15.4.1830

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No. 30
K u n s t – B l a t t
Donnerstag, 15. April 1830.
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Denkmal des Herzogs von Leuchtenberg in der St. Michaeliskirche in München.

Als im Februar 1824 die traurige Kunde von dem frühzeitigen Ableben des Herzogs Eugen von Leuchtenberg ganz Europa in theilnehmende Bewegung versezte — entstand in der Seele eines ihm befreundeten und vielfach von ihm beschäftigten Architekten der Gedanke, für ihn ein Denkmal zu entwerfen, auf welchem der Verstorbene dargestellt wäre, wie er, vor der Pforte des Grabes stehend, alle Würde und Herrlichkeit der Welt abgelegt hätte und der Geschichte, die nun seine Thaten zu verzeichnen begann, allein den Lorbeerkranz des durch männliche Tugend und Heldensinn erworbenen Ruhmes darböte. Dieser Entwurf erwarb sich den Beifall der Frau Herzogin von Leuchtenberg, und sie beauftragte dessen Urheber, Hrn. v. Klenze, für die Ausführung mit dem ersten Bildner unsrer Zeit, Thorwaldsen, in Verbindung zu treten. Obgleich nicht gewohnt, nach fremden Entwürfen zu arbeiten, verstand sich Thorwaldsen, nachdem einige von ihm vorgeschlagene Veränderungen genehmigt waren, zur Ausführung des Monumentes in der Art, daß die Figuren zwar im Allgemeinen nach Maaßgabe jenes Gedankens, aber im Einzelnen frei von ihm entworfen und in Marmor ausgeführt, die architektonischen Theile jedoch nach den Zeichnungen des Hrn. v. Klenze in München gefertigt werden sollten. Auch unterzog er sich der Bedingung, den in Rom gearbeiteten Statuen selbst nach München nachzukommen und bei der Aufstellung des Denkmals gegenwärtig zu seyn.
Thorwaldsens Antheil war im Sommer des verflossenen Jahres beendigt, und im Spätherbst langten die Statuen hier an. Es wurde sogleich die Aufrichtung der architektonischen Theile begonnen. Man befreite die beiden Kreuzesarme der St. Michaels-Hofkirche von den sie verunstaltenden Gitterstühlen und Emporkirchen, verschaffte der an der Ecke der linken befindlichen Kanzel einen andern Zugang, und gewann dadurch an der Rückwand desselben Kreuzesarmes einen großen und schonen Raum, den besten und würdigsten, der für die Aufstellung eines so ausgezeichneten Werks in dieser Kirche gefunden werden konnte.
Alles Architektonische hatte man bereits vollendet, auch die Statuen provisorisch auf ihren Sockel gestellt, als Thorwaldsen, seinem Versprechen gemäß, in München anlangte; doch verzog sich die Aufdeckung des Monumentes, die bei der Vorfeier des Todestags des Herzogs, am 20. Februar, stattfinden sollte, noch um einige Wochen, da der Bildner an der Anordnung der Statuen mehreres geändert wünschte.
Seit dem 12. März ist das Denkmal den Blicken des Publikums völlig geöffnet, und wenn schon die Vorbereitungen zu seiner Aufstellung die allgemeinste Theilnahme erregt und die Erwartung auf’s Höchste gespannt hatten, so ist es nun täglich der Gegenstand aufmerksamer Betrachtung für eine große Menge, welche Theilnahme an dem verehrten Fürsten oder Sinn für die Schönheit der Kunst dahin zieht.
Auf einem etwa 6 Fuß hohen, 15 Fuß breiten und 6 Fuß vorspringenden Sockel stehen die Figuren vor einem von zwei korinthischen Pilastern gebildeten, an die Mauer gelehnten Portal, welches eine nach oben verjüngte Thüre enthält. In der Mitte vor der Thüre, auf erhöhtem Plinthus die Figur des Herzogs, 9 Fuß hoch. Er ist mit einer kurzgegürteten Tunica, welche die Brust offen läßt und einem über den Rücken herabfallenden Mantel bekleidet; an seiner Seite hängt noch das Schwerdt. Allen übrigen irdischen Schmuck hat er abgelegt, denn hinter ihm und zu seinen