Arkivet, Thorvaldsens Museum

 
No. 3801 af 10046
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Franz Ludwig Catel
Joseph Anton Koch
Johann Christian Reinhart
Franz Riepenhausen
Johannes Riepenhausen
Johann Martin von Rohden
Bertel Thorvaldsen
Philipp Veit [+]

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Rom

1826 [+]

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Betrachtungen und Meinungen
 
über die
 
in Deutschland herrschende
Kunstschreiberei.
 
Von
Künstlern in Rom.
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Um etwaigen Mißverständnissen vorzubeugen, bemerken wir, daß wir unter Kunstschreiberei hauptsächlich diejenige verstehen, welche sich mit der Beurtheilung der Kunstwerke rücksichtlich ihres artistischen Werths befaßt. Die Fächer der Archäologie und der Kunstgeschichte gehören ohnedies mehr dem Gebiete der Wissenschaft an, und liegen hier außer unserm Gesichtspunkt. Eben so verstehen wir in diesem Aufsatz unter Kunst und Künste immer die bildenden Künste, falls es nicht ausdrücklich näherbezeichnet ist, indem diese allein der Gegenstand unserer gegenwärtigen Betrachtungen sind.


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S o oft noch die Willkür unter dem schmeichelnden Gewande einer falsch verstandenen und mißgedeuteten individuellen Freiheit die Schranken der Gesetze durchbrechen wollte, wurde immer von den Freundender Ordnung lebendig die Notwendigkeit gefühlt, jenem frechen Vorhaben kraftig entgegen zu arbeiten; damit das Eintreten einer Gesetzlosigkeit verhindert werde. Gelingt es, die Krankheit gleich bei den ersten sich zeigenden Symptomen zu dämpfen, so läßt sich ihre allgemeine Verbreitung bisweilen mit sehr gelinden Mitteln beseitigen ; ist sie aber einmal zu einem völligen Ausbruch gekommen, so kann gewöhnlich nur mit starken, entscheidenden Mitteln dem Verderben vorgebeugt werden. Die Kennzeichen derselben äußern sich größtentheils, von den ersten kaum bemerkbaren Spuren an, bis zu ihrer völligen Entwickelung, immer in einer anstrebenden Lüsternheit nach dem Richteramt, welche dann hinter irgend einer scheinbar philanthropischen Formel, etwa „der menschliche Verstand könne nie schnell und frühzeitig genug von seinen Fesseln losgebunden werden, damit er nach allen Seiten hin nach Belieben greifen möge,” schlau versteckt wird.

Glückt es den Anhängern jener unbedingten Uneingeschränktheit, daß ihre Zeit ihre Vorspiegelungen beifällig aufnimmt, so ist der erste Schritt, wodurch sie sich und ihre verderblichen Grundsätze geltend zu machen suchen, daß sie allenthalben das Richteramt an sich reißen wollen, und zwar in einem Umfange, daß kein Fach und kein Zweig der menschlichen Erkenntnisse, Fähigkeiten und Einrichtungen von ihren Anmaßungen verschont bleibt. Die Waage, welche eine weise, erfahrene und starke Hand nur festzuhalten versteht, wandelt in die schwankenden Hände derer, welche zu ihrer Lenkung weder hinreichende Kenntnisse, noch wahre Kräfte besitzen, die weder dazu berufen, noch dazu bestellt sind. Die Folgen ihres schädlichen Einflusses zeigen sich dann auch alsobald im ganzen Bezirk der menschlichen Bildung, indem Urtheilen, Richten und Verurtheilen gleichbedeutende Begriffe werden. Die Unwissenheit, oder eine eigennützige Selbstsucht liegen immer jener falschen Ansicht zu Grunde, sie allein begünstigen dieselbe, indem sie die Hauptträger jener angebornen Rohheit im Menschen sind, welche ihn dem Spiel seiner wilden Leidenschaften unterwirft. Denn je weniger einer im Stande ist, die Schwierigkeiten des Richteramtes zu erfassen und je mehr einer in seine eigene Ichheit verliebt ist, desto leichter und anziehender scheint ihm die Verwaltung desselben. Nur derjenige fühlt dessen Schwere im vollen Maaße, welcher mit den dazu erforderlichen Kenntnissen und Einsichten genugsam ausgerüstet und frei von Selbstdünkel ist.

Trifft es sich, daß in einer Zeit jene lrrthümer leichten Eingang gefunden, und so weit um sich gegriffen haben, daß die bürgerliche Ordnung Gefahr davon zu befürchten hat, so kann ein fester, wohleingerichteter Staat leicht die zweckmäßigen Gegenvorkehrungen treffen, je nachdem es die Umstände und die Lage der Dinge erheischen, um jene Anmaßungen und Angriffe der Einzelnen zu unterdrücken, und dies wird ihm auch immer ohne Anstrengungen gelingen, sobald er nur die rechten Mittel ergreift.

