Arkivet, Thorvaldsens Museum

 
No. 926 af 10239
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Friederike Brun [+]

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Rom

Juni 1810 [+]

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Dateringen fremgår af notesbogen.

Friederike Brun [+]

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Rom

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Ingen udskrift.

Resumé

Kommentarerne til denne notesbog er under udarbejdelse.

[ikke med Bruns hånd:]
Allo Spirito Santo
A. S. Sebastiano


[herefter med Bruns hånd:]

Rom Juni 1810.

Gebrüder Johan u. Franz Riepenhausen aus Hannover. Diese beiden jungen Künstler sind ein so seltenes als erfreuliches Phänomen am Kunsthimmel. Seit ihrer kindlichen Jugend bemüht zu einem Zwecke mit dem ausdauerndsten Ernst und der brüderlichsten Liebe und Einigheit verbunden, haben Sie Wahrlich in Ihren Jünglingsjahren Männerarbeit geliefert! In Deutschland werden Sie bald auf das rühmllichste bekannt u. ausgezeichnet sein, durch Ihre Compositionen aus dem Leben vo[h]rmaals, die mit so stillem Geiste u. liebendem Herzen erfunden u. so zielich ausgeführt sind, und durch Ihre radierten Zeichnungen nach den Gemählden der Ehrwürdigen Väter der neueren Mahlerei. Diese Zeichnungen nach Masaccio, Mantegna Dom. Ghirlandajo’s, Francesco di Creta, Phil[l]ippi di S. Phi[l]lippo – Fra Bartholomeo.
viele andere mehr sind mit einer Treue, Wahrheit, Naivetät u. Sorgfelt ausgeführt, die zum Bewundern ist, zumal wenn man weiss, was es heisst, in den dunkeln gothischen Kirchen zeichnen, u. it wie Tausenderlei Beschwerden diese achtungswerthen jungen Männer zu kämpfen hatten welche wahrlich nur die reine Kunstliebe von welcher sie beseelt sind zu überwinden vermochte. Diese zierlichen Umrisse mit der Feder leicht schattiert, sind von einer so festen Richtigkeit u. so leicht u. deutlich bearbeitet, das[s] dem Kupferstecher so recht in die Hand gearbeitet ist u. nur wenig Verdruss zu erwarten bleibt.
Es war zu fürchten, das[s] bei so ungeheuer vielem u. anhaltendem Nachzeichnen sich die Hand der Freiheit entwöhne, u. die Einbildungskraft susehr mit Reminiszenzen angefüllt, den freien Spielraum, u. die eigenthümliche Wirksamkeit verlöhre-Allein eine Anzahl reizender u. eigenthümlicher Compisitionen der beiden liebenswürdigen jungen Künstler – setzen mich hierüber ausser Sorgen. Es sind besonders 2 – 3 darunter so originell u. frei u. lieblich, als hätten sie sich nur wie im Fluge eigener Ideen bewegt.
1. Die Amorverkäuferin. Ein zierlich ausgemahltes Cabinetstück von 2 Palmen xx etwaer höhe. Ein schönes vollblühendes Mädchen mit dunkelblondem Haar u. hellbraunen Augen sitzt frei und reizend mit übergeschlagenen Beinen da Ein Amor ist auf die Schulter geflattert; sie hält ihn leicht, den rechten Arm aufwärts um seine Hüfte schlingend – Ein anderer steht an ihren schönen Schoss gelehnt, u. ihre linke Hand ist sanft gesunken zwischen seine beiden weichen Flügel welche sie leicht hält – Sie denkt an beide u. möchte das[s] keiner ihr entwischte, u. sieht in dem lieblichen Zweifel auf den Zuschauer, aber alle Liebesgöter sind in ihren Blicken (welche der schönen Spanierin Nina abgestohlen sind welche Crollius nach dem kalten Schweden führte. Buttatele la ricotta in faccia!) Neben ihr steht eine Art Vogelbauer allein oben offen u. mit Rosen umkränzt drin sind noch 3 holdseelige Schelmen! der eine ste[c]kt das Köpfchen neugierig schelmisch zwischen die Stangen heraus – Der zweite sieht den Schelm auf der Achsel an, u. hält das Händchen vor die Augen gegen die Blendung – der dritte ist passiver – allein alle 3 sind wunderschön gezeichnet! Das Colorit ist hell, zart und weich, die Gewänder hellgrün u. braunroth der jungen Grazie schön und consequent u. reizend geworfen – allein vielleicht wäre sie von etwas leichteren Stoffen zu wählen gewesen – denn das leichteste was man sich dabei denken kann ist Atlass. Die Beleuchtung ist heller Italischer Sommernachmittag die Luft ist von uübertrefflicher Klarheit u. Milde, die kleine leicht beigedachte Landschaft heiter u. lieblich.
2. Dasselbe Sujet in einer grösseren Zeichnung ausgeführt. Die Verkäuferin sitz von Käufern umgeben. Neben ihr steht der Käfig voll des losen Geflügels. Vor ihr ein Greis mit einem Beutel voll Geld u. einem langen Ziegenbart. Sie sieht ihn schelmisch weigernd an – allein ein junges Mädchen hat einen schönen Buben davon getragen, u. steckt der Verkäuferin dafür eine Hand voll Rosen zu – Eine kleinre trägt verschämt einen kleinren in der Schürze davon – Im Schatten eines Baumes sitzt ein liebendes Pärchen – sie hält den Amor im Schoss – Er sieht sie bittend an, ihre Hand ans Herz drükkend. Der kleine Amor fleht ihn mit aufgehobenen Patschhändchen wie im Spass! Die ganze Szene wimmelt – dort gängelt ein junges Ding einen Amor an den Flanken wie am Flügelbande. Da herzet eine einen anderen als Wikkelkind. Doch stechen ihm die Flügel zu den Wikkeln heraus. Frohsin, Unschuld Reifer Jugendgeist durchathmen das ganze – u. vom Kirschenstil ist wahrlich keine Spur.
Die ausgeführtere Zeichnung ist im Besitz des Herrn von Blankenhagen aus Riga.

