Arkivet, Thorvaldsens Museum

 
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Redaktørerne ved Kunst-Blatt 29.4.1824 [+]

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Thorwaldsens Arbeiten für die Frauenkirche zu Kopenhagen.

(Beschluß.)

Unstreitig ist die Darstellung eines idealen Charakters desto schwieriger, je erhabener und umfassender die Idee ist, welche er aussprechen soll. Und so darf wohl das Christusideal für die schwerste Aufgabe der religiösen Kunst gelten, da in ihm das Göttliche auf verschiedenen Stufen zur Anschauung gebracht werden muß. Ihm zunächst finden wir außer Maria, deren Charakter die Kunst bereits in einer Menge poetischer Gestalten ausgebildet hat, die Apostel, die Lehrer und Helden des Glaubens. Sie sind die Empfänger, Verkündiger und Verbreiter des neuen Bundes, und stehen unter den Neu-Testamentlichen Personen auf derselben Linie wie die Propheten unter den Alt-Testamentlichen. Aber wenn der Geist der lezteren der des Forschens, Sehnens und Erwartens war, mit dem sie über Leiden und Zerstörung hinaus auf den einigen Gott, den Netter Israels hin blickten: so ist der der Apostel der Geist der Erleuchtung und der wunderwirkenden Kraft des Glaubens. Jenen gewaltigen Charakteren, welche sinnend und trauernd und prophezeiend über einer zerrütteten Zeit schweben, war das Genie des Michel Angelo angemessen; selbst eine Natur von urweltlicher Kraft, schuf er die Ideale der Propheten und Sibyllen in der Sixtina, die in riesenhaften Verhältnissen und gewaltiger Bewegung den innern und äußern Sturm und Drang offenbaren. ‒ Die Apostel hat man zwar vielfach gemalt und gebildet, doch mehr in Scenen als in Idealgestalten, weßhalb nur wenige typisch geworden sind. Was jedoch Leonardo und Raffael hierin gethan, jener in seinem Abendmahl, dieser in seinen Cartons und in den Zeichnungen für die in S. Vincenzo ed Anastasia alle tre Fontane gemalten, jezt in der Kapelle des Quirinals wiederholten Apostelfiguren, ‒ hat im Allgemeinen allen Späteren zur Richtschnur gedient. In der Charakterisierung mancher einzelnen Apostel mußte freylich einige Willkühr desto leichter statt finden, als die heilige Geschichte nur die merkwürdigsten genau bezeichnet, und für die übrigen blos die Hülfsmittel der Tradition und der Attribute übrig bleiben. Es ist daher eine Aufgabe der Kunst unsrer Zeit, diese so wichtigen Charaktere endlich in vollgültigen Idealbildern aufzustellen.

Die zwo Apostelfiguren, welche Thorwaldsen früher als den Christus in Gyps vollendet hat, sind Petrus und Paulus, jede acht Fuß hoch, aufrecht stehend wie jener.

Petrus hält in der Rechten den Schlüssel, mit der Linken nimmt er den Mantel, der in reicher Drapirung über das Untergewand fällt, vor der Brust zusammen. Sein Kopf, mit kurz- aber reichgelocktem Haar und Bart, ist etwas nach der Rechten gewandt, als sey er plötzlich durch einen Gedanken mächtig aufgeregt. Die schönen Züge drücken Festigkeit und Treue der Gesinnung aus. Dieß ist der Fels, auf welchen Christus seine Kirche gründen konnte; der Einfache, .Festglaubige, Heftige, dem die Liebe zu Gott und seinem Meister in den tiefsten Grund des Herzens gelegt war.

Paulus dagegen, eine schlankere Gestalt, mit kurzem reichem Haupthaar und langem Bart, trägt in den hageren Zügen seines länglichen Gesichts, in den tief unter der hohen Stirn liegenden Augen, das Gepräge eines vielversuchten, durch Philosophie und Meditation hochgebildeten’ Geistes. Mit der Linken hält er das Schwert, das auf dem Boden aufsteht, der reiche Mantel fällt ihm über den linken Arm. Mit der Rechten zeigt er zum Himmel empor, von dem ihm das Licht gekommen, das er jezt mit feuriger Rede der Welt verkündiget.

