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No. 9544 of 10185
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E.A. Hagen 11.4.1844 [+]

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Omnes
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Ueber

A. von Thorwaldsen.

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Eine Vorlesung,
in der Königlichen deutschen Gesellschaft
am 11. April
gehalten
von
E. A. Hagen.

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Königsberg, 1844.
Bei H. L. Voigt.

“Wann wird der Welt und der Kunst ein anderer Thorwaldsen wiedergegeben werden?” schreibt sein Freund, der Professor Rauch.

In Thorwaldsen verloren wir einen Künstler, der erfüllt von der Schönheit des Antiken sie uns durch Hervorhebung des rein Menschlichen näher brachte, der das starre Archäologische und Allegorische mit Lebenswärme durchdrang, einen Künstler, der ein Herrscher auf dem Gebiet christlicher Kunst, obwohl umgeben von bunten Heiligenbildern, im ernsten Protestantismus die poetische Weihe fand. Die Trauer um den Dahingeschiedenen theilt, wer seine Schöpfungen sah oder wer nur von seiner fruchtreichen Thätigkeit hörte und dennoch dürfen wir nicht dem Schicksal grollen, da sein Leben verlosch, als der Glanz seines Wirkens sich bereits zum Niedergange neigte. Wenn wir die Reihe seiner reichen Bildungen überblicken, so drängt sich uns mehr als bei einem anderen Künstler die Zeit der Jünglingsbegeisterung, die des gediegenen Mannesalters und die des Greisenthums auf, und wie rüstig auch immer das letztere war, so dürfen wir uns beim Vergleich des Früheren mit dem Späteren nicht verhehlen, daß er in den letzten Jahren weniger vorwärts strebte, als an den Erinnerungen ehemaliger Größe zehrte.

Nach dreißigjährigen Studien trat Thorwaldsen erst als fruchtbar schaffender Künstler auf. Er sammelte langsam, um auf einmal in überströmendem Reichthum seine Geistesschätze auszubreiten. Diese Zeit der Bewegung und des Wettstreits umfaßte ungefähr 15 Jahre und ebenfalls 15 Jahre die Periode der in sich beruhigten, gereisten Kraft und 15 Jahre die des Stillstandes. Alle theilen das mit einander, daß er geräuschlos auftrat, daß seine Hammerschläge nur auf den klingenden Marmor, nicht auf das hohle Metall der Tagesglocke gerichtet waren, daß er sich geltend machte ohne Beihülfe wortreicher Lobredner. Statt der stürmischen Gewalt, mit der andere Künstler sich ankündigen, zeigte er ein friedfertig ängstliches Wesen, statt männlicher Entschiedenheit eine jungfräuliche Be-

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fangenheit. Sein stiller Eifer und seine strenge Gewissenhaftigkeit ließen in ihm nur einen treuen Mitkämpfer erkennen, nicht einen erhabenen Vorkämpfer auf dem Felde einer neu zu erringenden Kunst. Man ist geneigt, den ächten Genius sich als unabhängig von Zufälligkeiten zu denken, wo er wirklich glüht, meint man, da fehle es nicht an begünstigenden Umständen, die ihn zur hellsten Flamme anfachen, allein manches Beispiel lehrt dagegen, daß er, von der Ungunst der Verhältnisse niedergehalten, eher in Asche zerfällt, als es ihm möglich war, sich bemerkbar zu machen. Thorwaldsen zog das eine Loos, ein anderer dänischer Künstler, Carstens, der mehrfach genannt werden wird, das andere.

Nachdem Thorwaldsen eine harte Prüfungszeit durchkämpft, nachdem ihm, gerade als die letzte Hoffnung sich zu verfinstern schien, ein Glückstern aufleuchtete, fand er einen dankbaren Boden, dessen Ergiebigkeit bei seinem Fleiß sich auf überraschende Weise steigerte.

Thorwaldsens vierzigjähriger Ausenthalt in Rom fiel in eine Zeit, die das beste Gedeihen verhieß. Bernini’s elegante Ungestalten fanden keinen Bewunderer mehr. Die Bildhauerei, ganz und gar von der Kunsthöhe herabgesunken, diente allein dem Tode. Sie verstieg sich nicht leicht über Mappen und Embleme irdischer Hinfälligkeit auf Grabmälern, über Bildnißfiguren, die nach Todtenmasken gearbeitet wurden.

Canova gab der Bildhauerei Selbststandigkeit und führte sie von den Gruften ins Leben zurück. Ihm gelang es, durch zierliche Gestalten für sie eine überwiegende Theilnahme anzuregen, und Napoleon förderte sein Streben. Neben Antiken nahmen die Paläste jetzt moderne Statuen auf und zahlten sie zum schönsten Schmuck. Asmus Carstens, obgleich Maler, hatte sich in plastischen Arbeiten versucht und durch seine geistreichen Blätter aus der griechischen Mythe und Geschichte die Ideenkreise gleichsam vorgezeichnet, in denen Thorwaldsen sich mit Ruhm bewegen sollte. Thorwaldsen vermißte nicht in Rom Landsleute, die als tüchtige Antiquare ihm mit gelehrtem Rath an die Hand gehen konnten, und er schloß sich zuerst an Zöega und später an Bröndsted an. Von größerer Wichtigkeit aber war es für ihn, daß er Gelegenheit fand, statt römischer Vorbilder, griechische der ersten Klasse zu studiren. Der Papst empfing damals zum Geschenk Abgüsse von den Statuen und Reliefs, die zum Parthenon in Athen gehört hatten. Etwas später kam

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eine merkwurdige Statuengruppe aus dem Giebel eines äginetischen Tempels nach Rom. Aber auch das Leben mögte in schönen Bildungen nicht hinter der Kunst zurückbleiben. Von einer kunstliebenden gräflichen Familie wurde ein Landmädchen Namens Viktoria mit dem edeln griechischen Profil, mit den langen Augenwimpern als eine untadliche Schönheit aus Albano nach Rom geführt und die Künstler wetteiferten, in Stein und Gemälden ihren Zauberreiz zu fesseln.

Im Jahre 1811 wurde in Norwegen ein Marmorbruch entdeckt, der in reicher Fülle ein Material lieferte, das dem carrarischen ähnlich war. Durch den Fund wurde der Blick früher, als es sonst wohl geschehen wäre, auf den dänischen Bildhauer gerichtet, als den würdigsten Bearbeiter desselben; denn man schien einen höheren Zusammenhang darin zu sehen, daß Marmor in dem Reich gewachsen, wo der Bildhauer geboren sei. Der jetzt regierende König von Dänemark, Christian, damals Kronprinz, lud ihn nach Dänemark ein, um über die für die Christiansburg zu bestimmenden Marmorverzierungen Vorschläge zu machen. Das Aufhören der französischen Oberherrfchaft in Italien machte Canova um eine Stütze ärmer, für die meisten anderen Künstler aber war es das freudigste Ereigniß. Nach der Rückkehr des Papstes aus fünfjähriger Gefangenschaft trat ein wohlthätiger Umschwung der Dinge ein. Reisende, namentlich Engländer, die so lange sich fern gehalten, wallten in Schaaren nach Rom und machten bei den Künstlern ansehnliche Bestellungen. So war in geistiger und materieller Beziehung ihre Stellung geichert.

In Thorwaldsens immer weiter sich ausdehnenden Werkstätten entfaltete sich eine staunenswerthe Thätigkeit. Die schönsten und mannigfaltigsten Werke entstanden in den Jahren 1820 bis 1822.

Albert oder Bertel Thorwaldsen, welchen Namen v. der Hagen durch Thors Sohn übersetzt, wird von seinem Biographen Thiele wie gewöhnlich mit W. geschrieben. Er selbst gebraucht ein V. und in manchen deutschen Schriften findet man diese Schreibart beibehalten. Thiele giebt als seinen Geburtsort Kopenhagen an, als seinen Gedurtstag den 10. November 1770. Thorwaldsen glaubte in Island das Licht der Welt erblickt zu haben und auf einem Taufstein, den er der Kirche des Städtchens Myklabye in Island schenkte, nennt er

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sich einen Isländer. Nach einer Meinung soll seine Mutter, eine Predigers Tochter, mit ihm auf dem Schiffe niedergekommen seyn, das die Eltern von Island nach Kopenhagen führte. Wenn man ihn fragte, wann er geboren sey, so erwiderte er: das weiß sich nicht, aber sich weiß, daß sich den 8. März 1797 nach Rom gekommen bin. Sein Vater war ein gewöhnlicher Bildschnitzer, der aber seinen Stammbaum bis zu einem fabelhaften König Harald von Norwegen heraufzuführen wußte. Der Vater nahm in ihm mit Freuden die Anlage zum Zeichnen wahr. Wenn Bertel nach dem alten Holm auf den Werften dem Vater, der Schiffszierrathe daselbst schnitzte, das Essen brachte, so benutzte er die Zeit, während jener Mittag hielt, an seinen Figuren zu arbeiten und sie zu verbessern. Es war Gelegenheit, den Knaben von 11 Jahren auf die Kunstakademie zu bringen. Der Vater hegte dabei den bescheidenen Wunsch, bald in ihm einen Gehülfen in seiner Handthierung zu erlangen. Eine höhere Plastik war schon früh das Ziel des schweigsamen, in sich gekehrten Bertel gewesen. Die Gypsklasse in der Akademie und das Theater bot seiner Liebe zu schönen Formen Nahrung. Um so schmerzlicher mußte es ihm sein, erst nach vier Jahren des fleißigsten Schulbesuchs in die Gypsklasse aufgenommen zu werden. Sein Lehrer wurde jetzt der Director Abildgaard, unter dessen Leitung auch Carstens studirt hatte und zwar zu gegenseitigem Verdruß. Der fügsame Thorwaldsen freute sich, durch ihn die silberne Medaille zu erhalten, die Carstens zurückwies, da der bevorzugte Verwandte eines Lehrers die goldene empfangen hatte. Thorwaldsen blieb bescheiden, selbst da er, noch ein Schüler, veranlaßt wurde mit Gottfried Schadow zu concurriren. Dieser, bei seinem Aufenthalt in Kopenhagen in die Akademie aufgenommen, lieferte, wie es der Brauch heischte, ein Receptionsstück, mit dem Abildgaard so wenig zufrieden war, daß er seinen Zögling aufforderte, ein Seitenstück zu verfertigen. Das kleine Relief stellt Herkules und Omphale dar. Nebeneinander auf der Löwenhaut sitzend, hält er die Spindel und sie die Keule. — Neben dem mythischen Gegenstande behandelte er mit Liebe einen biblischen, wie Petrus und Johannes den Lahmgeborenen heilen. Wenn die sichtbare Uebertragung der antiken Gestaltung auch befremdlich wirkt, so verdiente er für dieses Werk wohl die gol-

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dene Medaille. Um einen Verdienst zn haben, fertigte er Wappenschilder, Uhrgehäuse, modellirte für einen königlichen Palast nach Abildgaard’s Zeichnung die Tages: und Jahreszeiten und etliche Musen. — Der nicht unbekannte, schwedische Hofbildhauer Sergell, der mit Trippel unter günstigeren Umständen dem Ansehn Canova’s gegenüberzutreten Kraft gezeigt hätte, bewunderte die Geschicklichkeit und Behendigkeit, mit der Thorwaldsen diese Statuen von Stuck beendigte, und da er fragte, wie er die Figuren nur so hübsch ausführen könnte, so entgegnete der fleißige Jüngling ohne Arg: “Mit diesem Schabeisen.”