Füßen ruht der Harnisch, der Commandostab und der mit der eisernen Krone umgebene Helm, tiefer noch eine Königskrone. Seine Linke hat er fest auf das Herz gelegt und in der ausgestreckten Rechten hält er einen Lorbeerkranz, Symbol seines unvergänglichen Ruhmes. Sein Haupt ist nach derselben Seite gesenkt, wie in dem edlen und doch demuthvollen Bewußtseyn, daß aller äußere Glanz vergänglich, dafür aber die innere Heiterkeit ihm geblieben sey, der den Weg zum Himmel öffnet. Eine leise Bewegung des linken Fußes und das entsprechende Zurücktreten der linken Schulter scheint anzudeuten, daß er im Begriff ist, sich umzuwenden, nach der hinter ihm befindlichen Grabespforte. In den jugendlich gehaltenen Zügen des männlich schönen Gesichts liegt Milde und tiefe Seelenruhe; ein Lächeln des reinsten Wohlwollens spielt um seine Lippen, während man der schöngewölbten Stirne wohl ansieht, daß sie für ernste Gedanken sich gebildet und den Stürmen des Jahrhunderts Trotz geboten hat. Die Gestalt ist eine edle Heldengestalt, in deren großartiger Form sich hohe Würde mit jugendlicher Kraft vereinigt.
Zu seiner Rechten, etwas tiefer und weiter nach vornen zu, sitzt die Muse der Geschichte. Sie ist herauswärts gegen den Beschauer gewendet; mit der Linken hält sie auf dem übergeschlagenen Knie eine Tafel und in der Rechten den Griffel, womit sie die Thaten des Fürsten verzeichnet. Ihr Haupt ist leicht emporgewandt, als ob sie eben, sinnend über ihren Gegenstand, mit Schreiben inne hielte. Ihr Haar ist ohne Kranz, einfach gescheitelt und gebunden; ihr Gewand besteht aus einer feingestreiffen, langen, gegürteten Tunica, mit einem über die Schulter und die Schenkel fallenden Ueberwurf; der Stuhl, auf Welchem sie sitzt, ist von der antiken Form, welche man auf dem herkulanischen Gemälde der Klio sieht, und mit dem Fell eines Ebers bedeckt, das an der Seite herab mit den Falten des Gewandes eine großartige Masse bildet.
Zur Linken von dem Herzog und in gleicher Höhe mit der Figur der Geschichte (jene sitzend, diese stehend 6 Fuß hoch) ist die von Thorwaldsen hinzugefügte Gruppe, die beiden Genien des Lebens und des Todes. Der letztere, größer und stärker als sein Bruder, mit großen, niedergesenkten Flügeln, die erlöschende Fackel mit der Reckten auf den Boden stützend, schlingt seine Linke um die Hüfte des Jüngern, zu dem er das Angesicht hinwendet. Das schöngelockte Haupt ist mit Mohn umkränzt und auf seiner Stirn und in den milden Augen ist das Mitgefühl für den trauernden Bruder unverkennbar. Dieser der Jüngere lehnt sich mit der Rechten auf des Aeltern Schulter, das Angesicht schmerzvoll emporgewandt. Das lang herabfallende, einfach gescheitelte Haar ist mit einem Kranze von Immortellen geschmückt, die kürzeren Flügel emporgerichtet, und in der Linken trägt er die aufwärts gewendete Fackel. Beide Genien sind nackt bis auf ein leichtes Gewand, welches dem Aeltern um die Hüften gegürtet, vor die Mitte des Leibes und bis auf die Hälfte des linken Schenkels herabfällt; dem Jüngern dient ein Ueberwurf, von der rechten Schulter rückwärts und um den linken Arm geschlungen, zur einfachen und anständigen Umhüllung.
Hinter der Figur des Herzogs in dem Marmorportal ist die Thüre und über derselben steht in goldner Schrift der Wahlspruch des Verstorbenen: Honneur et Fidélité. Das Kranzgesimse des Portals ist mit einer Krönung von Palmetten und Ranken geschmückt, in deren Mitte sich das Kreuz aus dem verschlungenen J. H. S. V. erhebt. Mit demselben erreicht das Monument eine Höhe von 30 bayr. Fuß. Am Sockel befindet sich eine Tafel, von zwei schwebenden Genien gehalten, mit der Inschrift:

Heic placid ossa cubant
Eugenii Napoleonis
Regis Italiae vices quondam gerentis
Nat. Lutet. Parisior. D. III. Sept. MDCCLXXXI.
Def. Monachii D. XXI. Ferb. MDCCCXXIV.
Monumentum posuit vidua moerens
Amalia Augusta
Maximil. Jos. Bav. Regis filia.

Ein Werk wie dieses, das für immer der öffentlichen Beschauung ausgestellt ist und durch seinen Gegenstand, wie durch die Namen seiner Künstler die allgemeinste Theilnahme erregt, wird natürlich auch auf das Verschiedenste beurtheilt. Jeder ist hier ein Kunstrichter, nicht aus Kennerschaft, sondern aus natürlichem Gefühl, und diese Regsamkeit und Schärfe des Urtheils ist ein erfreuliches Zeichen von der allgemeinen Aufmerksamkeit auf die Sache. Dabei darf jedoch nicht vergessen werden, daß man gerade während der ersten Aufregung am meisten geneigt ist, von dem Künstler, an den man große Anforderungen machen zu dürfen glaubt, Uebertriebenes zu verlangen; nur allmählich gewöhnt man sich an das, was der erste Eindruck Befremdendes hatte, und einzelne Schönheiten treten oft erst bei wiederholter Beschauung entschädigend und versöhnend hervor. So sehr ich mir daher den Vorwurf unzeitiger Zurückhaltung zu machen hätte, wenn ich den Tadel, den man darüber ausspricht, verschweigen wollte, so weit bin ich doch entfernt, alle Forderungen, die man aufstellt, für gegründet zu halten. Ich will versuchen, das Für und Wider unpartheiisch gegen einander zu stellen, und fürchte dabei weder der Anmaßung, noch des Mangels an Rücksicht für zwei Künstler beschuldigt zu werden, die in der That Verdienst genug besitzen, um sich ein mäßiges Urtheil des Publikums gefallen lassen zu können. Die Frage, wem die etwaigen Mangel der gemeinsamen Ausführung zur Last fallen, gehört nicht hierher, wo blos von der Sache, nicht von Personen die Rede ist. Man müßte über alle dabei eingetretenen Verhältnisse und Umstände genau unterrichtet seyn, um darüber mit Billigkeit zu urtheilcn, und auch dann hätte ein Dritter noch kein Recht, den Gegenstand vor das Publikum zu bringen.
Zwar sollte ich den Gedanken, als mit Neigung angenommen, ohne Weiteres voraussetzen; indessen kann ich doch nicht umhin, über denselben einiges zu bemerken. Es seyen mir nämlich nur die Fragen erlaubt: Konnte es der Anlage des Werks nach plastisch ausgedrückt werden, daß der Herzog im Begriff sey, in die Grabespforte einzugehen? Rückwärts schreitend konnte ihn der Bildner nicht darstellen, und welcher unvermeidliche Mißverstand aus der Stellung vor der Grabesthüre sich ergeben mußte, werden wir im Folgenden sehen. Ferner: hätte man, um ein anderes Mißverständniß zu vermeiden, nicht lieber den Lorbeerkranz ihm auf das Haupt setzen, als in die Rechte geben sollen? Und wäre es demnach, da die sämmtlichen Figuren doch in keiner Handlung, auch nicht in geistiger Verbindung, sondern nur in allegorischer Beziehung zu einander stehen, nicht besser gewesen, die Andeutung der Grabesthüre ganz hinwegzulassen, die Figur des Herzogs in heroischer Gestalt, oder im Feldherrnkostüm, mit dem Lorbeer des Ruhmes bekränzt, auf einen gegen die übrigen Figuren stark erhöhten Sockel zu stellen, und, wenn man die Idee der Geschichte beibehalten wollte, viel tiefer zu beiden Seiten desselben die Muse und die beiden Genien? Der Gedanke wäre dann freilich einfacher, aber deutlicher gewesen. Die Gestalt des Herzogs hätte keinen andern Anspruch gemacht, als den, ein Abbild der vollen Kraft und Würde seines Lebens der Nachwelt zu bewahren; das Uebrige wäre gegen ihn mehr untergeordnet geschienen und hätte angedeutet, daß die Geschichte in dem Augenblick seinen Ruhm zu verzeichnen beginne, da die Genien seines Lebens und Todes sich umarmen.