Im gesammten Gebiete der Wissenschaft läßt sich mit solchem blinden Feuerwerk ebenfalls nicht fechten. Denn wie die aufsteigende Rakete nach dem mit prahlendem Gelärm kühn genommenen Anlauf, nach einem kurzen ergötzlichen Glanz, nichtig in sich selbst zerplatzt, und dunkel unbeachtet zerfällt: eben so muthlos stürzt nach kurzer Zeit derjenige zusammen, der hierseine Lehren und Behauptungen nicht mit ächten positiven Kenntnissen belegen und als gründlicher und wahrer Gelehrter sich ausweisen kann.

Es bleibt daher für die Leute jener Gesinnungen kein Spielraum weiter übrig, als das Reich der Künste, vorzüglich der bildenden. Und in der That haben sie sich in unseren Tagen, so scheint es, auch dahin geflüchtet, und glauben nach ihrer verkehrten Grundansicht, daß man sich darin mit einem Bißchen Verstand und mit so viel in den Schuljahren gelernter Sprache, als nöthig, um sich fehlerfrei auszudrücken, so recht nach Belieben herum treiben könnte, ohne weiter dafür eine Strafe oder Zurechtweisung befürchten zu müssen. Sie betrachten dieses Plätzchen als ein Lieblingsörtchen ihrer Ruhe und Erholung, wo man den noch mit ausgestopfter figurirender Keule als junger Heros einherschreiten, und nach Herzenslust um sich herum schlagen könnte. Da ihnen alle übrigen Wege verrammt sind, so ließe sich, denken sie, in der Kunst ihr Bißchen Witz ohne Mühe am besten anbringen, und die Leidenschaft, welche sie in ihren großen Seelen für das Herrscher- und Richteramt einmal gefaßt haben, trefflich befriedigen.

Wer sollte auch dagegen etwas thun? Die Künstler selbst schreiben nicht gern, und fürchten auch wohl unser schreckliches Fehrngericht zu sehr; wem sonst könnte wohl daran gelegen sein, uns von unsern eingenommenen Thronen zu verjagen? Haben wir diese einmal nur festgestellt, und den Künstlern durch ein Paar Schreckens- und Strafgerichte unsern eisernen Arm fühlen lassen, so sind sie mit schweren Ketten an den Felsen geschmiedet, eingeschüchtert für immer, und unterlassen fernerhin allen prometheïschen Trotz. Sie erkennen uns gern und freiwillig als ihre Oberherren, legen ihr Heil in unsere großmüthigen Hände, lächeln uns für jeden Gnadenbiick den schönsten Dank zu, und wir donnern und blitzen, oder lassen die Sonne scheinen, wie es uns gefällt, und wie uns die Laune steht.

Die Rollen sind nicht übel ausgedacht und bewundernswürdig vertheilt. Die Herren mögen sich zwar gut darin gefallen, allein die Behauptung derselben möchte auch in diesem Gebiete etwas schwierig sein. Man konnte dem Ding wohl eine Zeitlang seinen ungestörten Lauf lassen, da die Künste in den Zeiten der Unruhen und des noch glimmenden Krieges ohnedies in dem Hintergrunde stehen müssen, und man nur zu besorgen hatte, daß die schwach brennende Lampe beider spärlichen Nahrung, die ihr gereicht werden konnte, nicht gänzlich erlösche. Allein jetzt, wo die Palme des Friedens immer festere Wurzeln schlägt, wo unter dem Schutz ihrer ausgebreiteten Äste die Völker wieder an allgemeinen Wohlstand denken dürfen, steht zu hoffen, daß die Kunst auch wieder in ihre geheiligten Rechte eintrete, und von Neuem eine bedeutungsvolle Angelegenheit des Staates, so wie der Einzelnen werde.

Es stellen daher höhere Flüchten den Künstlern und den wahren Kunstfreunden die Anforderung, daß man es nicht als eine gleichgültige Sorge betrachte, ob die Kunst leichtfertig bis zum Mode- und Luxus-Artikel herabgewürdigt, oder als einer der mächtigsten Hebel im Menschen zur allgemeinen Verbreitung der Sittlichkeit und Civilisation benutzt werde. Gerade in unseren Tagen, wo man den schönen Gedanken wieder zu nähren anfängt, daß die lieblichsten Blüthen des menschlichen Geistes nicht mehr jener Vernachlässigung ausgesetzt bleiben werden, welche Zeiten des umwälzenden und zerstörenden Sinnes herbeiführen, dürfte sich die Kunst, wie von jeher, als kräftiges Mittel bewähren, viele Menschen von unnützem, verkehrtem Sinnen und seichter Beschäftigung abzubringen, und sie auf eine für das gesammte Menschengeschlecht fruchtbar thätige Liebhaberei zu leiten. Und deßhalb möchte auch nun der schickliche Augenblick gekommen sein, um das eingerissene Unwesen der Kunstschreiberei in Deutschland von Seiten der Künstler zu rügen und wo möglich demselben zu steuern.