Abildgaard verschaffte ihm die Bestellung einer Büste von Bernstorff nach einem Gemälde. Hier war es ihm verdrießlich, daß der Mentor sein Thonbild zu verbessern unternahm, wodurch der Kopf nicht an Aehnlichkeit gewann. Thorwaldsen, ohne sich des unheimlichen Gefühls recht bewußt zu werden, fand kein Gefallen mehr an dem akademischen Treiben. Viel war er mit jungen, strebenden Künstlern zusammen, mit denen er nach dem weiblichen nackten Modell zeichnete oder in Thon arbeitete, oder, wenn solcher nicht vorhanden war, in Weißbrot. Die Unterredung der angehenden Künstler mogte sich oft um Carstens’ Streben und Schicksal drehn, wenigstens wissen wir von einem unterihnen, daß er oft über die schnöde Behandlung, die jenem in Kopenhagen geworden, sich bitter aussprach, wodurch das Vorurtheil gegen das akademische Zunftwesen sich immer mehr steigern mußte. Nur mit Mühe konnte Thorwaldsen bewogen werden, um den großen Preis zu concurriren, an dessen Gewinn sich die Ausicht auf ein vierjähriges Reisestipendium knüpfte. Er war im Begriff, ans der Kammer zu entweichen, in der er zur Eutwerfung der Skizze verschlossen werden sollte, als ihm ein Professor begegnete und ihn durch freundliches Zureden zurücknöthigte. Thorwaldsen bei seinem träumerisch unbestimmten Wesen, das der Bevormundung stets bedurfte, hielt eine Reise nach Rom damals vielleicht nicht einmal für ein Glück, da die Vorstellung alles dessen, was ihm widerfahren könnte, jeden encschiedenen Entschluß schwächte. Er malte lieber für geringen Lohn Portraits und vergnügte sich in einer dramatischen Gesellschaft, wo er einst in einer Rolle schmählig stecken blieb. Das Relief, das er lieferte, ist ein schwaches Erzeugniß, dennoch ward

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ihm 1796, da er bereits 26 Jahre alt war, ein Stipendium von 400 Thlr. bewilligt. Thorwaldsen wollte es nur haben und benutzen, wenn einer der künstlerischen Freunde es mit ihm theilte; es mochte Gutmüthigkeit seyn, die ihn dazu bewog, vielleicht aber auch die Absicht, einen Gefährten zu gewinnen, der ihm bei seiner Unerfahrenheit mit dem Weltverkehr zu Hülfe käme. Dieser war aber zu edel, um auf den Vorschlag einzugehn. Gewiß hatte man sein Bestes im Sinn, als man ihm, der nicht italienisch, nicht französisch verstand, mit einer dänischen Fregatte nach Neapel zu gehen veranlaßte. Die Reise, so friedlich sich auch die Elemente zeigten, war mühselig und gefahrvoll. Man kreuzte hin und her, um, von den Feinden ungefährdet, vorzudringen, erst nach vier Monaten kam man ins mittelländische Meer; man legte in Malaga, Algier und Malta an. Thorwaldsen sehnte sich nach Dänemark zurück und wäre, wenn sich ihm ein Fahrzeug dargeboten hätte, unfehlbar heimgekehrt. Endlich erreichte er Sizilien und gebrochenen Herzens langte er in Rom an. Durch einen Brief des Bischofs Münter an den dänischen Archäologen Zöega empfohlen, suchte er diesen auf, fand aber in ihm einen melancholischen, unzugänglichen Greis, der seiner römischen Gattin zu Liebe katholisch geworden und der sein ganzes Leben und Forschen für ein verfehltes erklärte. Von Zöega wandte er sich zu Carstens, der in Folge namenloser Entsagung und Entbehrung und unausgesetzten Grames an der Schwindsucht tilt, die ihn in Jahresfrist hinraffte. Mit zitternder Hand zeichnete er noch als Anspielung auf den kaiserlichen Kunstraüber den Proconsul Verres, wie er das Dianenbild aus dem Tempel von Segesta entführt. Carstens’ Zeichnungen erfüllten den Ankömmling mit Begeisterung und regten ihn zum Schaffen an, während Zöega’s antiquarische Bedenklichkeiten ihn entmuthigten. Carstens war der erste, der die Rossebändiger auf dem Quirinal, deren Winkelmann kaum mit einer Zeile gedenkt, über die gefeiertsten Antiken in Rom setzte, und Thorwaldsen theilte das Urtheil. Seit 1801 hielt sich die Dichterin Friederike Brun, die Schwester des Bischofs Münter, in Italien auf, die sich lebhaft für Thorwaldsen interessirte, ob sie aber, wie Fernow offentlich erzahlte, es zu verhüten wußte, daß er nach Ablauf von vier Jahre nicht gezwungen war, daheim “sein Leben mit Arbeiten zu verzehren, die das Genie entwürdigen und zur

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Verzweiflung bringen” muß in Abrede gestellt werden. Thorwaldsen bezog ein kleines Atelier in der Straße Babuino, er kopirte den Kopf eines der Rossebändiger, daneben zeichnete er Carstens’ Blätter nach und versuchte sich in eigenen Compositionen. Die Kunde, daß Canova seinen feinwüchsigen Perseus als Repräsentanten des entführten Belvederischen Apoll gebildet hätte, bestimmte ihn wohl in derselben Größe 1801 einen Jason darzustellen, der das goldene Vließ, das er erobert, auf dem Arm trägt. Nachdem es ihm mit einer Pallas, einer Penthesilea und einer Melpomene nicht hatte gelingen wollen, wendete er die ersinnlichste Mühe an den vollsäftigen Argonautenführer. In dem Wunsch, sich zu genügen, ließ er seine Strenge das Standbild entgelten und schlug dem sorgsam gearbeiteten den Kopf ab, um ihm einen bessern aufzusetzen. Jason lenkte die Aufmerksamkeit auf den schweigsamen Dänen und Canova gestand, daß er in einem neuen und grandiosen Styl ausgeführt sey. An der Wirthstafel, wo jener täglich mit mehr als 30 Künstlern zusammen speiste, wurde er gefragt, ob er etwa ein Landsmann des Verfertigers des Jason sey. Der grämliche Zöega erhielt eine günstige Meinung von dem Geschick des ihm Empfohlenen und säumte nicht, über ihn nach Kopenhagen günstig zu berichten. Wenn es ihm schwer wurde, den Marmor zu ein Paar Büsten zu beschaffen, so war keine Aussicht vorhanden, die Statue in Stein zu bilden, um so trauriger für ihn, als das Ende der Stipendienzeit immer näher rückte und er nicht einmal Gelegenheit fand, seine mühevolle Arbeit nach der Heimat zu befördern. Die Abfahrt wurde bestimmt. Die Koffer wurden bereits auf den Wagen gepackt und nur auf einen Reisegenossen gewartet. Er erschien, erklärte aber, heute noch nicht mitfahren zu können. Der Vetturin fluchte, verstand sich aber dazu, noch einen Tag zu warten, und mißvergnügt ging Thorwaldsen zu der Werkstätte zurück, die er für immer verlassen zu haben meinte. Ein Engländer, vielleicht nur durch den Namen geleitet, da die Werkstätte nach ihrem Begründer noch immer die Flaxmansche hieß, besah die Gipsabgüsse und Modelle; er fragte, wieviel der Jason in Marmor kosten würde. Thorwaldsen forderte 600 Zechinen, der reiche Kunstfreund, es war Sir Thomas Hope, bestimmte den Preis auf 800 Zechinen und traf die Veranstaltung, daß der Künstler sogleich Hand ans Werk legen konnte. Thorwaldsens Schicksal war entschieden, er blieb in

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Rom und fühlte sich glücklich. Aber während er an dem Jason arbeitete, verlor er die Luft daran und nur mit Widerstreben führte er den Meissel. Von allen Seiten drängten sich ihm dankbare Stoffe anf. Der Jason hat etwas Düsteres; er drückt nicht die Freude über den errungenen Sieg aus, fondern die Ahnung, den Zaubermächten, denen er vertraute, verfallen zu sein.

Mit der Uebernahme anderer Bestellungen wuchs sein Unwille, eine Statue ausführen zu müssen, die immer weniger den gesteigerten Ansprüchen, die er an sich machte, entsprach. Dazu kam, daß 1807 ein kaiserliches Dekret erschien, dem zufolge alle Verbindungen mit England aufgehoben werden sollten, und der ängstliche Künstler es für ungerathen hielt, den Jason zu vollenden, dessen Besteller allgemein bekannt war. Er schrieb an den Lord und fragte an, ob er nicht eine andere Statue seiner Erfindung ihm fertigen könnte, erhielt aber einen abschlägigen Bescheid. So geschah es, daß er erst im Jahr 1828 seinen großmüthigen Beschützer befriedigte, um ihn indeß für das ungebührliche Hinhalten zu entschädigen, übermachte er ihm Gypsreliefs und Büsten unentgeldlich. Einen eigenthümlichen Reiz hatte es für Thorwaldsen, die Kunstfreunde schweigend zu einer vergleichenden Kritik zwischen seinen Werken und denen Canova’s aufzufordern, indem er dieselben Gegenstände behandelte, eine nackte Venus, einen Adonis, eine Hebe, einen Amor, eine Tänzerin und die Gratien. — Polyklet, nach einem alten Ausspruch, wagte sich nicht über glatte Wangen hinaus. Canova würde uns größer erscheinen, wenn er sich dasselbe zum Grundsatz gemacht hätte. Er ist nur glücklich in den Figuren eines Amors, einer Hebe, in zierlichen Gestallen, bei denen das Gefällige sich mit Charakterlosigkeit vertragt. Sein mädchenhafter Perseus ist so unangenehm wie seine Faustkämpfer, die in ihrer Uebertriebenheit uns als Carikaturen anwidern. Seine weiblichen Figuren, wie die Venus, die aus dem Bade gestiegen verführerisch sich mit einem Tuch verhüllt, die verlockenden Gratien, die Hebe mit den schwimmenden Augen entwickeln einen buhlerischen Liebreiz. Wenn ein Franzose sagte, daß moderne Statuen ohne Knochen und Nerven gebildet würden, die sich nur eben hielten, weil sie von Stein wären, so hatte er wohl Canova im Sinn. Fast scheint es bezeichnend, daß Canova sein Erstlingswerk, wie man weiß, von Butter bildete, Thorwaldsen dagegen von Brot. Thorwaldsens Venus, ein Erzeugniß des reifsten

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Studiums ganz nackt, ist von kräftiger, gesunder Frische, zeigt statt falsche Verschamtheit die Unbefangenheit der Unschuld, eben so sind seine Gratien von Gefallsucht frei und sie würden mehr Lob verdienen, wenn sie weniger Ausdruck zeigten. Das Charaktervolle widerstrebt dem jungfräulichen Schmelz. Und wenn wir gerecht seyn wollen, müssen wir in einem Punkt seinem Nebenbuhler den Vorzug geben. In einem Epigramm der genannten Friederike Brun sagt die Antike mit Hinweisung aus Thorwaldsen:

“Aus der Vergessenheit Nacht rief mich des Genius Stimme.”