Beyde Charaktere sind in einer Bewegung des Gemüths dargestellt, die verschiedenartig nach außen gerichtet ist; wodurch der Künstler die beyden Apostel nicht sowohl in ruhiger Begeisterung als erste Empfänger des Glaubens, denn in Thätigkeit als Lehrer und Verbreiter desselben, jeden nach feiner eigenthümlichen Art aufgefaßt hat.

In Bekleidung und Drapirung hat Thorwaldsen auch hier sich dem kirchlichen Styl angeschlossen. Es sind ernste, würdige Gewänder, in deren reichlichem Wurf das Nackte nur nach seinen Haupttheilen hervortritt. Das Costüm im Allgemeinen kann wohl als so bestimmt angenommen werden, daß der Künstler sich nicht mehr davon entfernen darf.

Rasch an seinem großen Werke fortarbeitend, hatte Thorwaldsen im Frühling 1823 auch fast sämmtliche für das Giebelfeld der Fronte bestimmte Figuren, nicht als Relief, wie anderswo *) irrig angegeben worden, sondern als freystehende, ins Giebelfeld des Peristyls zu setzende Statuen in Gyps vollendet. Hinter Christus und den zween Aposteln an der Wand seines großen Studiums aufgestellt, gewährten sie einen reichen und erfreulichen Anblick. ‒ Der Täufer in der Wüste predigend, der Verkäufer Christi, welcher das Volk zusammenruft und ermahnt, sich durch strenge Buße auf die reine Lehre vorzubereiten, ist unstreitig der passendste Gegenstand für den Fronten eines christlichen Tempels. Das Ganze ist vom Künstler auf naive reinmenschliche Weise genommen worden, ohne andre symbolische Bedeutung als die der Gegenstand im Allgemeinen hat: eine Versammlung von Menschen verschiedenen Alters, Geschlechts und Berufs, die mit gespannter Aufmerksamkeit der Rede des Predigers horchen. Die Figuren sind in Lebensgröße und vereinigen sich nach der Form des dreyseitigen Giebelfeldes zu einer pyramidalen, schöngeordneten Gruppe.

In der Mitte etwas erhöht auf einem Felsen, steht Johannes, in kurzem Gewand aus rauhem Fell, mit halb entblößter Brust. Die Muschel hängt ihm an der Seite. In der Linken hält er das Kreuz und mit der Rechten deutet er himmelwärts; aus seinem halbgeöffneten Munde scheint die strafende erkundigende Rede zu ertönen, und der Ausdruck seines Gesichts zeugt von der Begeisterung, die ihn beym Blick in die Zukunft erfüllt.

Das Ideal dieses Charakters ist bereits von früheren Meistern so glücklich aufgefaßt worden, daß der Künstler Unrecht gehabt haben würde, sich willkührlich davon zu entfernen. Von der magern harten Statue des Donatello in der Gallerie zu Florenz bis auf Raffaels Johann den Täufer in der Madonna di Foligno, und den in Correggio’s heiligem Franciscus zu Dresden, sehen wir immer dieselben Inge eines strengen scharfbezeichneten Gesichts, eines schlanken, abgeharteten, aller Entbehrungen gewohnten Körpers. Diesen Typus hat Thorwaldsen beybehalten. Sein Taufer erinnert zunächst an den des Raffael in der Madonna di Foligno. Es ist der strenge Mahner in der Wüste, der sich von Heuschrecken und Honig nährt, und sein Leben hingibt, die Ankunft des Heilands zu verkündigen.

Die Figuren zur Linken des Täufers, gegen den Winkel des Giebelfeldes hin, sind folgende:

zunächst an Johannes steht ein Jager in kurzer gegürteter Tunika, den Kopf mit einem Hute bedeckt, am Stock über der Schulter trägt er einen Hasen. Aufmerksamen Blicks sieht er zu Johannes empor, und seine Stellung, mit etwas vorgeseztem Fuße, zeigt, wie er, eben noch in Bewegung, schon von der Rede gefesselt ist. Diese Figur ist eine der zulezt vollendeten, und sollte an die Stelle eines Soldaten kommen, welchen der Meister zuerst an diesen Platz gebracht, aber etwas zu groß befunden hatte.

Hinter dem Jäger (nach der Rechten des Beschauers) sollte ein Knabe stehen, den ich nicht vollendet sah.

