26.12.1807 & 16.1.1808

Afsender

J.L. Lund

Afsendersted

Rom

Modtager

Carl Anton Graff

Modtagersted

Dresden

Dateringsbegrundelse

Dateringen fremgår af brevet.

Resumé

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Dokument

Rom, den 26sten Decbr 1807

Theuerster Freund.

Empfangen Sie meinen besten Dank für Ihren freundschaftlichen Brief, der schon einige Tage vor meiner Zurückkunft hier angekommen, und im Caffée war ausgeboten worden; mit vielem Vergnügen habe ich alles gelesen was Sie mir darinnen mittheilen, und denke mir Ihre Freude recht lebhaft. Ihre Familie, Vaterstadt, und alle alte Bekannte wiedergesehen zu haben, es mag ein eigenes Gefühl seyn, das ich gerne auch einmal erfahren möchte, wenn nicht die größere Entfernung, und die Vorliebe zur Sonne davon abhielten. Sie haben wahrlich ein seltenes Glück gehabt Ihre Eltern, nach einer so langen Abwesenheit, gesund und munter anzutreffen, und mit Theilnahme habe ich dies gelesen. Jetzt sollten Sie sich ein hübsches junges Weibchen suchen, und mit dieser hier zu uns ziehen, könten allenfalls auch noch einige andre heirathslustige Mädchen oder Speuleten [?] mitbringen, um der hiesigen deutschen Jugend, die sich lieber jenseits der Alpen als unter den Römerinnen eine Haus und Bettgenossin suchen möchte, die Mühe der Reise zu ersparen, und gewiß mancher würde Ihnen sehr dankbar dafür seyn, zumal wenn das hübsche Gefühlchen durch 10.000 oder 12.000 Thälerchen noch mehr relief erhält, und in diesem Falle dürften Sie wegen Abgangs der Waare ganz unbesorgt seyn.

Es sind jetzt ungefähr 14 Tage, da ich von meiner Toscana Reise zurückkam, nachdem ich beynahe volle 6 Monate von Rom abwesend gewesen warI. Gern hätte ich Ihnen schon früher geschrieben, aber Sie werden es Sich leicht vorstellen können daß ich bis jezt durchaus keinen ruhigen Augenblick gehabt habe, und daß mir die ersten Tage mit Besuchen und tausend andern Verhinderungen vergangen sind, jetzt habe ich mich wieder ganz eingerichtet, und meine alte Wohnung mit Eberlein getheilt. Mich betreffend kann ich Ihnen wenig tröstliches sagen, die unangenehmen Vorfälle in meinem Vaterlande haben auch mir einen Strich durch die Rechnung gemacht, und mich für den Augenblick hart getroffen, indeßen ich habe den Muth nicht verloren, und tröste mich mit der Hoffnung beßerer Zeiten. Mein GemähldeII das ich im Anfang Juli von Livorno absandte, ist in die Hände der Engländer gerathen, das Schiff aufgebracht und nach Plymouth geschleppt; ob es je wieder frey gegeben und an den Ort seiner Bestimmung kommen wird, mögen die Götter wißen, ich habe schon ganz Verzicht darauf gethan, und denke so wenig als möglich daran. Sie können Sich leicht vorstellen wie unangenehm mir diese Nachricht gewesen, und ohne den vortrefflichen Baron v. Schubart in deßen Hause ich den größten Theil des Sommers und des Herbst zugebracht, würde ich in die größte Verlegenheit gerathen seyn, dieser hat aber sogleich ein Gemählde von minderer Größe bey mir bestellt, und mir Vorschuß darauf gethan, und ich werde jetzt die Komposition und Skizen dazu machen, um es gleich im Frühjahr anfangen zu können.