Das Mittel, wodurch dem Übel radikal abgeholfen würde, in kurzen Worten anzugeben, möchte sehr schwierig sein. Eine äußerliche Einschränkung des Rechts, seine Meinung und sein Urtheil frei an den Tag zu legen, darf im Gebiete der Künste, wäre sie auch möglich, weder gefordert, noch gewünscht werden, am wenigsten von den Künstlern selbst. Denn diese müssen vielmehr zum Heil der Künste eifrig begehren, daß Jeder sich frei und offen, nach dem Maaße seiner Geisteskräfte, über ihre Produktionen äussere, daß sich Jeder über die Wirkungen, die sie auf ihn hervorbringen, ausspreche, und sich die Mühe gebe, die Ursachen derselben in seinem Denkvermögen aufzusuchen. Daß jeder Kunstfreund nach seinem Geschmack und seiner Lebensansicht für seine Person die Werke richte, liebt der Künstler; denn schlecht möchte es um die Kunst stehen, und um die Bildung einer Nation, wenn das Urtheilen und Richten über Kunstwerke seine Anziehungskraft verloren hätte. Daher muß man auch Jedem das Recht zugestehen, seine Meinung und sein Urtheil durch den Druck bekannt zu machen, und der Wunsch, daß von irgend einer Gewalt hierbei Hindernisse in den Weg gelegt würden, müßte von Jedem, der wahres Interesse an der Kunstnimmt, bei dem ersten Aufkeimen schon als unzweckmäßig, schädlich und zu größeren Mißbräuchen führend, als die Kunstschreiberei selbst, verworfen werden. Der oben bezeichnete Weg, welchen die Wissenschaft einschlägt (auch die redenden Künste u. a. m. können sich desselben bedienen), um falschen anmaßlichen Beurteilungen zu begegnen, indem sie die Irrthümer und die Unwissenheit des Urtheilenden aufdeckt, und ihn, so zu sagen, an den litterarischen Schandpfahl zur öffentlichen Schau ausstellt, ist ebenfalls nicht anwendbar im Gebiete der bildenden Künste. Denn die Werke der Wissenschaft sind durch den Druck vervielfältigt, und man ist dadurch leicht im Stande, die vielen Besitzer derselben darauf hinzuweisen, ihre eigene Prüfungs- und Urtheilskraft in Anspruch zu nehmen und so die Nichtigkeit des grundlosen Urtheils, im Angesicht des Werkes selbst, Jedem darzulegen.

Bei den Werken der Künste aber, die meist nur in einzelnen Exemplaren, bei einzelnen Personen vorhanden sind, ist dieses Verfahren nicht möglich. Jede Aufstellung der Gegengründe ist, ohne die Anschauung des Kunstwerks selbst, vergeblich, und bleibt für alle ein eben so leeres Geschwätz, als das falsche Urtheil. Nur vor dem Kunstwerk läßt sich wahrer Aufschluß über dasselbe geben, wo man das Urtheil mit den nöthigen Belegen unterstützen kann. Es läßt sich also höchstens etwa noch mit Denjenigen schriftlich darüber verhandeln, welche das Kunstwerk gesehen haben, diese sind aber nicht die einzigen, welche die gedruckten Urtheile lesen, sondern sie sind vielmehr der geringere Theil der Leser. Die Kunst hat sich aus dem öffentlichen in das Privat-Leben zurückgezogen, und ist daher überall nur einem sehr geringen Theil des Volkes zugänglich geworden. Aus diesem Grunde allein sehen konnte es auch zu den Zeiten, wo in Gegenwart der versammelten Menge (während sie noch, so zu sagen, im vollen Genüsse des Kunstwerks begriffen war) den Künstlern die Ehrenkrone des Lorbers zuerkannt wurde — als die Anschauung das Urtheil Aller leitete und begründete — Keinem einfallen, als einzelner unberufener Richter aufzutreten, und die kindische Weisheit seines eitlen Eigendünkels in Machtsprüchen zu offenbaren. Was sollte aber in unserer Zeit derjenige von einem Kunstwerkglauben, das er nicht einmal gesehen, das er nicht kennt, läse er auch zwei ganz entgegengesetzte Urtheile darüber? Unstreitig gar nichts. Es muß sicherlich gegen dasselbe eine geisttödtende Gleichgültigkeit eintreten, indem die indifferente Partei immer noch die gerechteste ist, wenn man individuelle Gefühle vernimmt, die über Gegenstände ausgesprochen werden, welche man selbst aus eigener Erfahrung nicht kennt. Das Kunstwerk konnte zwar auf diese Weise durch eine Gegen-Kritik von dem ihm zugefügten Schaden einigermaßen befreit werden, nie aber die Kunst und der Künstler, wie sich weiter näher ergeben wird.

Die jetzigen sogenannten Kunstrichter müssen daher nothwendig, um nicht in die eben dargethane Ungereimtheit zu verfallen, nämlich Leuten etwas vordemonstriren zu wollen, deren eigenen Sinnesfassung es nicht zugänglich ist, zu der anmaßenden Behauptung ihre Zuflucht nehmen, daß sie gerade denjenigen geringen Theil des Publikums, welcher die Kunstwerke,die sie besprechen, gesehen, hauptsächlich aber die Künstler selbst belehren wollten. Dieser Standpunkt ist aber gewiß der geeignetste, ihnen zu begegnen, und ihnen über ihre Fehlgriffe Aufschluß zu geben. Indem wir dies thun, werden wir dadurch zu ihrer eigenen Selbstkenntniß beitragen und sie, falls es ihnen Ernst mit der Kunst ist, auf einen sicherern Weg leiten, als der ist, welchen sie bis jetzt aus Unkenntniß betreten haben.