Was nun jenen ersten Punkt betrifft, so höre ich häufig die Klage, dieser Gedanke sey nicht deutlich im Werke ausgedrückt, denn viele, welchen die Idee nicht bekannt ist, vermeinen in dem Portal, worüber die goldnen Worte Honneur et Fidélité stehen, etwa die Pforte oder den Tempel der Ehre und Treue zu sehen, woraus der Herzog so eben herausgetreten sey. In der That ist die Architektur nicht von solchem Charakter, daß ein Grabmal mit Bestimmtheit in ihr zu erkennen wäre; auch ist die Thüre geschlossen, statt daß auf römischen Sarkophagen der Eingang zur Unterwelt, vor dem der Verstorbene steht, zwar auf ähnliche Weise, doch mit etwas geöffneter Thüre angedeutet zu seyn pflegt; endlich bezeichnet die Stellung des Herzogs, mit dem Rücken gegen die Thür gewendet, trotz der leisen Bewegung, die ihr der Bildner gegeben hat, doch nicht ganz deutlich, er sey eben im Begriffe sich nach der Pforte umzukehren und in dieselbe einzugehen. Weit verständlicher in dieser Hinsicht, wenn auch sonst im Gedanken unzusammenhängend, ist die Anordnung des Grabmals der Erzherzogin Christina in Wien, wo man keinen Augenblick zweifelhaft bleibt, daß der Trauerzug sich in die geöffnete Grabespyramide hinabbewege, um dort die Asche der Verewigten zu bestatten. Bei diesem Monument tadelt man freilich wieder, daß die mittelste und Hauptgruppe dem Beschauer fast ganz den Rücken zuwendet; mit Vermeidung dieses Uebelstandes ist nirgends ein höherer Grad von Deutlichkeit erreicht, als in dem Grabmal des Marschalls von Sachsen zu Straßburg, der von den Stufen der Ehre in den vor ihm geöffneten Sarg gerade herabsteigt. Daß der Raum zwischen dem Herzog und der Pforte durch die Rüstung eingenommen ist, die hinter seinen Füßen steht, trägt allerdings noch zur Vermehrung der Undeutlichkeit bei; läge sie vor ihm oder ihm zur Seite, so würde man leichter sehen, daß er sie abgelegt hat, um sich ihrer für immer zu entäußern. So viel mir bekannt ist, war in dem ersten Entwurf die Rüstung an der Stelle der Genien, was jedoch mit der gegenübersitzenden Figur der Geschichte nicht so gut gruppirte und andern Mißverstand hätte erregen können.
An der Figur des Herzogs ist der Bart über der Oberlippe nicht ganz in Uebereinstimmung mit dem heroischen Costüm, das der Bildner gewählt hat. Aber da der Herzog ihn beständig trug, würde dessen Weglassung der Porträtähnlichkeit geschadet haben. Vielleicht wäre durch etwas reichlichere Bekleidung dieser Contrast einigermaßen zu vermitteln gewesen, da die kurze Tunica, welche den Leib bedeckt, aber an der Seite offen ist und auch die Brust größtentheils offen läßt, in der That kaum als Gewand gelten kann. Auch die ziemlich starke Neigung des Hauptes, die fast etwas Sentimentales verräth, scheint nicht völlig mit der übrigen heroischen Haltung der Figur übereinzustimmen.