Die Rückreise hierher habe ich meinem Plane getreu zu Fuße und über Perugia und Terni gemacht. Wahl kam nach Pisa mich abzuholen, und blieb ich einige Wochen in des Barons Hause, dann hielten wir uns noch eine Woche in Florenz auf, und am 30sten Novbr traten wir unsere Reise an. Das Wetter war uns ziemlich günstig und bey dem heitersten Himmel durchstrichen wir die schönen Gegenden von Arezzo, Cortona, Perugia, Assisi bis Spoleto und Terni, nur einige Regentage [xxxxxxxxx]. Wir haben des Schönen sehr viel auf dieser

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Wanderung gesehen, und kehrten sehr befriedigt dann nach Rom zurück. Hier habe ich manche Veränderung getroffen die Ihnen größtentheils bekannt seyn werden; das Volk ist mehr zerstreut als sonst, der Cafféewirth hat die Bude aufgegeben, und aber eine Trattoria errichtet, der Saukuch[?] hat die Stecherei weiter unten nach Babuino verlegt; und dgl. mehr. Unsere Accademie hat viel Zuwachs erhalten, Spanier, Rußen und alle Nationen nehmen jetzt daran Theil, und es wird wüthend gezeichnet. Schiks Frau hat die Welt mit einem kleinen Jungen vermehrt, ob man auch ihn bravo Maestro grüßen kann, weiß ich nicht. Sintemahl ich ihn noch nicht gesehen habe. Einige unter dem Volke möchten wieder den 6ten Januar feyern, und man hat mich überreden wollen, das Obercommando zu übernehmen, ich habe es aber abgeschlagen und Geschäfte vorgeschützt, zweifle ich sehr daß es zustande kommen wird, weil das Volk dieses weniger zusammenhält wie sonst, auch im ganzen viel höflicher und zurückhaltender unter und gegeneinander geworden ist; sollte irgend ein Fest zustande kommen so werde ich Ihnen getreu Bericht davon abstatten, doch wird bestimmt es nicht auf Cecilia gegeben, man hat Monte mario vorgeschlagen. Link der Herr Vetter wird im Januar hier erwartet, ihm ist die Mutter gestorben, und hat seinen Postmeisterb[xxxxxx] verkauft, und will hier Bude aufschlagen der Künstler; so geht die Sage; auch soll der Baron Ixküll, wahrscheinlich mit ihm, wieder herkommen. Die Tischgesellschaft bey Franz ist nicht so zahlreich wie sonst, und unsere Hoffnung, den guten Arbeiter wieder hier zu sehen, ist leider vergeblich gewesen; statt deßen haben wir einen Italiäner der lange in Rußland war, auch etwas deutsch spricht, und erst jeden Mittag von Pietroburgo erzählt.
Die spanische Barke ist vor ungefähr 8 Tagen wieder bey Ripa angekommen, und die trinklustige Jugend zieht so gut es die Finanzen erlauben hinaus. — Da haben Sie ungefähr die Quintessenz der hiesigen Neuigkeiten, die jedoch Sie nicht sehr intereßiren werden. Jetzt etwas an Künstlernachrichten. Madraze und Wagner haben ihre Gemählde fertig. Camuccini hat sein großes Bild, die Darstellung im Tempel untermalt, und lässt die Untermalung sehen, um das Urtheil der Künstler darüber zu hören, die Figuren sind 14 Palmi hoch, also doppelt colossal. Es wird wohl ein ganz vozügliches Gemählde, der Anlage nach zu schließen, und übertrifft seine anderen Arbeiten bey weitem. Canova wird nächstens das Pferd von seiner colossal Statue ausstellen. Die Villa Borghese wird uns bald sehr unintereßant seyn, man ist beschäftigt, die Antiken einzupacken um sie nach Paris zu führen.
Viel Freude muß es Ihnen gemacht haben, alle Kunstwerke so unangetastet wieder vorgefunden zu haben; ich gäbe viel darum um einmal wieder einige Wochen auf der Gallerie zubringen zu können. In Florenz sah ich jetzt den Abguß des Colossen von Montecavallo; er ist in einem schönen großen Saale aufgestellt, wo er vollkommen schön beleuchtet ist, und außerdem ist der wichtige Vortheil damit verbunden, daß´ man ihn drehen kann; gerne wollte ich das Original hier entbehren um einen solchen Abguß, und so aufgestellt hier genießen zu können.