Weiter sizt ein schönes jugendliches Weib, ihr Kind umfassend und horchend aufwärts schauend.

Einen sitzenden Mann, der zunächst seine Stelle findet, sah ich nicht aufgestellt.

Zu äußerst im Winkel ein liegender Hirte.

Dem Täufer zur Rechten steht ein junger Mann in kurzer Tunika; das linke Bein vorwärts auf einen Felsen setzend, den Ellbogen auf das Knie und das Gesicht in die Hand stützend, horcht er aufmerksam mit emporgerichtetem Blick dem Redner zu.

Hinter ihm ist ein knieendes Mädchen, auf dessen Schulter sich ein Kind lehnt, in gleiche Aufmerksamkeit versunken ‒ eine höchst anmuthige Gruppe.

Dem unbefangenen kindlichen Alter folgt das reife reflekitirende. Ein ehrwürdiger Greis mit langem Bart, das Haupt mit einer niedrigen Mütze bedeckt, steht in langem weitem Gewand, das nachdenkliche Profil gegen den Täufer gekehrt; er hat das Ansehen eines Schriftgelehrten, welcher die neue Kunde prüfend vernimmt. Auf seine Schulter lehnt sich ein Jüngling, sein Sohn oder Schüler, wie begierig, das Vernommene im Gedächtniß zu bewahren und später das Urtheil des Greises darüber zu hören.

Einzeln hinter dieser Gruppe sizt ein anderer Greise nur ähnlicher Mütze auf dem Haupt und in langen Mantel gehüllt. Auch er ist von der Rede gefesselt, die er in stiller Betrachtung zu erwägen scheint.

Den Beschluß im Winkel macht ein liegender Jüngling in kurzer Tunika.

Diese ganze Versammlung von Individuen, welche durch den Contrast ihres Alters und Geschlechts, durch die Anmuth ihrer Gestalten, die Mannichfaltigkeit und Natürlichkeit ihrer Stellungen, die anspruchlose, und dennoch Stand, Alter und Sinnesart wohl bezeichnende Bekleidung, endlich durch die gemeinsame Richtung nach dem Sprecher in der Mitte, dem Betrachtenden höchst anziehend und bedeutend erscheinen gibt einen neuen Beweis von der Klarheit, womit Thorwaldsen die Natur in sein Gemüth aufnimmt, und das Erdachte wie ein Werk unmittelbarer Anschauung hinstellt. Bey der Schnelligkeit, womit er arbeitet, scheint der Gedanke ohne Anstrengung und Störung in das Werk überzugehen, daher jede seiner Figuren, sey sie auch im Einzelnen noch nicht bis ans Aeußerste vollendet, doch von einer Lebendigkeit durchdrungen ist, die nur aus der entschiedensten innern, man möchte sagen organischen, Consequenz entspringen kann.

Ein neuerlich von Thorwaldsen modellirtes Werk für diese Kirche ist, wie ich aus Briefen erfahre, ein knieender, für den Taufstein bestimmter Engel, der mit großen Beyfall gesehen wurde. Auch einige andere Apostel sind wohl in diesem Winter geendigt worden, von denen ich jedoch zur Zeit keine Nachricht geben kann.

Zu bedauern bleibt, daß von allen diesen trefflichen Werken die einzige Christusstatue in Marmor, die übrigen nur in Gyps oder gebranntem Thon aufgeführt werden sollen. Wenn einst Fremde nach Kopenhagen eilen den, um diese Versammlung von Statuen zu bewundern, wenn die Geschichte der Kunst diese Werke eines einzigen Meisters unter die schönsten Denkmäler, und ihr Entstehen unter die schönsten Momente zählen wird, deren sie zu erwähnen hat, ‒ so wird die Nachwelt betrauern, daß hier der Genius des Bildners einem weniger zarten und verganglichern Material sich anvertrauen mußte: doch bleibt der beste Theil der Kunst , ihr Geist, auch im geringern Stoff erkennbar und wirksam.

Schorn.

Generel kommentar

Denne tekst udkom i Kunstblatt nr. 35, d. 29.4.1824.

Arkivplacering
M17,59 (Thorvaldsens Museums Småtryk-Samling 1824)
Emneord
Bestillingen til Vor Frue Kirke
Personer
Bertel Thorvaldsen
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Sidst opdateret 04.11.2016 Print