Marmore im besitze des
Herrn von der Ropp zu Mitau.

Bey der Theilnahme, die Nachrichten selbst von einzelnen Kunstwerken finden, kann eine Mittheilung über eine ziemlich ansehnliche Sammlung von Oelgemälden und Thorwaldsenschen Marmorarbeiten, von der bisher weder die Reichard noch Beck noch Engelmann den Reisenden etwas erzählten, besonders bey der Bedeutendheit der Künstlernamen, die sie aufführt, wohl nicht ohne Interesse seyn. Zudem befindet sich die Sammlung in einer Ecke Europa’s, wohin die Dallaway, Millin, Diddin und Quandt nur sehr selten vordringen; aber um so willkommner, meynen wir, wird die Anzeige eines geistigen Erholungspunktes denen seyn, die den langen Weg zwischen Berlin und Petersburg nicht mit großen Hoffnungen auf gleichen Genuß überblicken.
Die Sammlung des Hrn. von Ropp zu Mitau in Curland, umfaßt je[t]zt 82 Oelgemälde, unter denen Bilder von den namhaftesten alten und neueren Meistern vorkommen. So eine Maria sitzend, das Christuskind auf dem Schooße, zur Seite Joseph und der heil. Franziskus in Raphaels erster Manier aus der Galerie Borghese zu Rom erkauft, (13½ Zoll rhein. hoch, 11½ Zoll breit); eine Madonna von Lionardo da Vinci (23 hoch, 20 breit) ebendaher; eine andre von Andrea del Sarto aus dem Palast Vittori zu Florenz; ein sehr liebliches Bild, das in Rom von Künstlern und Kunstfreunden für ein Original von Correggio genommen wurde, von weniger zuversichtlichen wenigstens für ein Werk A. Caracci’s nach diesem Meister, Maria darstellend, wie sie Christus als Kind mit der vor ihm hingebeugten heil. Katharina verlobt, während der kleine Johannes im Hintergründe lauscht (13½ und 11½ Zoll); der andern von Guido Reni (aus dem Hause Grimaldi zu Venedig) von Benvenuto Garofalo, (aus der Galerie Giustiniani), mehrerer Albano’s, eines Portrait’s Philipp II von Spanien, von Holbein, ans dem Palaste Pitti zu Florenz rc.[?] zu geschweigen. Doch auch von neuern wälschen und französischen Meistern findet man hier Gemälde, die schon durch ihre Namen die Neugierde reizen könnten. Uns beschränkend erwähnen wir nur: Venus, die den Askanius in den Armen des Schlafs aus dem brennenden Troja entführt, vom Ritter Camuccini zu Rom; (56 Zoll hoch, 38½ breit); Adel am Opferaltare von Benvenuto zu Florenz (81 Zoll und 42); einen Seehafen von Vernet, eine Mutter mit ihrem Kinde auf dem Schooße, von Mlle. Gerard zu Paris; die stets erfreulichen Bilder von Moucheron, Pinaker, Ruysdael, Mechau hier übergehend. An diese Reihe von Oelgemälden schließen sich die Thorwaldsenschen Marmorarbeiten an, denen der Name ihres Verfertigers zur Auszeichnung hinreicht: zuerst das Basrelief: der Briseis Abschied von Achilles, (6 Fuß lang, 2 Fuß 9 Zoll hoch) wovon Kephalides Reise durch Italien I, S. 158, genauere Nachricht gibt. Nur bemerken wir gelegentlich, daß K’s Versicherung, jenes Basrelief sey nach England gekommen, entweder eine Wiederholung des in Mitau befindlichen angeht, oder ein leicht zu entschuldigender Irrthum ist. Zuerst ward dieses Anaglyph für Hrn. von Ropp ausgeführt. Außerdem findet man in dieser Sammlung, Venus, die eben vom richtenden Paris den Preis erhalten hat, sehr liebliche Statue 3 Fuß 10 Zoll hoch; – die Büste der Venus, nach der Mediceischen; Apollo, Büste, nach dem Belvedereschen, Jupiter nach dem Original im Kapitolinischen Museum, – Melpomene, Ariadne, Sappho, Homer, Cicero, nach antiken Urbildern, alle von Thorwaldsen; die Büste eines der Söhne in der Gruppe des Laokoon – 2 Fuß 4 Zoll hoch – vom Cav. Bernini in früheren Jahren gearbeitet und ein neuer Beweis für seine nie bestrittene Meisterschaft in der Behandlung des Marmors. Dazu ein sehr beschädigter antiker weiblicher Kopf – 1 Fuß 8 Zoll hoch – Sappho nach der gewöhnlichen Annahme genannt. Stoffes genug, dünkt uns, die Aufmerksamkeit zu erregen.