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Sonnabend d 16ten Januar 1808

Entschuldigen Sie mein Bester, diese so lange Pause in meinem Schreiben, die wie ich jetzt sehe länger geworden ist wie ich glaubte, und vergelten es mir nicht durch gleiches Zögern in der Beantwortung meines Briefs; Sie wißen selbst wie schnell hier die Tage und Wochen vergehen, und so bin ich auch in den letzten Wochen durch so manche Verhinderungen verführt worden, dieses nicht zur Post zu geben.
Das oben erwähnte Fest auf Cecilia Metella ist nicht zu Stande gekommen, was vielen sehr leid that, weil gerade an diesem Tage, wie überhaupt seit mehren Wochen, das schönste Wetter war und vollkommen so rein und heiter wie vor einem Jahre; statt deßen sammelte sich das Volk bei Carnesecco, um mit lautem Jubel das alte Jahr zu enden und das neue zu erwarten; ich halte es für meine Pflicht Ihnen als altem Brüdermeister die Liste des versammelten Volks zu schikken, um daraus zugleich die neu angekommenen dem Namen nach kennen zu lernen; hier sind sie: Wahl, Faber, Thorwaldsen, Rauch, Böhndel, Wagner, Klumpp, Welker, Arnold, Morell, Jollage, Hopfgarten, Santz, Blaßmann, Eberhard, Neureuter, Dall’armi, die beiden Riepenhäuser, Krälius, Köster, Kauffmann, Schulze ein Schwede kein Künstler, Moller und Vierordt, Architecten, die hier im Hause in Abels Wohnung mit dem Morell hausen. Das Volk war äußerst munter, ohne ausgelaßen zu seyn, und Exceße zu begehen, und nach aufgehobener Tafel, wurden die Tische weggeräumt und ge-tanzt, wo sich noch einige mehr einfanden, die nicht hatten zum Essen kommen können. Sie sehen daß noch mehr fehlten, die aus verschiedenen Ursachen nicht kommen konnten. Vorgestern hatten wir in Thorwaldsens Wohnung ein andres Fest angeordnet, um den Geburtstag des Barons v. Schubart zu feyern, wo wir auch in zahlreicher Gesellschaft den Abend sehr vergnügt zu brachten, und Krälius und Köster vorzüglich durch ihren Gesang und Spiel zum Vergnügen beytrugen. – Link der Vetter ist vor 8 Tagen hier angekommen und schlägt seine Bude hier auf.
Die Opern haben ihren Anfang genommen, es wird Sie vielleicht intereßiren etwas von der Mamseln Häser zu hören; sie hat nicht sehr gefallen, eben so wenig wie die Musik von Meier und man wird nächstens statt dieser eine andere Oper geben, wo die Marcolini, die von ihrer Entbindung schon beynahe hergestellt ist, als prima Donna, und die Häser als seconda auftreten wird; dies ist alles was ich davon weis, Sie wißen, wie wenig mich das intereßirt, und haben vielleicht durch Weinlich mehr darüber erfahren. Das Ballet ist sehr hübsch, und Decorationen und Kleidund beßer und geschmackvoller wie gewöhnlich hier.
Roos hat die Tochter des Apothekers von al Gambero geheyrathet, und sich seine Wohnung eleganter eingerichtet als alle, die es nicht schriftlich beweisen können, daß sie Künstler sind.
Viele unsrer alten Bekannten werden dies Frühjahr Rom verlaßen, zu seiner Zeit werde ich Sie mehr von diesen Veränderungen unterhalten, und erbitte mir dagegen ähnliche Künstlernachrichten von Ihrer Gegend. Rhoden hat seinen wilden Jägeranzug an den Nagel gehängt, alle Jagd-Geräthe theils verschenkt, theils verkauft, und will nie mehr jagen, was Schuld an diesem plötzlichen Entschluß sey, weis niemand.
Canova hat auf der Via Appia graben laßen, und gleich hinter Cecilia Metella eine Statue und ein Barielef [sic] gefunden, nebst mehreren Fragmenten; sie sollen der Sage nach nicht ganz vorzüglich, aber auch nicht schlecht seyn, und man fährt fort zu scaviren.
Da haben Sie alle die Neuigkeiten, die ich mir, und Ihnen habe mittheilen können; jetzt noch einige Worte in Betref Ihres Briefes von Matuszenosky, der wie man sagt in einer Erziehungsanstalt in der Schweiz vielleicht bei Pestalozzi sich aufhalten soll, ich weis nicht ob als

