Arkivet, Thorvaldsens Museum

 
No. 2763 af 10177
Afsender Dato Modtager
Franziska Caspers [+]

Afsendersted

Wien

7.3.1821 [+]

Dateringsbegrundelse

Dateringen fremgår af brevet.

Charlotte Thierry [+]

Modtagersted

Antagelig Hamburg

Modtagerinfo

Ingen udskrift.

Resumé

Caspers har sendt en kasse med et gipsportræt af Thorvaldsen til Thierry via en Hr. Abendroth. Da det skulle af sted i en snæver vending, pakkede hun portrættet ind i noget af vatteringen fra sin frakke. Hun nævner gulvkollapset i Thorvaldsens værksted, der fik Thorvaldsen til at rejse fra Wien med det samme, uden at sige farvel til de fleste af sine venner. Desuden nævner hun, at Frances Mackenzie har forladt Rom, og at Thorvaldsen ikke har giftet sig, og hun spår, at han næppe kommer til det.

Se original

Wien den 7ten März 21

Meine gute, theure Lotte!

Noch ehe Du diesen Brief erhältst, erhielst Du wol eine kleine Schachtel – mit einem Gipsbildchen von Thorwaldsen – das nach meiner Meinung sprechend ähnlich ist.

Ich erhielt Deinen lieben Brief vom 19ten Feb: heute vor 8 Tagen – Du äusserst mir darin den Wunsch, irgend ein Porträt unseres Freundes zu besitzen – Ich war den Abend bei Arnstein auf dem Balle u hörte zufällig dass den andern Morgen ein H. v. Abendroth nach Hamburg reisen sollte. Der poetische Name liess mich ein gefälliges Herz voraussetzen – u ich wagte es – mich nicht an ihn, den er war nicht da, aber an einen Freund von ihm zu wenden – der mir seine Protection für ein kleines Päckchen versprach wenn ich es ihm den andern Morgen recht früh schicken wollte.

Es war halb 2 in der Nacht als ich auf mein Zimmer kam – ich suchte schnell das Porträt hervor, konnte aber leider keine kleine Schachtel u keine Packmaterialien finden – doch der Wunsch Dir gefällig zu seyn schärfte meinen Scharfsinn – ich öffnete den Mantel den ich anhatte u zog ihm sein vatirtes Zeug zum Theil heraus, wickelte mein Thorwaldschen sachte hinein u legte ihn, da ich keine kleine Schachtel fand, in eine grössere. Das alles in der Nacht. Dazu schreiben konnte ich nicht – ich dachte “Lotte erräth es wol[”] – ich befahl, es in aller Früh weg zu bringen u meine Schachtel brach mit dem Morgenroth nach Hamburg auf – bekömmst Du diesen Brief eher, so weisst Du was Du zu erwarten hast. – Sage Fl. Von der Meden recht viel liebes u herzliches von mir u meiner Schwester Luise – es thut uns beiden recht leid sie vor ihrer Abreise nicht mehr gesehen zu haben, die Gute ist wohl recht glücklich, wieder in ihrem lieben Hamburg zu seyn. Wer doch auch seine Verhältnisse so abschütteln könnte!

Auch mich macht der Krieg in unserm göttlichen Italien sehr betrübt – was wird daraus werden. Wie vieles wird auch im ernsten Fall zerstört oder geplündert werden – mir blutet das Herz wenn ich daran denke.

Du wirst durch die Zeitungen erfahren haben – dass ein Theil von Th’s Atelier einstürzte – er bekam diese Nachricht hier u sie machte 3 schönen mit ihm verlebten Wochen ein trauriges Ende – es erschütterte ihn so – dass er schnell abreiste u auch ohne nur ein Wort des Abschieds seine meisten Freunden zu sagen – Denke Dir der arme Sigmund Grünzenstein starb dem 4ten Feb: in Neapel – recht einsam u verlassen – ihm ist wol – die Vereinigung mit Frau u Kind war sein heissester Wunsch. Koller ist wieder in der selben Anstellung wie früher in Italien u Tobie mit ihm. –

Rössel hat seine Mutter verlohren u seine Schwester ist wahnsinnig geworden. Das erfuhr ich durch Fremde – von ihm sahen weder ich noch seine andern Freunde hier – eine Zeile – mir liess er wol 4 Briefe ohne Antwort – u ich hörte denn endlich auch auf zu schreiben – doch innigen Antheil an seinem Schicksal nehmend – Herr Becker hat ihn sicher in Berlin gesprochen – hättest Du ihn doch nach ihm gefragt.

Th: ist nicht verheirathet u Miss Macenzie zog endlich wieder nach Schottlander wird sich wol auch nie vermälen – es fehlt ihm an Kraft u Mut – u er hat die Überzeugung er könne keine Frau glücklich machen.

Wie sehr hätte ich mich gefreut, Deine Schwester hier zu sehn – es ist recht schade dass es anderst kam – weit mehr aber würde es mich freuen Dich theure Lotte. Einmal wieder zu sehen – u die Bekanntschaft Deines Louis zu machen.

Jeanette ist immer entzückt über Dein Gedenken – u küsst die Hände.

Auch ich bin mit der Tendenz der E[xxxx]recht[?] keineswegs zufrieden u dieses kann man Rauppach in jedem Worte vorwerfen – aber die Gedanken sind herrlich – die Schreibart einzig – wie göttlich ist das Vater unser in Cäcilie u Lorenzo. Rauppach hat ein menschenfeindliches u sich selbst abgeschlossenes Gemüt – aber er hat unendlich viel Phantasie u oft gründliche Tiefe – die er aber selbst wieder angreift.

Lebe wol geliebte Lotte – Jetzt lese ich meinstens englisch, um mich recht zu üben.

Meine No: ist 820 Vare well my dear
Generel kommentar

Dette brev blev skænket af efterkommere til Charlotte Thierry til Thorvaldsens Museum i 1975.

Arkivplacering
m30A, nr. 92,7
Thiele
Ikke omtalt hos Thiele.
Emneord
Følelsesreaktioner på skulpturer · Gulvkollapset i Thorvaldsens værksted 8.11.1820 · Idolisering af Thorvaldsen · Rejsen til Rom, august-december 1820 · Thorvaldsens kvinder · Thorvaldsens værksteder
Personer
August Abendroth · Frances Mackenzie · Johann Gottlob Samuel Rösel · Bertel Thorvaldsen
Sidst opdateret 09.12.2016 Print