Demnach glauben wir, daß das einzig mögliche und anwendbare Mittel sei, diese unberufenen Richter auch aus dem Gebiete der Künste zu entfernen, daß man sie aufkläre und ihnen die Geringfügigkeit und Ärmlichkeit ihrer Stelle in jeder Hinsicht klar vor Augen lege. Wir wollen ihnen daher erstlich offen und unverholen bekennen, daß der Künstler, streng genommen, nur von dem Künstler seine Belehrung erwartet, den Tadel und das Lob des Laien aber meist sehr gleichgültig aufnimmt, sobald er nicht im theilnehmenden, sondern im selbstgenügenden, anmaßlich belehrenden Tone spricht; dabei werden wir den Herren aus der Schilderung ihrer eigenen Arbeiten noch beweisen, daß sie gar nicht dazu gemacht sind, als öffentliche Lehrer zu figuriren. Zweitens werden wir ihnen darthun, wie sie durchaus nachtheilig auf den Geschmack und auf die Liebhaberei des Publikums wirken. Diejenigen, welche redlich und ehrlich genug sind, das Aufblühen der Kunst zu wünschen, und nur durch eine allzu große Meinung von sich selbst, und eine zu geringe von dem Studium der Kunst, in jenen Irrthum verfallen sind, werden gern von einem Vorhaben abstehen, das gerade die entgegengesetzte Wirkung hervorbringt, als die, welche sie davon erwartet haben. Die Andern hingegen, welche glauben, daß die Kunst derjenige Ort sei, wo man am bequemsten im Trüben fischen, und ohne Kenntnisse und Bildung sich leicht von einer unbedeutenden Dunkelheit zu einem bedeutungsvollen Namen schwingen könnte, mögen die Versicherung annehmen, daß wir zu ihnen nicht reden, und mögen dann ungestört fortfahren, sich fernerhin der Lächerlichkeit und der Geringschätzung von Seiten der Künstler zu erfreuen.

Stellt man überhaupt die Frage auf, wem das Kunstrichteramt denn eigentlich zukomme, — so ist wohl die einfachste und richtigste Antwort darauf: dem Künstler vorzugsweise. So hat das Alterthum entschieden, und so wird man ewig hierüber entscheiden, weil es in der Vernunft so gegründet ist. Der Künstler ist gebildet dazu von früher Zeit an, bereichert sich jeden Tag durch neue Erfahrungen und Kenntnisse, und weihet dieser edlen und schwierigen Beschäftigung die Stunden seines Lebens. Es würde wohl gewiß Niemanden einfallen, Musiker und Maler zu versammeln, wenn in einem Kriegsrathe über den Werth eines Feldherrn oder eines Feldzugs sollte abgeurtheilt werden; man wird gewiß hierzu nur Männer vom Fach, nur kriegskundige Männer berufen. Es giebt ja wohl kaum etwas Abgeschmackteres, als wenn der Dilettant, der immer die Sache nur zur Hälfte kennt, den Mann meistern will, welcher sie von allen Seiten kennt. Man könnte zwar hierauf entgegnen, daß gerade das Eigenthümliche der Künste darin bestehe, daß sie hiervon eine Ausnahme machten, indem sie ihre Ideen durch das Mittel der Schönheit zur faßlichen Klarheit bringen, und es sei ein herrliches Vorrecht der Schönheit und somit der Künste, daß sie jedem Menschen durch ein bloßes Naturgefühl, ohne weiteres Studium, zugänglich seien. Allein dieses ist doch nur bis zu einem gewissen Grade wahr, und reicht nur so weit, als zur eigenen nothdürftigen Auffassung nöthig ist, und deßhalb haben wir oben nicht nur jede Beurtheilung von jedem Nichtkünstler gewünscht, sondern ihm auch das formelle Recht der Bekanntmachung gern zugestanden. Wir möchten am wenigsten die Kunst jenes schönen Vorrechts berauben. Wer aber von diesem Recht Gebrauch machen, und als Lehrer auftreten will, und Andern sein eigenes Urtheil aufdringen möchte, dem ist jenes angeborne Naturgefühl nicht mehr hinreichend. Um die Tiefen der Kunst zu erforschen, ist tiefes, langwieriges Studium, wie bei allen anderen Fächern, nöthig. Faßt auch oft ein geistreicher Beurtheiler eine Idee besser und erschöpfender auf, als mancher praktische Künstler, so ist vor Allem erforderlich, daß derselbe seine Geistesüberlegenheit offenbare und bewähre, indem er untersucht, ob der vom Künstler gewählte Vorwurf seinem innern Wesen nach überhaupt einer künstlerischen Darstellung fähig sei, ob der Künstler das, was er gewollt, verständlich, einfach und klar ausgedrückt habe. Der Beurtheiler muß in diesem Fall den Schatz seines eigenen produktiven Vermögens öffnen, und die richtige Idee, so wie die Art und Weise ihrer Darstellung neu außtellen, falls der Künstler Unrecht hat, und dadurch den Maaßstab angeben, wonach er das Kunstwerk gemessen hat, so daß Jeder, der sein Urtheil liest, im Stande ist, ihn selbst wieder zu beurtheilen. Er kann dann auf den sichern Erfolg rechnen, daß seine Meinung sowohl von dem Künstler als den Kunstfreunden günstig und lehrreich aufgenommen wird, und er hat zur Bildung des Geschmackes etwas beigetragen. Fehlt aber dem Urtheil dieser produktive Theil, und ist nur ein individuelles Gefühl ausgesprochen, wie dies allgemein bei den gedruckten Urtheilen heutiges Tages der Fall ist, so ist der Schaden für die Kunst unvermeidlich und unberechenbar, gleichviel, ob dasselbe Tadel oder Lob enthalte.