Der Adel der Antike besteht in dem in sich Abgeschlossenen, das über die alten Statuen bei aller Heiterkeit eine sinnige Feierlichkeit verbreitet. Der Mittelpunkt der Darstellung liegt bei ihnen nur in feltenen Fällen außerhalb des Dargestellten. Dasselbe finden wir in den einzelnen Statuen Canova’s, nicht aber Thorwaldsens. In Canova’s Hebe, in seiner Psyche erkennen wir keine Beziehung zur Umgebung. Von dem Theseus, der auf dem erschlagenen Minotaur sitzt, rühmte ein Italiener, daß Canova die Ruhe selbst zur Würde der Kunst erhebe. Thorwaldsens Venus hält den Schönheitsapfel und unwillkürlich denkt man sie sich dem Preisrichter gegenüber. Merkur bläst auf der Syrinx, um den Argus einzuschläfern, Jason mit dem Widderfell tritt bevorstehenden Gefahren entgegen. Ungleich glücklicher ist Thorwaldsen in Gruppen, weil hier eine Wechselwirkung der Figuren bedingt wird. Canova’s Amor und Psyche, hat das unangenehm Gespreizte der Ballettänzer, wogegen Thorwaldsens Erfindung, wie Amor die durch ihren Vorwitz entseelte Psyche wieder ins Leben weckt, eine edle Haltung bewahrt. Bei Thorwaldsen wurde die Liebe zum Theater, die ihn bis kurz vor seinem Tode nicht verließ, durch die Andacht, mit der er die ungeschminkte Natur betrachtete, unschädlich gemacht. Zu leicht hätte ihn sonst das Szenische zum Unwahren verleitet, zu Stellungen und Bewegungen, die nur durch das schnell Vorübergehende der lebenden Plastik zu entschuldigen find. Das Maaßlose, theatralisch Prahlerische nehmen wir nur auf zwei Reliefs von ihm wahr. Achill auf einem Relief leidet an krampfhaften Verzuckungen, da er nicht Herr seines Schmerzes sich der Sklavin Briseis beraubt sieht; Alexander in dem berühmten Bilderfriese stolzirt gleich einem Bühnenhelden auf dem Triumphwagen. Thorwaldsen fühlte die

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ses selbst und veränderte die Stellung des Welteroberers, der als Hauptperson imposant hervor treten sollte, zweimal ohne sich genügen zu können. Ueber das Naturliche hinaus möchten oft die Handbewegungen der Sprechenden seyn. Das Grabmonument, das als Relief den Baron von Schubart zeigt, wie er auf dem Todtenbette der Gemahlin sitzt, weckt in uns die Vorstellnng eines deklamirenden Schauspielers. Sonst ist Thorwaldsen, dessen Darstellungen Handlung fordern, im Relief ein unvergleichlicher Meister und Canova tritt hier mit schülerhafter Unbehülflichkeit gegen ihn zurück. Das Seelenvolle mit dem Erhabenen, das idyllisch Gemüthliche, wofür er in der antiken Kunst wenig Vorbildliches fand, mit dem hinreißend Glanzvollen wußte er auf das Trefflichste zu vereinbaren. Der Geschichte und Handlung versteht er stets die passende Stimmung und den entsprechenden Seelenzustand unterzulegen. Thorwaldsen bedurfte, wie es scheint, in der ersten Periode seines Wirkens einer poetischen Anregung von außen und seine Bildungen verrathen es nicht felten, daß eine Entwickelung von innen nach außen ihnen abgeht. Cornelius, um einen ihm befreundeten Künstler zu nennen, sucht für den Gedanken die Form, er dagegen ergreift die sich ihm darbietende Form und durchdringt sie mit innerer Bedeutsamkeit. Thorwaldsen sah einst auf der Straße einen jugendlichen Lastträger sitzen in der gespannten Stellung, wenn es Zeit sei, schnell aufzuspringen. Er merkte sich, was er beobachtet, und fann darüber nach, zu welcher Götterfigur er die Gestalt anwenden könne, und es entstand der Merkur, der den Augenblick abwartet, um die Jo dem eingeschlummerten Hüter zu entführen.

Zwischen den allegorischen und geschichtlichen Reliefs, die er schuf, bilden diejenigen die Mitte, die für Begräbnisse bestimmt, neben Bildnissen Genien und personifizirte Tugenden enthalten. Die Auftrage, die Thorwaldsen in der letzteren Weise empfing, waren von der Art, daß seine Erfindungen sich nicht in ermüdender Einförmigkeit um Jammer und Händeringen, um weinende Kindesengel und verlöschende Fackeln drehten. Er verfertigte das Grabmal der Schaufpielerin Böhmer, die in Folge der Pflege, die sie ihrer Mutter im Bade angedeihen ließ, dahin sank. Sie war die Stieftochter A. W. v. Schlegels und, in Beziehung auf ein Gedicht von ihm, sieht man sie auf dem Bild-

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werk den Heilungstrank darreichen, während eine Natter ihr in den Fuß sticht. Ein anderes Grabmal bedeckt die Asche eines Jünglings Bechmann-Hollweg, der bei einer Feuerbrunst in Wien sich als Retter ansgezeichnet, seine Kraft aber dermaßen überboten hatte, daß er, kurz nachdem ihm ein schriftliches Anerkenntniß seines Verdienstes zugestellt war, den Folgen der Anstrengung erlag. Wir erblicken das Bildniß des Entschlummerten zwischen dem Genius des Ruhmes, der ihm die Bürgerkrone bringt, und dem Genius des Todes, der ihn umfängt. In Luzern sehen wir in einem Gärtchen in eine schroffe Felswand, die über einem Weiher hinansteigt, einen riesenhaften Löwen gehauen, der von einem Speer durchbohrt auf einem Schilde mit der französischen Lilie zusammensinkt. Nicht der Tod konnte die Trene brechen, lehrt uns der Löwe in rührendem Ausdruck. Ein Offizier der Schweizergarde Ludwigs XVI. befand sich auf einer Urlaubsreise gerade in der Heimath, als seine Genossen in Vertheidigung der Tuilerien den Heldentod starben. Carl Pfyffer, so heißt er, ließ nach einem Modell von Thorwaldsen in kolossaler Große das Bild in den Felsen hauen zum Andenken der Gefallenen, deren Namen darunter eingegraben stehn. Thorwaldsen hatte damals noch keinen Löwen gesehen und als nachmals eine Menagerie in Rom ihm Gelegenheit zu den gründlichßen Studien bot, bedauerte er, daß die Bestellung ihm nicht später gemacht sei.

Thorwaldsen hatte im Laufe der Arbeiten, die alle Theilnehmende freudig überraschten, Auszeichnungen von Dänemark, Deutschland und Italien empfangen. Der dänische König gewährte ihm eine Gratification, von Kopenhagen und Florenz ward ihm der Professor-Titel ertheilt. Der Minister von Humboldt fragte ihn an, ob er ein Denkmal für die Königin Louise zu fertigen sich entschließen mögte, allein Thorwaldsen lehnte den Antrag ab, wie ihn auch Canova abgelehnt haben soll, mit Verweisung auf die Preußischen Bildhauer, auf Rauch und Rudolph Schadow. Ehrenvoller als Alles war ihm die Bestellung, einen Bilderfries für einen päpstlichen Palast zu modelliren. Wenn er die Berücksichtigung seines Talentes hier auch nur dem Drang der Umftände verdankte, so verdankte er ihm unendlich viel; denn jetzt war ihm darzuthun vergönnt, wieweit er seinen Kunstgenossen überlegen war. Von dem Architekten

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Stern wurde 1811 der päpstliche Sommerpalast zum Empfang Napoleons eingerichtet. Das Werk hatte Eile, ein Aufbieten aller Kräfte in Rom war nothwendig und so erklärt es sich, daß man sich an Thorwaldsen mit der Frage wandte, ob er es sich übernehme, in drei Monaten einen Bilderfries zu erfinden und in Gyps zu liefern, der, bei einer Höhe von 3½ F., 60 F. in der Länge messe. Thorwaldsen verhehlte sich nicht das Schwierige, nicht den Nachtheil, in dem er zu den andern Künstlern stand, denen zu ihren Compositionen längere Zeit gestattet war, dennoch hielt er sich der Aufgabe gewachsen und mit Bezugnahme auf den Sieger, der sich gern mit Alexander dem Großen verglich, stellte er nach Curtius dessen Einzug in Babylon dar. Muster war ihm der Fries des Parthenons mit dem panathenäischen Feste, auf dem wir eine Anzahl Götter erkennen, zu denen Frauen mit Libations-Gefäßen, Priester mit Opferstieren, Reiter und Wagenwettrenner in abwechselnder Reihenfolge ziehen. Das Relief, obgleich oft mehrere Figuren hintereinander stehen, ist außerordentlich flach, damit kein störender Schlagschatten die Vorstellung verwirre. Auf dem Alexander-Zuge Thorwaldsens erblicken wir als Bezeichnung des Lokals einen Flußgott mit einem Tieger zur Seite, einen Thurm hinter ihm, die Vereinigung des Euphrats und Tigris vergegenwärtigend.

Das durch Fruchtbarkeit und seine Handelsverbindung blühende Land ermessen wir an den Handelsleuten, die zu Schiff ihre Waaren bergen, an dem Hirten, der seine Schafheerde in sicherheit bringt. Aus den Mauern der Stadt strömt das Volk, das in ehrfurchtsvoller Unterwerfung wetteifernd dem Eroberer entgegen eilt. Als Geschenk werden Pferde, Löwen und Panther geführt, Sterndeuter ziehen dahin, um ihm Gluck zu verheißen. Ein persischer Feldherr Macäus läßt silberne Altäre aufstellen und dem sieger durch Tänzerinnen Blumen streuen. Bagophanes, der die Festung nicht zu halten vermogte, tritt mit den Kindern vor ihn, damit diese mit gebeugtem Knie seine Gnade erflehen. Auf dem Wagen, den die Siegesgöttin lenkt, steht Alexander, den Blick zu den Beschauern gewendet. Von ihm war bereits die Rede. Hinter dem Triumphator aber wird der hoch sich bäumende Bucephalus geleitet. Neben einem Elephanten, der mit reicher Beute beladen ist, schreitet ein gesesselter Satrap, Züge von macedonischen Reitem und Kriegern zu Fuß bilden ein reiches Gefolge. Der Bilderfries, in klarer Entfaltung des Mannigfaltigsten,

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fand einen solchen Beifall, daß Thorwaldsen vier Exemplare fertigte, zwei von Marmor für die Christiansburg und für die Villa des Grafen Soinmariva am Komersee mit manchen ergänzenden Gruppen. Der Schwede Atterbom schrieb: “Wahrlich als Napoleon die beschlossene Reise nach Rom ausgab, versäumte er das einzige, wirtlich schöne Werk zu sehen, das die Kunst ihm als ein Opfer des Ruhms weihte.” Das zweite Marmor-Exemplar war ursprünglich vom Kaiser bestellt, aber da sein Sturz während der Entstehung desselben sich ereignete, so ward es nicht nach Paris gesendet, sondern blieb in Italien zurück.

Als zwei hervorstehende Leistungen, die den Uebergang von der Junglings-Periode zu der bewährten Meisterschaft verdeutlichen, haben wir das Basrelief mit der Nacht und die Statue der Hoffnung anzusehen. So lange behaupteten seine Gruppen einen Vorzug vor den einzelnen Figuren, seine Basreliefs vor den Gruppen. Die einzelne Figur aber ist der Preis der Bildhauer, die eine Welt für sich bildet, bei der alle Bezüge auf das, was außer ihr liegt, sich in ihrem Wesen wieder vereinigen und uns dieses in seinem ganzen Umfange, in seiner ganzen Erhabenheit erkennen lassen; so haben wir uns den Jupiter des Phidias, die Venus des Praxiteles zu denken und die vorhandenen Antiken, die den griechischen Meißel bekunden, geben uns in reicher Zahl vollgültige Beispiele. Alle Kräfte, alle Eigenschaften, alle Neigungen find in ihnen, obwohl ihre Stellung unbewegt, obwohl ihr Auge unbelebt ist, nicht allein verständlich, sondern in überzeugender Wahrheit ausgesprochen. Nicht der Moment ist für sie bestimmend, sondem ihr ganzes Seyn, ihre ganze Eigenthümlichkeit durchdringt jede Faser an ihnen. Sie sind physiognomisch, nicht mimisch. Das Umgekehrte fanden wir so lange in Thorwaldsens Bildungen. Das Interesse ist darin mehr ein äußerliches und wird uns als ein unstätes, vorübergehendes vorgeführt, nicht als bleibendes, das Schönheit, Wahrheit und Göttlichkeit in einander aufgehen läßt.

