Arkivet, Thorvaldsens Museum

 
No. 9186 af 10012
Afsender Dato Modtager
Wilhelmine von Witzleben [+]

Afsendersted

Plön

7.10.1843 [+]

Dateringsbegrundelse

Dateringen fremgår af brevet.

Bertel Thorvaldsen [+]

Modtagersted

København

Modtagerinfo

Ingen udskrift.

Resumé

Kommentarerne til dette brev er under udarbejdelse.

Se original

Plön d. 7ten October 1843.

Die Schwester von Luise und Augusta Witzleben, die im Jahre 1822 so glücklich waren Ihre Bekanntschaft, hochverehrter Herr Conferenzerath, in Rom zu machen, und Ihre Freundschaft zu gewinnen, – diese Schwester darf sich gewiß mit Vertrauen an Sie wenden, und Ihnen eine Bitte aus Herz legen. –
Ich mögte Ihnen nämlich einen armen jungen Menschen empfehlen, den Ueberbringer dieses; Er ist der Sohn eines hiesigen Zimmermanns, Namens Wichmann, der eine große Familie hat und arm und kümmerlich ist. Dieser Sohn konnte kein Handwerk erlernen da er als Kind fiel, und in Folge deßen Jahrelang an einem Knochenfraß darniederlag. – Um nicht müßig zu seyn, schnitzte er Thiere und dergl: aus Rüben – dann aus Holz. Ich brachte ihm Ihre Pasten, die ihn mit Staunen und Entzücken erfüllten! und er versuchte sie in Kreide nachzumachen, welches in seiner Art recht gut ward.
Viele meiner Freunde intereßirten sich für ihn, und namentlich der würdige Pastor Nielsen her am Ort. Wir verschafften ihm täglich gute gesunde Nahrung, und er erhalte sich schnell und konnte nach ½ Jahre gehen. Da sorgte der Pastor Nielsen für ihn wie ein Vater, und bewirkte es daß er nach Kopenhagen auf die Academie kam um gehörigen Unterricht im Zeichnen und modelliren zu nehmen. Der Herr Profeßor Christensen nahm sich seiner so gütig an, und man war mit seinem Fleiß und seiner Ausdauer sehr zufrieden. Er war grade 2 Jahre da gewesen als ihn ein so hoher Grad von Heimweh befiel, daß dieses in Tiefsinn überging, wozu denn wohl, wie man merkt verheimlichte Armuth, und gekränkter Ehrgeitz mit beitrugen das Uebel so zu steigern. Er verließ in dieser Stimmung alles, und kam im kläglichsten Zustande bey den unglücklichen Eltern an. Der vortreffliche Pastor Nielsen bewährte sich hier wieder aufs schönste! – hatte ihn fast immer bey sich, und er ist jetzt so weit hergestellt daß er mit frischem Muthe nach Kopenhagen zurückkehrt. Er ist ein stiller, frommer Mensch, aber sehr sehr schüchtern. – Ach theurer, verehrter Herr Conferenzerath – nehmen Sie sich seiner gütig an! – wenn Sie ihn auch nur bisweilen durch einen gütigen Blick ermuthigen! Er erblickte Sie einst aus der Ferne – und das war das erste was er mir sagte. Er hat in dieser Zeit sich fleißig im zeichnen und modelliren geübt, und die Büste seines alten Vaters gemacht die sprechend ähnlich ist.
Verzeihen Sie meine dreiste Bitte! – ich hätte auch nicht den Muth dazu gehabt, wenn meine Schwestern mir nicht so oft mit Liebe und Hochachtung von Ihnen Ho[ch]verehrter Herr Conferenzerath erzählt hätten – so wie Sie weit und breit verehrt sind.
Mit unbegränzter Hochachtung und Verehrung

Empfielt sich Ihnen

Wilhelmine von Witzleben

Arkivplacering
m25 1843, nr. 50
Sidst opdateret 10.05.2011 Print