Der Tadel verdirbt vielen Beschauern die Freude und den Genuß, die sie anfänglich an dem Kunstwerke gehabt, weil es einmal in der menschlichen Natur liegt, besonders in derjenigen, welche noch nicht zu ihrer reifsten Entwicklung und zu dem selbstständigen gründlichen Urtheilen gelangt ist, daß sie allmälig die Lust an Gegenständen verliert, die von Andern bekrittelt und gemäkelt werden; es geschieht dies sogar im Leben bei Dingen von dem geringfügigsten Werthe, und zwar um so mehr, wenn der Tadel öffentlich, mit frecher Stirne und angenommener überlegener Meisterschaft ausgesprochen ist. Es mag dieses Gefühl darin seinen Grund haben, daß sich kein Mensch gern auf seiner eigenen Unmündigkeit ertappt, und er trägt daher die Sache auf den Gegenstand über, welcher die Ursache zu seiner entdeckten Blöße gegeben hat. Nun ist aber gewiß in einer Zeit, wo die Kunst mehr einer exotischen Pflanze in einem künstlichen Gewächshause, als einem üppigen, im freien Felde treibenden Baum zu vergleichen ist, die Schärfe und die völlige Mündigkeit des Urtheils (welche außer den dazu angeborenen Fähigkeiten ohne vielfache Übung nie erlangt werden), weder allgemein vorauszusetzen, noch zu fordern, indem diese erhöhten Geisteskräfte im Gebiete der Künste nur häufig anzutreffen sind, wenn sie ein Hauptbestandtheil des Lebens geworden, und der Spiegel sind, worin sich alles Denken und Sein abglänzt. Sobald aber der Boden erst genährt und neu gepflegt werden muß, damit sie wieder als einheimisches, vaterländisches Gewächs Wurzeln schlage, ist ein freies, selbstständiges, gründliches Urtheil nurbei wenigen Einzelnen, vorzüglich bei Künstlern selbst zu suchen. Diese lassen sich freilich nicht irre machen, allein der größere Theil der Beschauer wird durch jene zerstörenden Kritiken gänzlich irre geführt, und von der Kunst nur noch mehr entfernt, alles Selbstvertrauens beraubt, und so wird auch dieser Theil des Publikums, eben wie der oben erwähnte, zu der traurigen, schlaffen Empfindung der Gleichgültigkeit gegen Kunst und Künstler gebracht. Das Lob aber, welches gewöhnlich eben so grundlos, und oft gar nach persönlichen Rücksichten reichlich gespendet wird, wirkt nicht minder schlecht, indem Dinge angepriesen werden, welche selbst das ungebildetste Gefühl verwerfen würde.

Ein unbefangenes Auge, das von keiner Nebenabsicht geleitet wird, weiß an und für sich schon besser zu unterscheiden, und Lob und Tadel gerechter zu vertheilen, als alle Halbwisser und Halbkenner, die doch nur ihre eigene Person zu Markte tragen wollen. Wer aber die Welt lenken will, der zeige zuerst seine Kraft durch eigene Schöpfungen. Auf den Künstler verlieren nun dergleichen seichte Kritiken ganz und gar allen Einfluß. Er betrachtet sie als ein leeres, eitles, schikanenhaftes Geschwätz, und sieht einen solchen Richter als weit unter sich stehend mit verächtlichem Blick an, und wie sollte er dies wohl anders, da derselbe nichts gegeben, wodurch er seine höheren Ansichten und Geistesgaben offenbart hat. Der praktische Künstler merkt es seinem Urtheile augenblicklich an, sei es auch noch so prunkvoll und federgerecht vorgetragen, daß er im Dunkeln und im Nebel ungewiß herumtappt, daß ihm der Maaßstab fehlt, woran er seine Behauptungen hätte halten müssen, und verwirft mit Recht jede anmaßende Kunstschreiberei, so daß die Kluft zwischen Künstler und Gelehrten (so nennt gewöhnlich der Künstler hier in Rom diejenigen, welche jetzt über Kunst schreiben, obgleich sie sich meist als sehr ungelehrt zeigen) immer größer wird, statt daß sie ganz verschwinden, und beide Hand in Hand das Feld der menschlichen Geistesbildung bearbeiten sollten.