Was die Figur der Geschichte betrifft, so findet man einen Mangel an Handlung darin, daß sie den Herzog nicht ansieht und dieser ihr nicht geradezu den Lorbeerkranz darreicht. Diese Forderung scheint mir unstatthaft, denn in dem Gedanken des Ganzen lag keine Nothwendigkeit, die beiden Figuren in Handlung zu setzen; ja der Bildner würde ohne Zweifel einen Mißverstand dadurch erregt haben, denn in der Sprache der plastischen Allegorie hätte dies bedeutet: die Muse werde mit dem Lorbeer des, Ruhmes von dem Herzog gekrönt. Er trägt den Kranz in seiner Hand zur Versinnlichung dessen, was die neben ihm Sitzende aufzeichnet, und der Begriff der Geschichte erscheint uns größer und edler, wenn wir sie unabhängig, nur der eigenen Eingebung folgen sehen. Ueberdies würde durch eine Handlung, an welcher blos diese beiden Figuren Theil genommen hätten, die Gruppe der Genien völlig isolirt worden seyn, und die Darstellung ihr inneres Gleichgewicht verloren haben. Auf dem Angesicht der Muse ist ein leichter Zug von Trauer und stillem Sinnen, doch möchten Viele den Ausdruck im Ganzen bedeutender wünschen; denn man kann nicht läugnen, daß ihre Miene etwas Gleichgültiges und dadurch die ganze Figur etwas Unlebendiges hat. Ihre Formen sind übrigens, obgleich edel, doch ausnehmend stark und kräftig.
In Bewunderung der beiden Genien stimmen alle Beschauer überein; die hohe Schönheit der Formen, die liebliche Verbindung der beiden Figuren, den reinen und erhabenen Ausdruck der Gesichter, die vortreffliche Anordnung der Gewänder, die überaus reine und sorgfältige und dennoch von allen Ansprüchen entfernte Ausführung kann niemand genug erheben. Die Gruppe hat in der Anordnung eine leichte Aehnlichkeit mit der bekannten Gruppe des Castor und Pollux von S. Ildefonso; aber sie hat mehr Einheit und Harmonie. Man erkennt die Brüder an der Verwandtschaft ihrer Gestalten; trotz dieser Aehnlichkeit jedoch sind ihre Charaktere genau unterschieden. Ernst und Strenge tritt in dem einen, Milde und Anmuth im andern in durchgeführter Eigentümlichkeit hervor. Ihre Formen sind überaus rein und edel; die zarteste jugendliche Anmuth verbindet sich mit Kraft und Fülle der Glieder; es ist die Schönheit der Antike, aber doch eine individuelle, neue und bedeutsame, die Stellungen sind natürlich und anmuthig; besonders aber hat der Künstler in dem Wurf der Gewänder eine nicht geringe Schwierigkeit überwunden, indem sie die Gestalten überall, wo es nöthig ist, mit leichten Linien umgeben und dennoch fast unverhüllt lassen. In dieser Gruppe hat Thorwaldsen die ganze Kraft seines Genius offenbart, und ich scheue mich nicht zu sagen, daß ich sie zu dem Schönsten zähle, was aus seiner Hand hervorgegangen ist.
Die Gruppirung der sämmtlichen Figuren ist etwas eng, und es wäre zu wünschen, daß der Sockel, so wie das dahinter befindliche Portal einen größeren Raum darböten. Die Stufe, auf welcher die Figur des Herzogs steht, ist schmaler, als die Thüre, und dennoch treten die Seitenfiguren, von vornen und aus gehörig entferntem Standpunkte gesehen, noch zu beiden Seiten über die Architektur des Portals hinaus und verlieren zum Theil den ihnen bestimmten Hintergrund. Auch würde die Wirkung des Ganzen durch die Wahl eines andern Marmors für die architektonischen Theile um Vieles gewonnen haben. Die Statuen sind von dem blaulichen karrarischen Marmor zweiter Art, der ohne Zweifel gewählt wurde, weil er sich leichter in so großen Blöcken darbietet, als der sonst zu Statuen gewöhnliche weiße. Nun