Wochen und Monate vergingen, so wird erzählt, in denen der nur im Schaffen frohe Künstler nichts vornehmen konnte. Da an einem Sommermorgen bildete er, es war im Jahr 1815, in glühendem Eifer, was ihm in schlafloser Nacht vorgeschwebt hatte. Ein Bild auf dem Kasten des Cypselus stellte die Nacht dar mit ihren Zwillingen, dem Tode und dem Schlaf. Carstens entwarf danach

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eine Composition, die aber Thorwaldsen in der seinigen weit überbot. Das Relief erhielt sogleich beim Entwurf eine vollendete Ausführung, die den Meister bestimmte, sofort nach dem Gypsabformer zu schicken. Als er erschien, war das Seitenstück, die Aurora, unter dem Namen des Tages bekannt, auch schon beinahe vollendet und der Gerufene wartete nur kurze Zeit, um beide Thongebilde an sich zu nehmen. In der Nacht sehen wir einen Begriff verkörpert; das schweigend Ahnungsvolle ist in wenigen Zügen auf das Treffendste ausgedrückt. Es ist die Nacht, die sich tröstlich zu dem Müden herabsenkt. Der Gegenstand ist allgemein gehalten und doch so ferm von der Zerflossenheit, die oft das Allgemeine um alles Interesse bringt. Der freudige Aufschwung, der im Gegensatz in der Aurora ausgesprochen werden sollte, ist weniger befriedigend. Durch diese Erfindung ist Thorwaldsen volksthümlich geworden. Sie haben eine bezaubernde Kraft geäußert, wie vielleicht kein anderes Kunstwerk. Wenn Raphaels Madonna della Sedia in allen Formaten und Massen ohne Aufhören vervielfaltigt wird, so erklärt sich die lebhafte Theilnahme größtentheils durch das religiöse Interesse; wenn die Statuetten von Napoleon fort und fort Kaüfer finden, so ist es der historische Name, welcher anzieht. Tag und Nacht können durch ihre Vorstellung an und für sich wenig ansprechen, nur wenige werden die Bedeutung der Zwillinge kennen, nur wenige werden es wissen, daß es Hesperus ist, der der Rosen streuenden Göttin vorleuchtet und dennoch haben wir den Grund des Gefallens nicht allein in der gefälligen Gruppirung, sondern vielmehr darin zu finden, daß der Gedanke in der Erscheinung klar ausgeprägt ist. Thorwaldsm hat mehrere Exemplare m Marmor ausgeführt, seine Schüler und andere Künstler kopiren sie häufig, Tag und Nacht werden in Muscheln geschnitten und in zahllosen Glaspasten gegossen, sie sind als Buchdrücker-Vignetten und gepreßte Silberverzierungen käuflich. – Die Statue der Hoffnung ist Thorwaldsens Lieblingswerk. Auch ihre Bildung gehört ursprünglich der antiken Welt an. Nachdem Thorwaldsen in Gemeinschaft mit Rauch in der Restauration eines Reliefs mit den Parzen gezeigt hatte, wie er mit Verläugnung seiner Künstler-Eigenthümlichkeit sich in den Geist der Antike zu versetzen vermöge, bewährte er noch eine größere Pietät gegeu das Alterthum in der Restauration der erwähnten aginetischen Statuen-Gruppe, die vor Phidias’ Zeit entstanden ist. Der

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äginetische Styl wird schön von alten Schriftstellern als alterthümlich streng dem der attischen Schule gegenüber geftellt, das dorisch Herbe war dort hervorstehend, wie hier das ionisch Gebildete. In ihrer Unentwickeltheit war die äginetische Bildsäule noch mehr Säule als Bild, das gesetzmaßig Architektonische schrieb geradlinige Umrisse vor, das Straffe, selbst bei weiblichen Figuren, läßt auch die freistehenden mit Karyatiden vergleichen, die Falten ihres Gewandes mit den dorischen Cannelüren. So wie manche Blume, die man im Widersatz zu der freien Entfaltung anderer stylisirt nennen könnte, den Stempel des Zierlichen trägt, so giebt das Gebundene, das Gemessene den äginetischen Statuen einen eigenthümlichen Reiz, namentlich zwei Frauengestalten, die über dem Tempelgiebel standen. Mit langen Kleidern angethan, heben sie im feierlichen Tanzschritt dieselben mit der linken Hand leise empor, indeß sie in der rechten eine Blume halten. Auf dem Revers römischer Munzen wird die typische Figur Spes genannt. Thorwaldsen fühlte sich gedrungen eine solche Spes zu bilden. Sie ist keine Copie, sondern eine freie Bildung in gebundener Form. Wir erkennen in ihr das Schicksal, das in starrer Unbeweglichkeit die Welt bewegt, das, allen offenbar, stets verschleiert daherzieht, das leise auftretend unaufhaltsam vorschreitet, das die Erfüllung der Wünsche uns stets nur in unaufgeschlossener Blüthe zeigt. Thorwaldsen hat, wie dies aus den Figuren der Nemeßs hervorgeht, schön früh und lange über den Begriff nachgedacht, der jetzt erst zur vollen Anschaulichkeit gedieh. Ein Sonett von Wilhelm v. Humboldt bezieht sich auf diefe sinnige Erfindung, indem er die Statue zur Zierde für die Ruhestätte seiner kunstsinnigen Gemahlin erwählte. Thorwaldsen ließ sich mit der Spes im Hintergrunde malen; er stellte seine Bildnißfigur dar, auf sie gelehnt, für sein eigenes Grabmal.

So in seiner Kunst vorgeschritten, unternahm er nach 22jährigem Aufenthalt in Rom im Jahr 1819 eine Reise durch die Schweiz und Deutschland nach seiner Heimat und empfing überall die aufrichtigsten Huldigungen. Von Gelehrten und Kunstkennern der unzweideutigsten Gefinnung, von Künstlern, die über das Schmeichelwefen und die Eiferfüchtelei der Römer erhaben standen, vernahm er die anerkennendsten Urtheile, vernahm er, was ihm selbst bis dahin nicht zur Klarheit gekommen war, wieviel er geleistet und welche Erwartungen man noch von ihm hege. In Kopenhagen war die Chri-

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stiansburg neu aus den Flammen erstanden und die durch das Bombardement eingeäscherte Frauenkirche war wieder errichtet. Thorwaldsen erhielt den ehrenvollen Auftrag, Schloß und Kirche mit weitschichtigen Werken seiner Erfindung auszustatten. Die Bestellungen häuften sich und die kaum abgebrochene Thätigkeit sollte in Rom mit verdoppelten Kräften wieder ihren Anfang nehmen. Thorwaldsen fühlte sich jetzt als der erste Bildhauer, der er war, und empfand keinen Neid darüber, daß Canovas Name in das goldene Buch auf dem Capitol eingetragen war, unter diejenigen, die sich um Rom die größten Verdienste erworben. Canova starb 1822 und Thorwaldsen merkte nicht aufdas Kränkende, das die veranstalteten Trauerakte für ihn enthielten. Er verfehlte nicht, mit seinen Schülern ihnen beizuwohnen, in denen Missirini und andere ekstatische Lobpreiser darüber klagten, daß der neue dahin geschiedene Phidias keinen Geisteserben hinterlassen, daß die Bildhauerei in die Versunkenheit zurückzufallen drohe, aus der er sie erhoben.

Im Kreise der dänischen Künstler und Kunstfreunde, die sich Abends in einer Weinschenke zusammen zu finden pflegten, entstand in Folge jener Parentationen eine nicht geringe Aufregung. Wenn Thorwaldsen sich auch ferne hielt, so wußte er, daß er die Seele des Gesprächs war und daß das Verhältnist zwischen ihm und Canova lebhafter als je erörtert wurde. Er schwieg, schon um nicht andere im eifrigen Vertheidigen seiner Gerechtsame zu unterbrechen. Es wurden Züge mitgetheilt, die den Ruhm, den Canova fast allgemein als Mensch und Künstler genoß, nicht vermehrten. Der Fürst Torlonia, der von ihm die Gruppe des Herkules und Lichas ausführen ließ, wunschte von Thorwaldsen ein Seitenstück zu besitzen. Niemand war mehr erfreut als dieser, mit seinem Nebenbuhler in einem großen Werke sich messen zu können; allein auf des letzteren Veranlassung wurde die bereits eingeleitete Unterhandlung abgebrochen. Canova nannte den dänischen Emporkömmling, dessen Jason und Adonis ihm Bewunderung abnöthigten, einen göttlichen Menschen, allein er ließ keine Gelegenheit unbeachtet, ihn zurückzuscheiben. Jene Freunde lachten über die unbegreifliche Verblendung und Ueberschätzung, da die Italiener die durch Napoleons Kunstraub entstandenen Lücken durch Canova’s Werke passend auszufüllen meinten und den Perseus auf das Postament des belvederischen Apoll, die scheinbar sich verhüllende Venus als Ersatz für die keusche

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Mediceerin wählten. Sie konnten für ihre Verwunderung nicht Worte finden, daß jene Redner in ihren Superlativ-Darlegungen Canova’s Verdienste um die christliche Kunst hervorhoben, die an ihm den traurigsten Vertreter fand, um so mehr als Thorwaldsen eben den Christus und die Apostel modellirt hatte.

Thorwaldsen behauptete gegen Menzel, daß die Bildhauerei dem protestantischen Gottesdienst sich eben so innig anschließe als die Malerei dem katholischen. Er bewährte das Wort durch die That, daß der gereinigte Glaube sich der Klarheit des classischen Alterthums zuwende. Die Malerei ist durch den Schein des Körperlichen phantastischer, durch die Farben spielender, durch das oberflächlich Schimmernde symbolischer als es der auf dem Grundpfeiler der Erkenntnist ruhende Protestantismus gut heißt. Wenn Thorwaldsen bei einem Theil seiner Bildwerke, wie erzählt werden wird, das Malerische ins Bereich des Klassischen zu ziehen suchte, so erkennt man, wie er bei seinen christlichen Jdealen durch ein Fernhalten von dem, was ihm die gefeiertsten Gemälde vorhielten, eine protestantische Auffassung geltend zu machen strebte. Er sah es für eine heilige Aufgabe an, über die christlichen Symbole selbststandig nachzudenken und war beflissen, eine Verbindung zwischen der individuellen Vorstellungsweise und der Glaubenssatzung zu vermitteln. Auf katholischen Altarblättern gehören die Heiligen als Vermittler halb der Madonna, halb denen an, zu deren Heil sie die Märtyrer-Palme erwarben, so daß für ihre Persönlichkeit kein Raum bleibt. Bei Thorwaldsen leben sie ihrem Beruf, aber auch sich selbst, das erhellet aus dem bewußten Ausdruck ihrer eigendsten Kraft, aus ihrem sichern Auftreten. Auf den Altarblättern blicken die Heiligen oft aus dem Bilde heraus, um den Anbetenden ihre ganze Hingebung an sie zu versichern. Thorwaldsen’s Apostel blicken mehr in sich hinein und stellen sich uns so als Muster zur Nachfolge dar. Das Relief christlichen Inhalts, das Thorwaldsen als Zögling der Akademie in Kopenhagen fertigte ist antik gedacht, der erwähnte Taufstein, ein Cubus mit vier sculptirten Flächen, noch halb katholisch, indem wir hier eine Madonna mit dem Jesus- und Johannesknaben finden. In den Arbeiten für die Frauenkirche in Kopenhagen nehmen wir nur in Nebensächlichem eine Erinnerung an Raphael wahr, in den Hauptfiguren bewegt er sich selbstständig. Er giebt einer selten vorkommenden Vorstellung den Verzug vor

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dem Gangbaren, wenn jene ihm das Symbol treffender zur Anschauung bringt. Das Abendmahl behandelte er frei nach einem altflorentinischen Maler Luca Signorelli. Der Heiland sitzt nicht mit den Zwölf um eine Tasel, sondern stehend neben einem altarähnlichen Tisch reicht er den Kelch den Jüngern dar, die sich knieend hinzudrängen, während Judas sich hinwegschleicht. Viel Nachsinnen kostete ihn der Taufengel, den er zweimal modellirte, da ihm immer mißfällig in seinem Gebilde die Aehnlichkeit mit dem katholischen Weihbecken aufstieß. Die Scheu der Griechen, zu verhüllen, ließ ihn wohl in der Tracht zu karg verfahren, so daß die Absicht des Durchschimmerns der Formen, wenn auch fern von verführerischem Reiz, zu Tage liegt. Das Kleid ist nach griechischer Weise zugeschnitten, die Statue des Apostels Andreas hat eine entblößte Brust und die des Heilands trägt als Hülle nur einen einfachen Mantel.