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Erzieher, oder um erzogen zu werden. Rauch legt einige Zeilen mit bey, und wird Ihnen selbst der Gelder wegen schreiben. Ich lege Ihnen hier ein Briefchen für den Landschaftsmaler Friderich den Schwedischpommer mit bey. Sie wißen daß ich von ihm zu fordern habe, und im Fall daß seine Umstände so sind, daß er ein Theil dieser Schuld abtragen kann, wäre dies der leichteste Weg Ihnen Ihr Geld, wenigstens ein Theil davon zu erstatten, weil ich dann hier mit Rauch mich schon verstehen würde. Doch bitte ich Sie, es niemanden, am wenigsten Friderichen selbst zu sagen daß ich Forderung an ihn habe, obgleich er selbst davon gesprochen hat, und ihm nur in dem Falle das Billet zu geben wenn Sie wißen daß seine Umstände so sind, daß er davon abtragen kann, was Sie wahrscheinlich leicht unter der Hand erfahren könnten. Hören Sie aber, daß er nichts entbehren kann, so haben Sie die Güte das Briefchen zu verbrennen, und bestellen ihm bloß viele freundschaftliche Grüße von mir, und wir suchen dann einen andern Weg, auf dem Rauch Ihnen Ihr Geld zahlet. Ihre Aufträge werde ich mit viel Vergnügen besorgen, und erbitte mir deswegen genaue Vorschrift, was und auf welche Art ich es Ihnen senden soll. Einen Theil Ihrer mir zurückgelaßenen Sachen könnte ich vielleicht an Link verkaufen, z. E. den Landschaftsapparat; doch will ich erst darüber Ihre Antwort abwarten, und wie viel ich mir dafür soll geben laßen.
Wahl grüßt Sie sehr, und bittet wenn es möglich wäre ihm die Perlen nach Kopenhagen zu besorgen. An Matthäi bitte ich von mir viele Grüße zu bestellen, und mich zu entschuldigen, daß ich ihm noch nicht auf seinen Brief geantwortet habe, was aber nächstens geschehen wird; das Gerücht als ob er im Frühjahr wieder nach Rom kommen würde, scheint nicht gegründet zu seyn. Erzählen Sie mir doch wie es ihm geht, und wie die Künstler es in Dresden treiben. Ihrem Herrn Vater bitte ich mich zu empfehlen, und bey Weißens, mich in Erinnerung zu bringen so wie bey allen, die sich meiner noch erinnern. Sie Selbst hoffe ich werden mich nächstens durch einen recht langen Brief erfreuen, und mir recht viel erzählen. An Pochmann, Rösler, Veith u.s.w. recht viele Grüße von mir. Was macht Kamp? Haben Sie ihn noch nicht als Schwager anerkant?
Leben Sie glücklich lieber Graff. Denken Sie fleißig an Ihre Freunde in Rom oder noch beßer kommen Sie bald wieder zu uns. Das Volk grüßt Sie freundschaftlich, vorzüglich aber

Ihr wahrer Freund
JLLund.

Arkivplacering

Den Hirschsprungske Samling

Thiele

Ikke omtalt hos Thiele.

Personer

Kommentarer

  1. Dvs. Lunds tilbagekomst fandt sted medio december 1807.

  2. Dvs. Lunds maleri Andromache i afmagt ved synet af Hektors lig, 1807,
    Den danske ambassadørs bolig, Rom.
    Læs mere om maleriet og den engelske konfiskation af det i Lunds biografi.

Sidst opdateret 22.02.2026