ist aber dieser Marmor etwas dunkler, als der fast durchgängig sehr weiße Marmor von Slanders, aus welchem die architektonischen Theile bestehen, und die Statuen heben sich daher trübe auf einem hellen Grund ab. Da zugleich auch die Beleuchtung des Monuments durch das ihm gerade gegenüberstehende Fenster ziemlich scharf ist und wenig Schattenmasse gewährt, so wäre ein dunklerer Hintergrund, etwa von dem schönen grauen Granitmarmor, der hier so häufig verarbeitet wird, oder auch von schwarzem, um so wohlthätiger gewesen.
Darf ich mir nun noch einen Wunsch erlauben, so ist es der, daß die beiden schwebenden Genien an der Inschrifttafel hinweggeblieben wären, da sie, hier in München gearbeitet, nicht vorzüglich gerathen sind; dann, daß des Herzogs Motto statt in französischer, lieber in lateinischer Sprache: Honor et fides, hätte gesezt werden mögen, da auch die Inschrift des Sockels lateinisch ist. – Endlich dürfte man wohl selbst das Kreuz auf der (etwas mager gearbeiteten) Krönung des Portals als überflüssig betrachten, da der Gedanke, der im Uebrigen herrscht, eine mythologische Allegorie oder eine Beziehung auf Christenthum enthält, dabei aber die Aufstellung des Denkmals in einer christlichen Kirche schon alles sagt, was durch das Kreuz angedeutet werden soll.
Diese und ähnliche Bemerkungen werden jedoch niemanden den Genuß des vielen Schönen und Trefflichen an diesem Monumente verkümmern können. Thorwaldsen ist unter allen neueren Künstlern der Einzige, welcher die Schönheit der Natur eben so rein, mit eben so ursprünglichem und richtigem Gefühl, wie die Alten, erfaßt hat, und dem es gleich diesen gelungen ist, den Gedanken überall edel, einfach und natürlich in der Gestalt auszuprägen. Er hat die Skulptur zu dem edlen Style der Griechen zurückgeführt, und es ist ihm, wie keinem andern Meister der neueren Zeit, gelungen, sich völlig entfernt von aller Manier zu halten, und den ächten und reinen Styl durch alle seine Werke zu bewahren. Wir sehen in seinen Gestalten die Wahrheit und nur die Wahrheit im Lichte der reinsten Schönheit, und alle seine Darstellungen enthalten einen Reichthum künstlerischer Gedanken, eine Auswahl von Motiven, eine Zartheit der Auffassung, wie sie nur dem Geiste gelingen können, der mit den feinsten und edelsten Mitteln der Kunst vertraut ist. Darum mag man es billig für ein Glück halten, in einer so kunstthätigen Stadt wie München ein größeres Werk dieses Meisters zu besitzen. Was in Thorwaldsen vereinigt wirkt, poetische Schöpferkraft, hoher Schönheitssinn und gewissenhafte Beobachtung des höchsten und edelsten Styls seiner Kunst, kann eines wohlthätigen Einflusses auf ihm verwandte Geister jeder Art nicht verfehlen. Möchte die Betrachtung seines Werkes in dieser Hinsicht fruchtbare Keime wecken und vielen den richtigen Weg zeigen!

Schorn.

(Der Beschluß folgtI.)

Generel kommentar

Denne anmeldelse af Thorvaldsens Gravmæle over Eugène de Beauharnais, hertug af Leuchtenberg, jf. A156, stammer fra Morgenblatt für gebildete Stände, Kunst-Blatt, no. 30, 15.4.1830.

Emneord

Personer

Værker

A156 Eugène de Beauharnais, 1827, inv.nr. A156

Kommentarer

  1. I det følgende nummer af Kunst-Blatt af 20.4.1830 fulgte en reportage om festlighederne under Thorvaldsens ophold i München fra 14.2.1830 til 14.3.1830.

Sidst opdateret 14.06.2020