Die von Thorwaldsen getroffene Anordnung der plastischen Zierden für die Frauenkirche ist folgende. Das Giebelfronton zeigt eine Gruppe von sechszehn Statuen in stufenmäßiger Großenabnahme und symmetrischer Gegenüberstellung. Johannes, dem Volke predigend, ladet zum Besuch des Heiligthums ein. Johannes, das Rauhe seiner ernsten Miene, das Dürre der Gestalt läßt uns ihn als den bußfertigen Bewohner der Wüste erkennen, steht in der Mitte und sein Wort versammelt Erwachsene und Kinder, Männer und Frauen, die verschiedensten Stände, starre Zweifler und seelenvolle Andächtige. Der eine liegende Jüngling in einer Ecke ist dem Flußgott Ilissus zu vergleichen, der gleichfalls aufhorchend eine Giebelecke des Parthenons einnahm. Eine Mutter mit dem sich anschmiegenden Knaben hat eine nicht zufallige Aehnlichkeit mit der Jardinière Raphaels gemein, wenn auch die Mutter die gefeierte Vittoria aus Albano darstellt. Ein Mädchen mit einem Knaben zur Seite zeigt uns das Bildniß von Thorwaldsens Tochter. In der Vorhalle der Kirche sollten in Nischen die Sibyllen und Propheten stehen, als die ersten Verkündiger des Heilandes. In der Kirche finden wir die Reliefs der Taufe, hier ein Engel, der an einen der sixtinischen Madonna erinnert, und des Abendmahls. Ein Bilderfries mit dem Zuge nach der Schädelstätte umgiebt die Tribune. An die Pfeiler des Mttelschiffs lehnen sich die mehr als lebensgroßen Apostel an. Die Stelle des Judas nimmt Paulus

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ein, der wie der Heiland von Thorwaldsen selber gearbeitet ist. Vor dem Altar kniet der Taufengel, aus dem Altare steht der 10 F. hohe Heiland. “Ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende,” lesen wir dänisch auf dem Postament. Der gepriesene Heiland Danneckers mit dem verklärten Leibe und dem verklärten Gewande kann nur als eine Verirrung auf dem plastischen Gebiet angesehen werden und wir wissen, daß manche Verirrung um des Auffallenden willen als Tugend begrüßt wird.

Thorwaldsen modellirte seine Figur sechs Mal, ehe es ihm vor Augen zu stellen gelang, was er auszudrücken gedachte, Einfachheit und Erhabenheit in Stellung, Miene und Gewand. Man erzählt, daß der Künstler im zierlichen Frack, im Begriff zu einer Mittagsgesellschaft sich zu begeben, von Unruhe getrieben in die Werkstatt vor den thönernen Christus trat. Die Arme waren erhoben, mit der oft von ihm angewendeten Gebehrde des Emporweisens. Plötzlich fiel es ihm ein, die Arme nach unten zu wenden, den Trostbedürftigen entgegen und das εύρηχα wiederholte sich, indem er ries “Jetzt habe ich es.” Der Heiland mit der Wunde in der Brust, den durchbohrten Händen milde niederblickend, sprach ihm jetzt vernehmlich: “Friede sei mit Euch!” und der Künstler erfuhr es zuerst an sich.

Wenn Thorwaldsen in dieser Statue das Höchste leistete, so verräth gleichfalls jeder der Apostel, daß der schaffende Genius den Charakter jedes einzelnen mit der Tiefe des Gedankens zu durchdringen suchte, um nicht allein durch Attribute sondern durch Vergegenwärtigung einzelner Tugenden, die zum Heiland führen, sie von einander zu unterscheiden. Auch sie wurden das, was sie find, nicht auf den ersten Wurf. Oft veränderte er sie und entwickelte ihre Göttlichkeit aus tiesem Nachdenken. Man vergleiche den Andreas in der Zeichnung bei Missirini mit dem bei Thiele! Der Heiland und die Apostel mit dem Engel sind in Marmor ausgeführt, die Giebelfiguren dagegen in gebranntem Thon.

Wenn Thorwaldsen wie Canova eine Kirche im Geiste eigener Künstlerischer Anschauung auftrbaute, so theilt er auch, obgleich ein Ketzer, mit ihm den Vorzug, die Peterskirche mit dem Marmor-Monument für einen Papst ausgestattet zu haben. Er verewigte hier die Züge eines Mannes, der, wenn sonst die Päpste nach Kephalides’ Ausdruck die Peterskirche zum Putzsaal ihrer Eitelkeit entweihten, der heiligen Stätte nur größere Heiligkelt gewähren kann.

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Als Pius VII. aus der Gefangenschaft zu den Seinigen zurückkehrte, setzte Thorwaldsen eine Ehre darein, eine allegorische Figur zu dem für ihn aufgestellten Festgerüst zu liefern. Mit Rührung empfing er von dem ehrwürdigen Cardinal-Sekretair Consalvi die Aufforderung zum Mausoleum. Thorwaldsen stellte den Papst dar, wie Genien ihm die Palme und die Stralenkrone darbieten. Consalvi mußte die Erfindung verwerfen, da der Papst noch nicht kanonisirt sei. Der Künstler begnügte sich jetzt, um an die Erlebnisse des greisen Martyrers zu erinnern, als Stickerei auf dem Talare die Märtyrerzeichen der Apostel anzubringen. Die Geschichte und der Ruhm sitzen neben ihm und als Thürsteher an der Todespforte, die am Sockel gesehen wird, stehen die Sapientia coelesta und die Fortitudo divina, jene hat von der Pallas Aegis und Eule geborgt, diese von Herkules Löwenfell und Keule. Die Figuren haben keine dramatische, sondern nur eine gesellschaftliche Verbindung und das Denkmal kann demnach nicht als ein Ganzes, sondern nur im Einzelnen gewürdigt werden. Die lebensvolle Persönlichkeit des Greises drückt Wohlwollen und Ergebenheit aus. Wahrscheinlich war ein thronender Papst verlangt, ein knieender mit der Tiara zu Füßen, wie Canova’s Clemens XIII., würde sich besser ausgenommen haben.

Für größer als die Uebertragung des Mausoleums gilt die Auszeichnung, daß die Akademie St. Luca Thorwaldsen zum Director erwählte, daß der bigotte Leo XII. die Wahl bestätigte, obgleich den Statuten gemäß den Mitgliedern in den Hauptversammlungen Andachtsübungen vorgeschrieben sind.

Im Jahr 1830 hatte Thorwaldsen einen zweiten Triumphzug durch Deutschland nach seiner Heimat unternommen. Als der sechszigjährige Künstler heimkehrte, freudig erhoben durch die ungeheuchelte Feier seines Verdienstes, hielt er den Kreis dessen, was er zu schaffen berufen war, keineswegs für geschlossen, vielmehr wähnte er, daß seine Phantasie freier und lebhafter als je die Flügel rege. Erfindungen drängten sich an Erfindungen von meist heiterem, launigem Inhalt. Ihn begeisterten dazu einestheils die pompejanischen Gemälde, für die durch Zahn’s Bemühungen ein neues Interesse erwacht war, anderentheils die Lieder des tejischen Greises, die verjüngend ihn anlächelten. Ein schönes antikes Bild mit

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dem Centaur, der von der Bacchantin, die er trägt, mit dem Thyrsus gegeisselt wird, scheint ihn schon im Jahr 1815 geleitet zu haben, als er auf einem für Neapel bestimmten Relief Dejanirens Entführung darstellte. Es ist malerisch empfunden und erfunden und wir nehmen eine Verkürzung in der Gestalt des Centaur’s wahr, die im Relief als gewagt erscheint. Noch deutlicher ist die Abkunft eines anderen Werkes von dem antiken Bilde mit der Amoretten-Verkäuferin. Jenes führt den neckischen Gedanken in einer Figurenreihe von Mädchen, Frauen und Greisen aus. Thorwaldsen ließ es dabei nicht sein Bewenden haben. In der dlitten Periode seines Wirkens ist er durch und durch Erotiker. Jetzt stellte er eine Hirtin mit dem Amoretten-Neste, auf andern Reliefs die flügge gewordenen Liebesgötter dar, hier über das Meer, dort über die Erde schwebend. Er dachte den geflügelten Schalk sich zwischen den Schwingen des Schwans, auf einem Boot, an einem Netz beschäftigt, mit dem Psyche gefangen werden soll, er läßt ihn Jupitern Gesetze diktiren, mit Ganymed würfeln, die Elemente bezwingen als den Beherrscher des Adlers, des Delphins und des Cerberus. Nach Anakreon hatte er schon in früheren Jahren den von der Biene gestochenen Amor gebildet, ferner den Sänger, der zu seinem Unglück den erstarrten Liebesgott erwärmt. Die letztere Vorstellung genügte damals nicht dem Erfinder, der sie zu zerstören gedachte: jetzt übertrug er sie nicht nur in Marmor, sondern schuf in ähnlicher Weise eine so reiche Zahl verwandter Gegenstände, daß ein gewisser Ricci ein elgenes Buch unter dem Namen: “der neueste Anakreon vom Commentator Thorwaldsen 1833” herausgab. Allein, indem der Bildner die epigrammatisch zugespitzten Lieder auf den Marmor in Punkte setzte, ging oft die Pointe verloren und der Beschauer, der sich über die niedlichen Figuren freut, muß sich in den meisten Fällen erst erklären lassen, worauf eigentlich die Erfindung abziele. Ungleich gefälliger und allgemein ansprechend ist seine Kunst, wenn er in einzelnen Zügen aus der Kinderwelt das unbefangene Heitere, das harmlos Gemüthliche ausmalt in idyllischen Aeußerungen, die angenehm den epischen Rhythmus unterbrechen. Das Kind auf dem Arm der Mutter, das mit Eifer zu dem Hühnerkorb emporlangt, auf seinem ersten christlichen Bildwerk, der Knabe, der mit dem zuthätigen Lamme spielt auf dem Alexanderzuge, das kleine Geschwisterpaar unter den Giebelstatuen, das vor dem Hunde des Jägers zurückbebt,

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obwohl es gern sich ihm nähern und liebkosen mögte, find Figuren, die in liebenswürdiger Einfalt weit den mythischen Wesen vorzuziehen find, die eine gefährliche Schalkheit verrathen sollen. Mehr als je spielte er jetzt mit den Formen, aber um die Theilnahme am Spiel sich lebendig zu erhalten, sorgte er durch die Wahl für eine heitere Anregung. Seine Freunde, besonders seine Landsleute, gaben es nicht zu, daß das Feuer feiner Schöpfergabe in etwas nachgelassen hätte. Eine Tänzerin, die er 1836 bildete, soll die ungeschwächte Jugendkraft bekunden. Der figurenreiche Bilderfries, auf dem der Heiland nach dem Golgatha geführt wird, ward dem Alexanderzuge an die Seite gestellt. In der Beschreibung wird, den berittenen Pharisäern (man hat sie sich wohl zu denken, wie die Rathsherren die in einem Stuckfriese Giulio Romano’s ängstlich gebückt auf abgetriebenen Mähren dem Kaiser Sigismund entgegenziehen) nachgerühmt, daß sie einen spaßhasten Eindruck machen. Je gerechter dieses Lob ist, je mehr werden wir eine Composition mit solchen Einzelheiten im Chor der Kirche mißbilligen. Nachdem Thorwaldsen die sogenannte Spes in hehrer Vollendung aus dem Marmor gezaubert, modellirte er wieder eine Nemesis und zwar auf einem Zweigespann. Namen bemerken wir am Riemenzeug der Rosse, Namen auf den Rädern, wie auf Dürer’s Triumphwagen, zur Verdeutlichung des symbolischen sinnes. Das Relief mit Raphael, das er bei Gelegenheit der Eröffnung des Grabes im Pantheon fertigte und als Sarkophag-Verzierung bestimmte, ein Amor bietet hier dem zeichnenden Maler zugleich die Rose und die Mohnfrucht dar, wurde nicht angenommen und verdiente es auch nicht. Die Erfindung beleidigt das Gefühl, indem sie auf Beschleunigung des Todes hinweist, anstatt uns ein Bild seines unsterblichen Schaffens vorzuhalten.