[på notesbogens s. 8 ses en tegnet gengivelse af et landskab]

Mademoiselle L’Escaut von der französischen Akademie de France.

Sie ist wohl ohne Zweifel die Person welche in diesem Tempel der Kunst vom Gotte am gnädigsten angeblickt ward. Wenn man nicht die Niederländer zu den Franzosen rechnet. Ihre Portraits sind von treffender Aehnlichkeit u. äusserst keck u. mit fester Hand sie gemahlt. Ihr Colorit ist nicht schmeichelnd. Allein bestimmt etwas trokken – sie aehnelt der spanischen Meisterin im Portrait.
Die mahlt mit vielem Glück im geschmack von Gravey (?), aber mit weniger Anmuth u. Gefühl. Die Capuzinerpredigt i St Lorenzo fuori le Mura. Architektur Perspektive u. Beleuchtung in der schönen alten Basilika sind zum Erstaunen schön wahr zier[lich] u. richtig behandelt. Mit höchster Zierlichkeit sind die antiken prächtigen Korinthischen Säulen u. Gebälke behandelt. Die Gruppen der Zuhörer wo die Mahlerin selbst der Directeur der Akademie Thierri u. mehrere Portraits nacha[h]men; andere von Volksgruppen in verschiedenen Trachten; holde mädliche Köpfe u. Gestalten. Ein prächtiger Bettler u. der begeisterte predigende Kapuziner alles athmet Leben u. ist voll Charakther u. Individualiteet. Das Colorit ist bedingt, allein consequent. Alles auf das Zierlichste ausgeführt – u. die Gewänder besonders schön. In Den Portraits sind die Hände besonders gut.