Verfahren aber jene schreibenden Richter rücksichtlich der Idee, welche dem Kunstwerk zum Grunde liegt, der es zur Hülle dient, schon so unzulänglich und nichtig: was soll man erst von ihren Beurtheilungen der künstlerischen Darstellung und des technischen Werths eines Kunstwerks von ihnen erwarten, da beide für den Nichtkünstler weit schwieriger zu erfassen und zu prüfen sind? Über diese Theile der Kunst hat gewiß nur der praktische Künstler ein gediegenes, umfassendes Urtheil.

Statt unsern Satz theoretisch zu beweisen, was ebenfalls sehr leicht wäre, wollen wir doch lieber nach der Erfahrung greifen, sowohl der Kürze wegen, als weil man ihr mehr trauet. Wenn nämlich Männer, die man längst gewohnt ist, als Sterne erster Größe anzuerkennen, die man mit Recht den Stolz und die Zierde der deutschen Nation nennt, deren Namen die gesammte kultivirte Welt mehr oder minder verehrt und schätzt, solche große Fehler hierin begangen, solche schwache Urtheile in dieser Hinsicht niedergeschrieben haben, daß, wenn die Welt ihre Verdienste danach abmessen wollte, sich dieselben sehr verringern würden, ständen sie nicht durch ihre eigene Schwere fest; — wenn man ferner noch bedenkt, daß jene Männer, deren hohe Genialität sich so mächtig und vielfältig anderwärts bewährt hat, nach einer langen Reihe von Jahren, in denen sie sich mit den bildenden Künsten beschäftigt haben, dennoch, bei aller ihrer Geisteskraft, in den praktischen Theilen der Kunst so fehl griffen, besonders, wo ihnen die unmittelbare Leitung tüchtiger praktischer Künstler abging, wie man dies durch Hunderte von Beispielen leicht darthun kann: so mag wohl der oben ausgesprochene Satz, daß hierin mir vom praktischen Künstler allein ein wahres Urtheil zu erwarten ist, dadurch seine volle Bestätigung gewinnen.

In der That lassen sich auch in diesem Betreff die jetzigen gedruckten Kunsturtheile kaum ohne Lachen lesen, wie darin mit den aufgeschnappten Ausdrücken, warm, kalt, hart, weich, streng, steif, schmelzend, lasiren, freier Pinsel, Luftperspektiv, monoton, harmonisch, Stil, Manier u. s. w. herumgespielt wird; welche Wünsche, welcher Rath für die Künstler niedergelegt werden, daß man glauben sollte, die Herren hätten die völlige Gewißheit, daß des Künstlers einzige Absicht sei, sich ihres Beifalls würdig zu machen. Es ist gewöhnlich Alles so am unrechten Orte angebracht, daß man unwillkürlich an jenen blödsinnigen Landjunker erinnert wird, der die von seinem Vater eingelehrten Höflichkeitsformeln so verkehrt anbringt, daß er dadurch gerade zur allgemeinen Belachung und Belustigung wird!

Werfen wir noch einen kurzen Blick auf die Bildung der heutigen Kunstschreiber, so geht aus ihren Arbeiten genugsam hervor, daß sie größtentheils aus Leuten bestehen, welche sich eine kurze Zeit in Italien aufgehalten, (wir kennen diese Herren meist persönlich, und wissen sehr gut, wie viel sie auf der Geisteswaage wiegen), oder die in ihrer Vaterstadt Gelegenheit haben, einigen Umgang mit Künstlern zu unterhalten, in keinem Fache aber, weder in der Kunst, noch in der Wissenschaft, etwas Tüchtiges, Selbstständiges geleistet haben. Sie zeigen eine affektirte Liebe und Begeisterung für die Kunst, und forschen auf Schleichwegen die Künstler aus, sich wißbegierig stellend, bloß um ihren Schreibereien durch diesen Firniß eine Art Haltbarkeit zu geben. Sie glauben sich noch besonders deßhalb ins Mittel schlagen und die Welt mit ihren unverdauten Lehren beglücken zu müssen, weil die Künstler sich selten zu Schreibereien entschließen, auch wohl nicht immer die dazu erforderliche Übung besitzen. Der Künstler hat dieses auch nicht nöthig, denn durch sein Kunstwerk hat er Alles gesagt, was er über einen Gegenstand sagen konnte und wollte, die Nachhülfe der Schrift ist von seiner Seite ganz vergebens, falls er überhaupt nicht verständlich ist, oder für denjenigen, der ihn nicht versteht. Tritt aber ein Künstler als öffentlicher Lehrer für Künstler auf, so wird er schon wissen, sich über sein Fach deutlicher und gehaltvoller auszudrücken, als alle Dilettanten der Welt, wie es noch zu keiner Zeit von der Blüthe bis zum Verfall der Kunst an Beispielen gefehlt hat. Der Dilettantismus hat noch immer der Kunst geschadet (eben so in jedem andern Fach), sobald er mehr will, als sich selbst belehren. Diese Herren schreibenden Dilettanten mögen es sich daher gesagt sein lassen, daß es durchaus gefährlich und verderblich sei, einer Meinung anzuhängen, die bei ihrer Verbreitung in jedem Fach nur zu traurigen Folgen und Verirrungen führen kann, nämlich früher zerstören zu wollen, bevor man etwas Besseres, Erprobteres an die Stelle zu setzen hat. Nur derjenige mag einreißen, wer zu bauen versteht und die Mittel dazu besitzt.