Mehr als billig wurde Thorwaldsens Kunst in der Porträtbildnerei in Anspruch genommen. Er fertigte mehr als 200 Büsten. Die sicherheit, mit der im rohen Erdenklos der prometheische Funke entzündet wurde, war für den, der die Werkstätte nicht flüchtig besuchte, anziehend genug, um dem Verfahren von Anfang bis zu Ende beizuwohnen. Der Gegensatz der Behendigkeit der Finger zu dem Ruhigen des Blickes und der ganzen Haltung, das Schweigsame des Künstlers, das beredt und immer beredter die todte Masse werden ließ, erhielt den Beschauer in der angenehmsten Spannung.

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Einst standen mehrere hinter ihm, als vor ihm ein Engländer, der gleichfalls stehend, sein häßliches Gesicht von aufgedunsener Fülle, mit triefendem Auge zum Modell darbot. Es schien, als wenn Thorwaldsen, der nur flüchtige Blicke dem Darzustellenden zuwandte, seine Form schon im unförmlichen Thonklumpen festzuhalten bemüht war, er fühlte an ihm unter dem Weichlichen, Unbestimmten das Feste, Unveränderliche durch, der Kopf erschien im richtigen Werhältniß mit straffen, angespannten Muskeln, die Knochen wurden immer mehr und mehr mit schwammigem Fleisch überpolstert, wodurch aber die Hohlheit nach Maaßgabe des Originals nur zunahm bis auf das Auge, das frei und edel blickte. Das Modellirstäbchen hob alsbald den Mißstand. Die Augenlieder, die es berührte, zwinkerten, der Augapfel trat schwimmend zurück. Unter den Bildnißstatuen, die er lieferte, waren zwei für Warschau bestimmt, Copernicus und Poniatowski, die Schönheit beider giebt die zwanziger Jahre als die Zeit ihrer Entstehung an. Copernicus sitzend, der mit dem Planetarium in der einen, dem Zirkel in der andern Hand, mit der Kraft des Geistes siegreich den Ausspruch Josua’s aufhebt, hat eine Kleidung, der, da die Polen ihn als den ihrigen sich zueignen, die polnische Nationaltracht zu Grunde liegt. Ganz ideal, bis auf die Gesichtszüge, den Reitern auf dem Alexanderzuge vergleichbar, ist der Heldenfürst, der in den Fluthen der Elster seine Beherztheit mit dem Tode büßte. Er befiehlt den Seinigen das Wagstück und zugleich, um es als erster auszuführen, spornt er das Roß. Dieses spitzt die Ohren und stußt, denn wie den Rossen Achills ahndet ihm der Untergang des Herrn. Die Statue sollte in Warschau nach dem Wunsch Thorwaldsens, der an Ort und Stelle den passendsten Ort zu ermitteln suchte, über einem Springbrunnen errichtet werden, damit das strömende Wasser das historische Interesse noch mehr vergegenwärtigte. 1830 bildete er die Bildnißstatue Lord Byrons. Nachläßig in den Mantel gehüllt, ließ ein bleicher Mann von einem Lohndiener sich in Thorwaldsens Werkstätte führen. Er meinte, es wäre genug, wenn er statt jeder Begrüßung nur seinen Namen Lord Byron nennte. Thorwaldsen hoch erfreut, sprach dadurch die Ehre des ihm gewordenen Besuchs aus, daß er sich sofort an den Modellirtisch stellte, um der Stunde ein Denkmal in seinem Bildniß zu setzen. Nach der Büste führte er nachmals eine Statue aus, die uns den Dichter im Mantel darstellt, mit der

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Schreibtafel in der Hand, den Fuß auf einen Säulenstamm gesetzt. Sie sollte in der Westminster-Kirche eine Stelle finden, ward aber später in Schottland aufgestellt. Die Reiterstatue des Kurfürsten Maximilian in München, die, nach einem Oelgemälde gebildet, den Helden des dreißigjahrigen Krieges ganz gewappnet auf einem stattlichen Rosse zeigt, voll Feuer und Entschiedenheit, ist das letzte bedeutungsvolle Werk des Meisters. Die Statue Gutenbergs in Mainz steht weit dagegen zurück und die Schillers in Stuttgart mögte sein schwächftes Erzeugniß sein. Unvollendet ist die Statue Conradins geblieben, die er auf Veranlassung des Kronprinzen von Bayern für die Carmeliterkirche in Neapel bildete; zu der Goethe’s für Frankfurt, wie zu der des verstorbenen Königs von Dänemark für Jütland lieferte er Skizzen und an der Lutherbüste, für die Frauenkirche %{color:#999}[tegn for mark][i]%n Kopenhagen bestimmt, arbeitete er noch wenige Stunden vor seinem Tode.

Eine Sammlung der letztentstandenen Werke in Umrissen, die unter Thorwaldsens Aufsicht in Rom gestochen wurden, ist 1837 in Glogau ausgegeben. Sie erklären uns genugsam die dritte Periode seines Schaffens, die ungeachtet des üppigen Nachwuchses das herbliche Ersterben verräth. Wenn Thorwaldsen sein Kunstleben als Schmuck für das Christianburger Schloß, mit einem kolossalen Herkules beschloß, wenn man diese auch wunderschön nannte, so konnte man doch nicht umhin, in einem Bericht von Kopenhagen einen Tadel auszusprechen, der, wenn er auch nur gegen die Wahl des Gegenstandes gerichtet scheint, bitter genug für den Altmeister, die Bestrebungen der jüngern Künstler über die seinigen stellt. “Warum holt man”, heißt es, “immer noch die Stoffe ans dem fernen, unserer ganzen Natur fremden Süden, da doch die eigene heimische Vorzeit so überschwänglich reich ist? Hoffen wir mit Oehlenschläger, daß die heranreifende tüchtige Jugend in dieser vaterländischen Beziehung ihre Aufgabe richtig erkennend, nach dem Vorgange Bissen’s, mit Begeisterung erfassen möge.” Merkwürdig ist es, daß das nordische Alterthum, das in der glücklichen, dichterischen Erneuerung seit lange eine vielseitige Theilnahme erregte, ihn wenig berührte, so daß H. Freund in Rom sich gezwungen sah, heimlich seine geistreichen Skizzen zu den Figuren eines Wodan, Braga und Loke zu entwerfen, um sich nicht das Mißfallen seines Lehrers

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zuzuziehen, eben so merkwürdig ist es, daß die altdeutsche Kunst, deren Wiederbelebung der neuern Zeit zum Ruhm gereicht, nirgend in seinen Werken, wie etwa in denen Rauch’s, sich äustert, obgleich die Abbildungen der Boiseréeschen Gemälde, seine Zimmer zierten, obgleich er dem Altaraufsatz in Schleswig vom Jahr 1521 vollen Beifall zollte.

Ehe wir Thorwaldsen 1838 auf seinem Heimzuge nach Kopenhagen begleiten, wo er seine Lebensrechnung abzuschließen willens war, müssen wir einen Blick auf seine Werkstatt werfen, wo er unsterbliche Kinder sich erzog, auf sein häusliches Wesen und seine geselligen Verhältnisse.

Auf der Piazza Barberini neben dem Palast, der ihm den Namen giebt, lagen die weitläuftigen Räume der Werkstatt. Obwohl nur eine kleine Pforte zu ihnen führte, so ließen die gewaltigen Marmorblöcke, die davor aufgerichtet standen, sie nicht verfehlen, auf denen schwarze Kreuze die Entweihung verhüteten, die ehemals beim Zorn der Isis und der zwölf Götter verboten wurde. Das Thor des ersten Studio öffnete sich gegen ein kleines Gärtchen, in dem ungeachtet der stiefmütterlichen Pflege manche bunte Blume emporstieg zwischen den Marmorstücken, unter denen Schildkröten ihre Schlupfwinkel hatten. Unter der Werkstatt befand sich klassischer Boden, indem die Dielen in einem der Gemächer ein mit Schutt ausgefülltes Viereck antiker Substruktionen verbargen. Die Geister der Vorzeit grollten dem Nebenbuhler des alten Künstlerruhms, denn im Jahr 1819 brach hier der schlechte morsche Holzboden unter der Last einer Marmorstatue. Es war zum Glück der Tag, an dem die Bildhauerzunft das Fest ihrer Schutzpatrone, der vier Gekrönten feiert, und daher alle Bildhauer-Werkstätten geschlossen blieben. Am Abend vorher war noch an einer Statue, dem siegreichen Amor, gearbeitet, die am Morgen niedergestürzt mit abgeschlagenem Kopf gefunden wurde. Die Arbeiter voll Trauer über die Verstümmelung waren voll Dankes gegen ihre Heiligen, die ein größeres Unheil verhütet. Ein “Evviva!” wurde ihnen aus vollem Herzen gezollt und als ein Ausfluß ihrer Wunderkraft mogte es angesehen werden, daß der Besteller der Statue, der Fürst Esterhazy, nicht eine neue forderte, sondern sich durch die mit angesetztem Kopf vollkommen zufrieden gestellt erklärte. — Wenn

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einer der speicherartigen Räume zum Frommen der Besuchenden in einer möglichst symmetrischen Aufstelluug von Marmorstatuen und Gypsabgüssen eine lehrreiche Uebericht alles dessen, was der Künstler gebildet, darbot und das Ansehen eines Museums gewährte, so befanden sich in den andern bunt durcheinander Thon-modelle, Gypsabgüsse und unvollendete Marmorwerke und der Zufall allein sorgte bereitwilligst für die malerische Anordnung, in der das Wüste und das Ueberfüllte, das zur Vollendung Gereiste mit dem noch Formlosen, das Heidnische neben dem Christlichen, die wirksamsten Gegensätze bildeten. Eine große Zahl Leute von bewährten Künstlern bis zu den gemeinsten Arbeitern herab waren hier in der mannigfaltigsten Art beschäftigt. Auch die Deutschen, wie Pettrich, Herrmann, Matthäi sprachen hier nur italienisch. Züge von Kunstreisenden aller Zungen und aller Trachten wanden sich zwischen ihnen hindurch. Der Lohnbediente, der ein französirtes Italienisch hervorsprudelte, machte unter den Büsten besonders auf die eines indischen Königs aufmerksam, die nach einem seltsamen Portrait von der Hand eines indischen Künstlers, das daneben hing, auf Bestellung gebildet war, unter den Statuen auf den lieblichen Hirtenknaben, der fünfmal in Marmor ausgeführt und zwar zweimal für englische Lords. Alle Fragen beantwortete er auf das wortreichste, nur eine suchte er geschickt zu umgehen, nämlich wo Thorwaldsen wäre. Die Fremden gingen ihm oft vorüber, selbst wenn sie nur, um ihn zu sehn, die Welt seines Wirkens betreten hatten, obgleich seine ansehnliche Gestalt, seine edle Bildung, seine zarte Geichtsfarbe ihn auffallend von der Mehrzahl der italienischen Mitarbeiter unterschied. Er gab wenig auf seine Haltung, auf seine Kleidung, die von einfachster Gattung lose auf seinem hängenden Körper hing. Seine Art war es nicht, sich bemerkbar zu machen, und er vermied es absichtlich, um zudringlichen Gästen nicht noch mehr Zeit zu opfern. Sein Kopf mit dem feinen Gesichtszuschnitt, dem hellblauen sinnigen Augenstern, dem vollen ehemals blonden Haar verdiente es, wenn er auch nicht ein solcher Genius gewesen, daß Camuccini, Begas, Heß u. s. w. ihn malten, daß er in Marmor der Nachwelt aufbewahrt wurde. Wohl konnte der Meister, wenn er es wollte auch durch seine Gestalt imponiren. Auf dem großen Masken-