Die Sammlung selbst wurde während der Jahre 1801-1806 auf einer Reise durch Deutschland, Frankreich und Italien gerade zu der Zeit gebildet, wo manche Familien dieser Länder der harten Nothwendigkeit und den Bedürfnissen des Augenblicks den Schmuck ihrer Paläste ausopfern mußten. Ihre kunstliebenden Erwerber benutzten, von der Einsicht ihrer Freunde unter den ausübenden Künstlern aufmerksam gemacht, die Gelegenheit, die sich darbot, und vereinigten so diese Auswahl von Bildern, die zu den anziehendsten Merkwürdigkeiten der baltischen Provinzen gehört. Schon darum kann der Kunstfreund aber diese Sammlung nicht unbeachtet lassen, weil er hier manches namhafte Bild aus berühmten Galerieen antrifft, sollte sich die Skepsis auch nicht versagen, ein und das andre vornehm getaufte, trotz des früheren Standorts, mit bescheidnerem Künstlernamen zu bezeichnen. Denn ein gleiches Recht übt sie ja bey mancher vielgeprießnen wälschen und französischen Sammlung alter Stiftung (z B. bey der öffentlichen Galerie der Brera zu Mailand, wo die gefeyertesten Namen zum Theil weit unbekannteren weichen müßten.) Bis diese Bedenken der Kritik und einer scheelsehenden Apistic durch Nachbildungen in Steindruck oder Kupferstich ihrer Entscheidung um einige Schritte näher gebracht werden, reiche es hin auf den gediegenen Werth der Roppschen Pinakothek aufmerksam zu machen. Wer dann Gelegenheit hat, an Ort und Stelle zu schauen und mit früheren Erinnerungen zusammenzuhalten, der wird erzählen, was er gefunden, um auch diese relative Bedeutendheit der Kunstwerke zu sichern. Die Wahrheit kommt nur allmählig zu Tage. – Lange nach ihrer Erwerbung trafen die Gemälde erst in Kurland ein, kurz vor der beengenden Zeit (1811) und vor der verhängnißvollen (1812) denen sie, durch ihren Genius geschützt, glücklich entgingen. Je[t]zt ein bleibendes Erbe der Familie und in sehr günstigem Lokale ausgestellt, können sie nach der liberalen Einrichtung des Hrn. v. Ropp täglich gesehen werden, und doppelt lieb wird die Erinnerung an diese Kunstwerke jedem bleiben, dem anderweitige Begünstigungen die Auszeichnung verschaffen, im Geleite ihres vielgebildeten liebenswürdigen Besitzers sie genauer kennen zu lernen. Nähme auch ein solcher Beschauer aus diesem Klima die Bestätigung des alten Euripideischen Verses mit, daß Kälte einer zarten Haut feindselig wirkt; doch würde er sich in dieser Umgebung und in dieser Nähe überzeugen, daß die zarteste Blüthe der ausgebildetsten Empfindung, die bildende Kunst, hier ihre heimatliche Temperatur und Sphäre gefunden hat.

Dresden. D. Hase.
Generel kommentar

Dette er en trykt artikel, der er skrevet af efter Hase, op. cit.

Andre referencer

  • Heinrich Hase: ‘Ueber die Gemälde und Marmore im besitze des Herrn von der Ropp zu Mitau’, i: Morgenblatt für gebildete Stände, Kunst-Blatt no. 86, Donnerstag den 25. Oktober 1821, Stuttgart & Tübingen, p. 343-344.

Emneord
Ropps bestilling 1804-05
Personer
Pietro Benvenuti · Vincenzo Camuccini · August Wilhelm Kephalides · Johann Gottlob von Quandt · Theodor von der Ropp · Bertel Thorvaldsen
Værker
Sidst opdateret 06.11.2018 Print