Fühlen aber diese Herren einen so großen undunüberwindlichen Drang in sich, die permanenten Richter und die Lehrer im gesammten Gebiete der Kunst zu machen, so ist das Erste, was sie thun müssen, daß sie sich von allen übrigen Geschäften, falls sie deren haben, loswinden, und das Studium der Künste zu dem Hauptgeschäft ihres Lebens machen. Sie mögen den menschlichen Körper, die Farben, die Beleuchtung u. s. w. studiren, kurz sie mögen sich in der Malerei, Skulptur und Architektur versuchen, und sie auch etwas näher durch eigene Ausübung ergründen. Es werden freilich den Herren ein Paar Jahrzehend dabei verstreichen, allein es wird kein Zeitverlust für sie sein, denn sie werden ächte Kenner werden, und gewiß das Richteramt als dann, besonders in der Ausdehnung über alle Fächer der Kunst, wie sich dasselbe jene oben geschilderte Klasse aneignet, von selbst bescheiden ausschlagen; sie werden ihre eigenen früheren Äußerungen selbst verlachen, und dieselben eben so ansehen, wie dies jetzt allgemein von den Künstlern geschieht; sie werden einsehen, wie kurz das Leben und wie lang und schwer die Kunst sei. Gelingt es hingegen einem solchen Proteus, in so verschiedenen Kunstgestalten aufzutreten, sagt ihm eine innere Stimme, daß er, seines guten Erfolgs gewiß, sich getrauen darf, die Zügel zu ergreifen, und den Sonnenwagen der Kunst mit seinen Chören der Musen und Grazien sicher zu lenken: so wird man dieses Lichtkind gern mit Jubel und Verehrung empfangen, seine Gebote von der rechten Seite auffassen, und seine Lehren willfährig benutzen. So lange aber dies nicht geschieht, mögen sie lieber schweigen, auf ihrem eigenen Boden pflügen, und das Geschäft besorgen, welches sie von Jugend auf erlernt haben. Sie mögen sich nicht durch späte Neigung verführen lassen, sondern sich darin ausbilden, ohne ihre Zeit mit Dingen zu verschwenden, denen sie so wenig gewachsen sind, und die Pflege der Kunst nur ruhig den Künstlern selbst überlassen, die gewiß ihrerseits das Möglichste thun werden, sie vorwärts zu bringen; denn sie liegt Niemandem mehr am Herzen, als ihnen, und sie besitzen auch die wahren und erforderlichen Mittel, ihr den gehörigen Eingang zu verschaffen. Fehlen aber den Künstlern die Mittel hierzu, so hilft alles Kunstgerede von Anderen nichts. Es bewahre nur Jeder den Schatz, der ihm durch Stand und Natur anvertraut ist, so gelingt es am ersten, daß nichts veruntreuet werde. Wer mit wahrer leidenschaftlicher Liebe und Neigung an der Kunst hängt, der wird entweder Künstler, oder bildet seinen Geist und Geschmack so aus, daß ihm jeder Kunstgenuß zugänglich ist, und dieses erfordert Studium genug für ein Menschenleben, ohne weiter sich mit dem Lehramt befassen zu müssen.

Außer den bis jetzt hier gezeigten Nachtheilen, welche eine flache Kunstschreiberei für die Kunst hat, mögen die Herren Kunstschreiber noch ferner bedenken, daß sie durch ihre zum Druck beförderten schwachen Ansichten nicht selten angehende junge Künstler, die noch keinen Ruf haben, mancher Unterstützung berauben können, so daß ein Talent in seinem Keime erstickt wird, bevor es zu seiner reifen Entwickelung gelangt; denn nicht einmal diese Urtheilskraft haben sie, die Arbeiten junger studirender Künstler, von denen der vollendeten in ihren Schreibereien zu unterscheiden. Es wurde dann noch besser sein, sie machten sich an die Werke vollendeter Künstler von Ruf, so hätten sie wenigstens diese Verantwortlichkeit nicht auf sich. Auch kümmern sich diese nicht um solches faselnde Gerede, noch merkt die Welt weiter in diesem Fall darauf; allein dies liegt nicht in der Natur und im Wesen jener strengen Gesetzgeber.