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ball, den alljährlich der Fürst Torlonia giebt, wo so viel Edelsteine, als Rom in sich schließt, im reichen Lichterglanz erstralen, erschien er 1823 im Verein von Künstlern, die die vornehmsten Kunstbeschützer darstellten, als Lorenzo de Medici und durch sein Ehrfurcht gebietendes Wesen, durch seine Kleidung, die fern von Schimmer gediegene Würdigkeit zeigte, ragte er obherrschend über das bunte Maskenvolk. In der Werkstatt hatte man schon durch seine nie rastende Thätigkeit ihn leicht von den Gehülfen unterscheiden können, wenn er in Marmor auch nur ausnahmsweise arbeitete und gewöhnlich in Thon skizzirte. Auch, wo man ihn geschäftslos wähnte, war er es nicht und folgte mit aufmerksamem Blick jeder Erscheinung, um zu beobachten und zu lernen. Wie der Taschenspieler, auch fern von feiner Zauberbühne, mit den Eskamotirkugeln Uebungen anstellt, so hielt Thorwaldsen, wenn er aus der Werkstatt sich nach seiner Wohnung begab, stets eine Thonkugel zwischen den Fingern verborgen, um durch ein bedachtes Umbilden die Ideen festzuhalten, die ihm auf der Straße aufstiegen. Als er in der Folge übermäßigen Arbeitens kränkelte, gab man ihm den wohlmeinenden Rath, künstig sich weniger anzustrengen, worauf er entgegnete: “Bindet mir die Hände auf dem Rücken zusammen, so nage ich die Statue mit den Zähnen aus dem Marmor heraus.” Noch im vorigen Jahre waren ihm zehn Tage genug, um die kolossale Statue des Thaddäus, wenn er auch zu ihr die mißrathene eines andern Apostels verwandte, ohne Beihülfe zu modelliren. Um sich selbst in seinen Werken genug zu thun, war er strenger gegen sie als seine Kunstrichter und zerstörte sie lieber, als daß er sich abmühte, dem Todtgeborenen Lebensschein anzukünsteln. Friederike Brun rettete seine Melpomene von dem ihr bestimmten Untergang, Hermann Freund das Relief mit Anakreon und Amor. Die Gratien, die ein König besungen und sie über die Canovas erhoben, fand er sich veranlaßt umzuarbeiten. Ueberaus mild war er dagegen in Veurtheilung fremder Arbeiten und bedacht, alles Lobenswerthe hervorzuheben. Sorgsam modellirte er die Erfindung einer Dame und bei dem Denkmal des Fürsten von Leuchtenberg in München, schloß er sich mehr als es wünschenswerth war, der Angabe Klenze’s an. Für ein in Silber auszuführendes Werk bildete er Jesus zu Emaus in einem Geschmack, der augenschein-

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Lich ein Eingehen in die Weise der Goldarbeiter darthut. Wenn junge Künstler ihn um Rath angingen, so ertheilte er ihn gern und stets mit rückichtsvoller Zartheit. Wer ihm mit Vertrauen entgegenkam, dem half er und Malern selbst zeichnete er am Carton, dem Gedanken der Composition genau sich anschmiegend.

Thorwaldsen war unvermählt und wohnte mit deutschen Künstlern in einem Hause neben dem Monte Pincio, das nach der Besitzerin, einer achtbaren Wittwe, Casa Buti hieß. Er lebte und aß mit der Familie zusammen. Die obere Gelegenheit, die aus wenigen Zimmern bestand, theilte er mit seinem Schüler, dem als Professor verstorbenen H. Freund, der in einer Kammer vor seiner Wohnstube schlief. Antike Bronzen und Thonvasen standen aus den Bücherschränken und Spinden. Die Wände waren über und über mit Gemälden, Zeichnungen, Kupferstichen und Steindrücken bedeckt. Manches Gemälde hatte er gekauft, um talentvolle Künstler zu ermuthigen und unterstützen, unter den Zeichnungen waren ihm die Blätter von Carstens das wertheste Besitzthum. In den Schubladen befand sich eine reiche Gemmen- und Münzsammlung. Zur letztern gehörten drei goldene Denkmünzen, die auf ihn geschlagen waren. Orden, Sterne und Kreuze in allen Formen und Farben, ein kostbares Sortiment von Tabacksdosen und Brillantringen, die ihm meist von vornehmen Reisenden als Andenken übermacht waren, waren daneben eingeschlossen. Es konnte nicht unbemerkt bleiben, welche Summen dem Künstler zugeführt wurden, der allein für das Modell zur Poniatowski-Statue 20,000 Species-Thaler empfangen, und die Furcht vor raüberischen Anfällen hieß ihn, keine Vorsichtsmaßregel außer Acht zu lassen. Ueber seinem Bette hingen zwei geladene Pistolen. Diese, anstatt ihn zu schützen, hatten ihm bald, es war im Jahr 1823, den Tod gegeben. Wenn in Rom nach den stillen Fastentagen die Glocken wieder zum Osterfest einladen, so wird überall das Geläut durch Freudenschüsse unterbrochen, die Töpfe, in denen so lange die verdrüßliche schmale Kost bereitet wurde, werden auf die Straße gebracht und mit Pulver in die Luft gesprengt. Zu dem Jubel wurde Thorwaldsen von dem Sohn des Hauses, einem liebenswürdigen Knaben, um seine Pistolen gebeten. Während er die scharfe Ladung aus der einen Pistole zog, hatte der Kleine die

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andere von der Wand herabgelangt. Sie ging los und Thorwaldsen stürzte zu Boden. Er war an der linken Hand verwundet, weniger als es oft durch den Meißel geschehen war. In allergrößter Aufregung war er lange für keine Beruhigung zugänglich, das ganze Haus und namentlich der Thäter, wenn sie auch der heiligen Madonna Opfer gelobten, weil diese von der Unschuld ein Verbrechen milde abgewandt, waren in Verzweiflung, durch die Stadt verbreitete sich das Gerücht, daß Signor Alberto erschossen oder daß wenigstens ein Mordversuch gegen ihn gewagt sey, Militair erschien, um den Knaben abzuführen, und die sich häufenden Ungelegenheiten konnten nur dadurch einen Abschluß erhalten, daß ein glänzendes Fest zur wunderbaren Rettung des Meisters veranstaltet wurde. In einem der dazu gedichteten italienischen Verse las man:

Isländscher Bildner gleich dem Phidias
Stirb! sprach des Neides Haß
Der alten Griechen Haß. Da hob sich Jason
Empor vom Todesgraus:
Wer wagt es, rief er aus,
Wer einen solchen Künstler zu ermorden,
Der durch mein Bild unsterblich schon geworden?

Thorwaldsen fand besonders nach Canova’s Tode bei den Italiener aufrichtige Liebe und Anerkennung. Man tadelte es, daß Cicognara, der nur sein Buch über die Geschichte der Sculptur niedergeschrieben zu haben schien, um Canova als den Wiedererwecker der antiken Kunst zu feiern, Thorwaldsens mit keiner Sylbe erwähnt habe. Seine beiden vornehmsten Schüler find Italiener Pietro Tenerani und Luigi Bienaimé, beide aus Carrara, die in seinem Geiste bereits ausgezeichnetes geliefert. Zu seinen italienischen Schülern gehört auch ein Abkömmling Raphael Morghens, Namens Carlese, dies ist in so sern bemerkenswerth, als Morghen Canovas größter Verehrer war. Wie der Maler Camuccini war Benvenuti in Florenz ihm zugethan. Missirini gab Opere del A Thorwaldsen 1831 heraus und der Fürst Torlonia machte großartige Bestelluugen bei ihm, wie ehedem bei Canova. Die Arkadische Schäfergesellschaft nahm ihn als Mitglied auf unter dem Namen Alessandro Rodio, der

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mit dem Anklang an Agesander Rhodius die Erinnerung an Thorwaldsens Alexanderzug enthalten sollte.

Mit scheinbarem Interesse unterhielt er sich Abends in vornehmen Soireen, er war nicht unempfindlich für die Auszeichnungen, die ihm von den Höchsten gespendet wurden. Mehr als auf die Dekorationen durch Orden, that er sich etwas darauf zu gut, daß der Kaiser von Rußland ihn umarmt und zur Darstellung einer Büste ohne Umstände Hals und Brust sich entblößt habe, daß er einen Ball mit der Königin von Bayern eröffnet und daß contractliche Bedingung gewesen sei, der Enthüllung des Denkmals des Fürsten von Leuchtenberg beizuwohnen und durch seine Gegenwart die Feier zu erhöhen. Sichtbar heiterer und freier fühlte er sich im Kreise gleichgesinnter Kunstgenossen, vornämlich unter seinen Landsleuten. Gleichviel, ob diese vornehm oder gering waren, begegnete er allen mit derselben liebreichen Gesinnung; er schlug am heiligen Abende jede Einladung ab, um mit ihnen den landesüblichen Weihnachtsbrei zu verzehren. Die Abende, an denen er sich des Zwangs der anstandsvollen Conversation, der Fesseln entledigt sah, mit denen auf eine Allen unerklärliche Weise ihn eine Dame an sich kettete, verlebte er meist mit den Landsleuten in einer Osterie, wo auf plumpen, nur durch den Ellbogen der Gäste geglätteten Tischen der Wein vom Kellner in Hemdeärmeln servirt wurde. Lindau malte Thorwaldsen so mit der Cigarre im Munde, seinem Pudel Pistos schmeichelnd, während ein Landmädchen den Saltarello tanzt. Oft ließ er sich die Mandoline reichen und begleitete das Tambourin der Tänzerin geschickt und mit aufmerksamer Beachtung des wechselnden Taktes.

Die Stiftung eines Museums in Kopenhagen zur Aufnahme aller Werke Thorwaldsens in getreuen Abgüssen, war wahrscheinlich von Thorwaldsen ausgegangen. Auf Anregung der Professoren Thiele und Freund wurde 1837 zu dem Bau eine Subscription eröffnet, der, wenn die Kosten von 200,000 Thlr. erschwungen wären, binnen drei Jahren errichtet sein sollte. 30 Künstler verbanden sich, Arbeiten zu liefern, die zum Besten des Fonds verkauft werden sollten. Ein Brief aus Rom von Thorwaldsen enthielt die urkundliche Bestimmung: “Es ist mein Wille, daß alle meine Kunstsachen, sowohl die von mir gefertigten Marmorarbeiten, als die von mir gekauften Malereien, Kupferstiche, Vasen, Bronzen, Gemmen, Bücher

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und Handzeichnungen dem Museum gehören sollen.“ Der Architekt Bindesböll legte ihm einen Plan vor, dem er volle Zustimmung schenkte. Die Unterzeichnungen fielen aber minder günstig aus, als der Anfang des Unternehmens es erwarten ließ. Die Sendung von Kunstsachen, die von Rom aus erfolgte, erregte statt der Freude Verlegenheit, denn man wußte sie nicht unterzubringen und in Jahresfrist blieben die Kisten uneröffnet. Verschiedene Meinungen, die schon bei Gelegenheit der Reformationsfeier im Jahre vorher sich venehmen ließen, als die für die Frauenkirche bestimmten Statuen zum ersten Mal der öffentlichen Schau ausgestellt werden sollten, schadeten wie damals auch jetzt der guten Sache.