Landschaftsmahler der Akademie Verstapfen Holländer. 1809

Er hat nur eine Hand und zwar die Linke allein mit dieser mahlt er wie ein Held! Ich sah Seinen Fleiss, stillen Geist, u. erstaunenswürdige Fortschritte im Somer, als er in Laricia unser Nachbar war. Alles in den Gemählden dieses sehr vorzüglichen Künstlers ist stille, tiefempfundene Wahrheit mit zartem Natursinn dargestellt. Bis jetzt hat er noch wenig componirt allein wie belauscht er die Natur. Das Farbenauge des Niederländers ist bei ihm aufs glücklichste mit dem inneren Sin für die Grösse der Umrisse der römischen Gegenden, die milderen Lufttöne ihrer Fernen, u. die romantische Mildheit der Einzelheiten vereinigt. Seine Vorgründe sind matt wie der Niederländer immer. Seine Lüfte einzig beinah in klarer Milde, ohne Jagd nach capriziösen Beleuchtungen, welche so schnell ermüden. Sein Gemählde des schönsten Standpunktes im Park Chigi ist unvergleichlich treu, schön und wahr. Aber einzig in Reifer Darstellung ist der Platz vor dem Capuziner Kloster zwischen Albano u. Castel Gandolfo mit der Kirche. Man blickt aus den Saumfalten der oberen Gallerien – in die offenen Kirchenthüren u. zwischen den herrlichen Steineichen, über die Ränder des Kraters in welchem der See ruht, an den Albaner Berg hinab – man kann sich keine Vorstellung von der Wahrheit u. Passion in diesem Bilde vereint machen. Man ahndet den ganzen See, von dem man nichts sieht! u. das helle reine Nachmittagslicht spielt so vertraulich in den saftgrünen Bäumen. – alles ist still und hehr, doch athmet alles Leben u. Anmuth. Prinz Stanislaus Poniatowsky hat das holde Bild gekauft.

Vogt Gebrüder Privatisirt.

Viel Farbenzauber und Aufgreifen auffallende Beleuchtung schöner Vorgrund. Lebendiges Grün.
Schöner Mittelgrund. Allein wenig Charackther.

Chauvin von der Akademie.

Weniger ein Verstaffen – mehr ein Vogt. Er ist glücklich in Portraitirten Gegenden. u Seine Darstellung ist äusserst rein u. zierlich. Schöne Szene vom Posilipo. Schöne Gebirgsketten im Abendroth. Allein im Individuellen Leben erreicht er Verstapfen nicht so wie ein reiner [xxxxx] luft[?]

Bogvet Ranzesco. Privatisirt.
Siehe Tagebuch 1802. 1803.

Seine Handzeichnungen und Studien äusserst Sehenswerth u. Lehrreich. 1809. Sein grosses Gemälde eine herrliche Composition – die Ferne mit Gebirgen u. Pinien, welche die Wipfel ins Abendgold tauchen herrlich schön u. Claude=Lorrainisch empfunden. Der Vorgrund ist etwas kalt u. arm. Die Waldeinsiedelei aus Valombrosa in Toskana. Sehr romantisch. Er ist ganz Contrast mit Reinhardt; an Verdruss ihm gleich. an Einbildungskraft unter Ihm.

Giuntotardi erster acquare[l]le Landschaftsmahler

Der erste in Rom u. vielleicht überhaupt der erste in seinem Fache. Die Darstellung der Ruinen von Rom – u. die Ansichten u. Aussichten sowohl in der Stadt als in den umliegenden Gegenden, stellt er mit unübertrefflicher Treue u. Kunstwahrheit dar u. die Samlung seiner acquare[l]le Gemählde wären für mich eine unschätzbare Gallerie der Er[r]innerung an Rom! Der jüngere Bruder hat in Neapel u. Sizilien gereist. Er hat mehr Simpliziteet allein auch weniger Kunst als Phil[l]ippo.
Vom Älteren ist besonders schön:
1. Die Cascatelen von Tivoli.
2. Eine Innere Stadtaussicht welche die Tibergegend um Ponte [xxxxx?] umfasst.
3. Die Piramide.
4. Das Grabmahl des Plautius.
5. Minerva Mellica.
6. Aussicht von der vigne des Prinzen Friedrich von Saxen Gotha am Abhang des Aventins. Eine ungeheuere u. gelungene Arbeit.
7. Der meisterhafte Kupferstich des Forum Romanum.

Vom Bruder +

1. Der Tempel von Segesta
2. Die Tempel von Paestum
3. Arco felice bei Cumae.
4. Der Venus Tempel bei Baja

Der Preis dieser grossen mit höchstem Kunstfleiss ausgearbeiteten Blätter ist

6 Zecchin.

[herefter følger en side helt overstreget]

Generel kommentar

Disse notater er nedfældet i en notesbog nummereret fra side 2 til 17.

Arkivplacering
Håndskriftafdelingen, Det Kongelige Bibliotek, NKS 2654, 4º, no. 15 (kopi på Thorvaldsens Museum, m30A, nr. 93)
Personer
Pierre Athanase Chauvin · Filippo Giuntotardi · Franz Riepenhausen · Johannes Riepenhausen · Martin Verstappen
Sidst opdateret 29.11.2010 Print