Wir wiederholen hier, daß wir diese Winke ein für allemal nur denjenigen schreibenden Kunstrichtern gegeben, welche zwar guten Willen haben mögen, und nur aus Irrthum in jenen Fehler verfallen sind, weil sie theils weder ihre eigene Kraft, noch die Kunst genugsam kennen, theils weil sie eine gewisse kleinliche Ängstlichkeit, in der Menge unbemerkt bleiben zu müssen, peinigt; die anderen aber, welche die Kunstschreiberei entweder als Nahrungsquelle benutzen, oder dadurch sich aus ihrer Unbedeutsamkeit hervorheben wollen, haben wir nicht gemeint, sie sind auch unverbesserlich. Doch diene ihnen nur so viel zur Lehre, daß sie, trotz ihren zusammengeborgten bunten Lappen, stets nackt einher gehen werden, und man kann das Publikum nur vor ihren schiefen und ungerechten Urtheilen warnen.

Wir erlauben uns, unsern wohlgemeinten Rath für die Herren Kunstschreiber, den wir von der besten Seite aufzunehmen wünschen, mit einer Erinnerung an die Herren Direktoren der Kunst-Akademien zu schliessen. Es geschieht jetzt sehr häufig, daß Kunstwerke von noch lebenden Künstlern von Privat-Leuten, ganz gegen Wunsch und Willen Ersterer, öffentlich in den Kunstausstellungen der Akademien ausgestellt werden. Dieses muß aber, wie jeder Künstler selbst am besten fühlen wird, für den Betheiligten sehr unangenehm sein. Die Gründe sind zu vielfältig, um sie alle anzuführen, es mag daher hinreichend sein, nur einige zu berühren. Der Künstler verschenkt oft Arbeiten, oder ist genöthigt, sie zu verkaufen, nach welchen er weder beurtheilt sein will, noch ohne seinen Schaden beurtheilt werden kann, die sich also gar nicht zur öffentlichen Ausstellung für das große Publikum eignen; es gleichen dieselben eher Privat-Briefen, die nicht für den Druck und für die Öffentlichkeit bestimmt sind. Oder es könnte sein, daß der Künstler gerade mit jener Akademie, wo sein Werk ausgestellt worden, in keinem guten Vernehmen stände, wodurch leicht wechselseitige Reibungen entstehen, oder es werden frühere Arbeiten eines Künstlers ausgestellt, die er selbst nur als schwache Anfänge betrachtet u. s. w. Da aber jeder Eigenthümer eines an sich gebrachten Kunstwerks der Form nach das völlige Recht besitzt, damit anzufangen, was er nur will, so wäre es daher die Pflicht derjenigen Personen, welche den Kunst-Akademien vorstehen, die gewöhnlich ebenfalls Künstler sind, und um so mehr verbunden sein dürften, die Ehre ihrer Mitbrüder auf alle Weise in Schutz zu nehmen, darauf zu bestehen, daß bei den Ausstellungen nur Kunstwerke angenommen werden, entweder von den Künstlern selbst, oder welche Staatseigenthum sind, indem diese von dem Künstler immer für die Öffentlichkeit bestimmt werden. Von Privat-Personen hingegen sollte man dann nur Kunstwerke annehmen, wenn sie die Einwilligung des Künstlers beibringen können. Auch sind ja ursprünglich die Kunstausstellungen mehr dazu eingerichtet, daß die Künstler ihre Werke zur allgemeinen Kenntniß bringen können, und nicht, daß ihre Werke gegen ihren Willen ausgestellt werden, so daß sie von einer Einrichtung Nachtheil haben, welche ihren Vortheil zum Zweck hatte. Auf die angegebene Weise ließe sich daher eine Inkonvenienz aus dem Wege räumen, die hier zur vielfaltigen und allgemeinen Klage oft Veranlassung giebt, ohne daß dadurch die Rechte weder des Künstlers, noch des Eigenthümers gekränkt werden.

Rom, 1826.
(Unterz.)
Catel. Jos. Koch. J. C. Reinhart.
Friedr. und Joh. Riepenhausen.
v. Rohden. Alb. Thorwaldsen.
Ph. Veit.

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Generel kommentar

Dette debatindlæg er dateret 1826, men den udgave, der gengives her, udkom i 1833 i et hæfte med titlen Drei Schreiben aus Rom Gegen Kunstschreiberei in Deutschland, Dessau 183, p. 1-26. Hæftet rummer to andre artikler udover den, der gengives her:

  • Betrachtungen und Meinungen über die in Deutschland herrschende Kunstschreiberei. (Unterzeichnet: Catel, Jos. Koch, J.C. Reinhart, Friedr. und Joh. Riepenhausen, v. Rohden, Alb. Thorwaldsen, Ph. Veit.)
  • Sendschreiben an Herrn Dr. Schorn in München, von Joh. Chr. Reinhart in Rom.
  • Sendschreiben an einen Kunst-Kritiker in Dresden, von Friedr. Rud. Meyer in Rom.

Teksten er afskrevet efter hæftets trykte udgivelse.

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Kunstnermiljøet i Rom
Sidst opdateret 25.03.2018 Print