Thorwaldsen, der mit dem Gedanken umgegangen war, in Rom einen von Bramante gebauten Palast anzukaufen und diesen mit Fresken nach Carstensschen Erfindungen verzieren zu lassen, glaubte auf einmal wahrzunehmen, daß das italienische Klima seiner Gesundheit nicht zuträglich sei. Neben der Einladung, sich nach München überzusiedeln, hatte er von dem jetzt regierenden König von Dänemark wiederholt die Einladung erhalten, seine Heimat zum dauernden Aufenthalt zu erwählen. Er versprach jetzt seinen Landsleuten unter ihnen seine letzten Jahre zu verleben. Er ward zum Director der Akademie der Künste in Kopenhagen ernannt. Die Freude steigerte sich, als unvollendete Marmorarbeiten nach Kopenhagen kamen, ein sicheres Zeichen, daß der Meister ihnen bald folgen werde. Die Trennung von Rom war aber nicht leicht, um so weniger, als Arbeiten, die für Italien bestimmt waren, noch der Vollendung warteten. Wenn Thorwaldsen auch schrieb, daß er keine neue Bestellungen mehr annehmen, daß er die Marmorarbeiter nach und nach entlassen werde, so hatte er doch nicht die Kraft, dem Entschluß treu zu bleiben. Es war schon in Zweifel gestellt, ob er jemals den italienischen Boden wieder verlassen werde, als er, nachdem bereits ein großer Theil seiner Kunstschätze eingepackt und abgesendet war, sich mit einer dänischen Fregatte nach Kopenhagen begab. Als Vorfeier der Ankunft liest sich am Abend des 16. Sept. 1838 ein majestätisches Nordlicht sehen. Die Einholung des Künstlerfürsten durch reich dekorirte Fahrzeuge, deren Flaggen in leicht erkenntlichen Bildern seine Meisterwerke entfalteten, war ein Volksfest, das allbelebend sich weit über die Stadt hinaus erstreckte. Durch ein Gemälde ward das Andenken der feierlichen Begrüßung im Ha-

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fen der Nachwelt erhalten. Auszeichnungen und Huldigungen empfing der Greis, mit dem stummen Dank der Rührung. Für die Aufrichtigkeit der Verehrung bürgte die lebhafte Fortdauer in höhern und niedern Kreisen. Bauern kamen noch lange viele Meilen weit, um den berühmten Landsmann zu sehen, in den Landschenken weigerten sich die Wirthe von ihm Bezahlung anzunehmen, ein Raubmörder, dem bereits das Urtheil gesprochen war, besang seinen Geburtstag. Viel hielt sich Thorwaldsen in dem Landhause einer Frau von Stampe auf, welche, damit er sich ganz heimisch fühlte, ihm daselbst eine eigene Werkstatt einrichten ließ. Wenn auch niemand mehr als er solche Aufmerksamkeit erkannte, so mußte er doch, nachdem der Freudensturm sich abgestillt hatte, in den kleinlichen Verhältnissen, in denen sein künstlerisches Streben sich hier zurecht finden sollte, viel vermissen. Sehr bald mogte ihm wieder voller als der Titel Director und Conferensrath der Name Signor Alberto klingen, an den sich sein Ohr gewöhnt hatte. Nur den nothdürftigsten Forderungen der Akademie, die das Schloß Charlottenburg inne hatte, war genügt, mit dem Bau des Museums, das seinen Namen führen sollte, stand es bedenklich, in der Frauenkirche hatte die Aufstellung der Statuen noch immer nicht stattgefunden, ein Umstand, der ihn so verstimmte, daß er nicht über ihre Schwelle treten mogte. Kein Wunder, daß die Sehnsucht nach Rom, die selbst bei günstigerer Gestaltung der Dinge nicht zu beschwichtigen gewesen wäre, ihn mächtig ergriff, so daß er nach drei Jahren eine Reise dahin unternahm, um die nachgelassenen Schüler, die mehrere Arbeiten zu beendigen hatten, in ihrem Wirken zu unterstützen. Aber auch in Rom behagte es ihm nicht mehr, wie vorher, da er die Verhältnisse aufgelöst sah, die ihn so lange an den heiligen Boden banden, die Weltstadt war ihm enger geworden, die manche Freunde seitdem verlassen. Das Gerücht, er werde nie mehr zurückkehren, widerlegte sich bald. In Jahresfrist war er wieder in Kopenhagen. Der König bestimmte ein Gebäude, in dem so lange Theater-Dekorationen gemalt waren, für Thorwaldsens Museum. Es erhob sich ein Streit darüber, ob sich dasselbe dazu eigne oder nicht. Thorwaldsen war müde, fruchtlose Rathschläge zu machen und anzuhören und erklärte sich einverstanden mit der Einräumung des Gebaudes zu dem vielbesprochenen Zwecke. In den öffentlichen Blattern las man: “ mein Alter, meine Kunst und meine Gesund-

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heit fordern Ruhe und Frieden und diese für mich so wichtigen Güter verkümmere mir keiner, der mich lieb hat.” Die nothgedrungene Ausgleichung dieser vaterländischen Angelegenheit befriedigte seine Verehrer nur wenig, um so größer war aber die Freude, als die Frauenkirche, ohne die Vollzähligkeit der Apostel abzuwarten (es fehlten noch zwei) zu einem heiligen christlichen Museum eingeweiht wurde. Der Professor Freund führte die Aufstellung der Statuen, in wenigen Tagen aus und unter dem endlosen Zuströmen der Menge wurde das Osterfest in den von der Kunst geweihten Räumen feierlich begangen. Thorwaldsen wohnte dem Gottesdienst bei und hielt das Kind des ihm in ganzer Liebe ergebenen Professors Freund über der Taufschale, die sein Meißel gebildet. Als er mit dem Geschick versöhnt schien, beugten ihn die härtesten Schlage. Freund starb plötzlich in der Blüthe der Manneskraft, der nach der Bestimmung des Meisters alle Marmorwerke, die er unfertig hinterlassen mögte, vollenden sollte. Bald darauf verlor Bröndsted das Leben durch einen Sturz vom Pferde. Wie in unglücklicher Vorahnung, hatte Thorwaldsen kurz vorher die Verwendung der im Bau unterbrochenen Marmorkirche zu einer dänischen Walhalla vorgeschlagen. Für solche Verluste konnte ihn nicht die königliche Huld entschädigen, die die Aufführung des Museums nach dem Bindesböllschen Plan bestimmte mit Anweisung ausreichender Mittel. Wenn er auf diese Weise sein höchstes, dem Vaterlande dargebrachtes Eigenthum gesichert sah, so sollte er noch erleben, daß eines seiner Werke, auf das er stolz war, jählings dem Verderben Preis gegeben ward. Die russische Regierung erließ den Befehl, die Statue des Fürsten Poniatowski sowohl im Bronzeguß als im Modell in Stucke zu zerschlagen. Im Anfange dieses Jahres wurde Thorwaldsen wieder in Rom erwartet. Statt seiner kam die Kunde dahin, die dort nicht geringere Betrübniß erregte als irgendwo, denn Rom streitet mit Kopenhagen um den Ruhm, seine erste Vaterstadt zu sein. Thorwaldsen verschied in der Nacht zum 25sten März, da er am Abend in dem Theater erkrankte, wo er nach der Arbeit Erholung suchte. Die Aerzte erklärten, daß ein Herzübel Grund seines unerwarteten Hintritts gewesen sei. Zu seiner Ruhestätte hatte er den innern Hof des Museums sich gewählt, und für sie, wie erzählt ist, seine Bildnißstatue, auf die Hoffnung (nicht, wie es in einem Bericht heißt, auf das Hoffnungsanker) gestützt, gefertigt. Durch das

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Testament verlieh er dem Museum, das als das Thorwaldsensche nie zertheilt und vereinzelt werden darf, nicht allein alle seine Kunstwerke, deren größere Zahl sich noch in Rom befindet, sondern auch zur Vermehrung einen Theil seines Vermögens und nach dem Tode seiner Adoptivtochter und deren Descendenten, das ganze. Dem Bildhauer Bissen übertrug er die Vollendung seiner unfertigen Marmorwerke. Die Leiche des Meisters in einem Sarkophag, an dem die Parzen und eine Victoria prangten, wurde aus der Frauenkirche, wo sie beigesetzt war, in feierlichem Zuge nach dem Museum getragen. Ein fürstliches Begräbniß ehrte den Künstlerfürsten, an dem der Hof und alle Vornehmen Theil nahmen. Reden wurden in der Kirche und am Grabe gehalten und eine Cantate von Oehlenschläger unter anderen Gesängen gab der Feier Künstlerische Weihe.

Er wünschte Ruhe und Frieden, durch ungerechte Klage verkümmere sie ihm keiner, der ihn lieb hat!

Vom Professor Thiele, der aus des Verblichenen Wunsch 1832 ein vierbändiges Werk über ihn herausgab, haben wir glaublicher Weise bedeutende Nachträge zu erwarten. Die ungenügenden Umrisse, in denen bis dahin Thorwaldsens Leistungen einem größeren Publikum zugänglich geworden sind, werden hoffentlich durch ausgeführte Kupferstiche ersetzt werden, wie sie theilweis nach Overbecks Zeichnungen von Bettelini und Marchetti und besonders von Amsler, ferner nach Begas von Ruscheweyh erschienen sind. In der Gallerie Aguado ist zierlich unter seinem Namen eine Salmacis gestochen. Nirgend wird eine solche unter seinen Statuen aufgeführt und wahrscheinlich lag es ihm stets fern, eine Hermaphroditen-Gestalt zu bilden.

General Comment

Denne forelæsning om Thorvaldsen er trykt i et hæfte.

Archival Reference
M16,20 (Thorvaldsens Museums Småtryk-Samling 1844)
Subjects
Casa Buti · Lost Works by Thorvaldsen · Criticism of Thorvaldsen's Works, Negative · Thorvaldsen and Canova · Thorvaldsen and Christianity · Accidental Shot 1823
Persons
Nicolai Abildgaard · Accademia di S. Luca · Samuel Amsler · Per Daniel Amadeus Atterbom · Pietro Benvenuti · Pietro Antonio Leone Bettelini · Luigi Bienaimé · H.W. Bissen · Friederike Brun · P.O. Brøndsted · Vittoria Caldoni · Vincenzo Camuccini · Antonio Canova · Asmus Jacob Carstens · Ercole Consalvi · Peter von Cornelius · Johann Heinrich von Dannecker · Nicolaus Esterházy · Carl Ludwig Fernow · John Flaxman · Hermann Ernst Freund · Henry Thomas Hope · Wilhelm von Humboldt · Leo von Klenze · Domenico Marchetti · Melchiorre Missirini · Raphael Morghen · Napoleon 1. · Johann Friedrich Overbeck · Karl Pfyffer von Altishofen · Christian Daniel Rauch · Angelo Maria Ricci · Johann Gottfried Schadow · Rudolf Schadow · Herman Schubart · Johan Tobias Sergel · Christine Stampe · Pietro Tenerani · Bertel Thorvaldsen · Wilhelm Johann Karl Zahn · Georg Zoëga
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Last updated 06.09.2016 Print