The Thorvaldsens Museum Archives

 
No. 3471 of 10246
Sender Date Recipient
Johan David Weber [+]

Sender’s Location

Venedig

Information on sender

Rødt laksegl.

26.5.1824 [+]

Dating based on

Dateringen fremgår af brevet.

Bertel Thorvaldsen [+]

Recipient’s Location

Rom

Information on recipient

Udskrift: Al Nobilissimo / sigr Cavaliere / Thorwaldsen / Profs Profs di / Scoltura / a / Roma.

Abstract

The commentary for this letter is not available at the moment.

See Original

An den WohlEdeln
Herrn Ritter
von Thorwaldsen!

Ihrer gütigen Aufnahme vertrauend, habe ich mir die Freyheit genommen Ihnen mittelst hiesigem Hr. Hartmann 1. Käste m Cu. Zs. franco zuzusenden worinn sich des Gyps=Abguß eines antiquen Juno=Kopfes befindet, welches mir hier zufällig der gute Genius der Künste, wie Sie wahrscheinlich schon aus dem Kunstblatte No 23 & 35: 1824 ersehen haben werden zugewandt hat – Materie, Stiel, Behandlung des Marmors, Stellung, und Handlung liessen mich [tilføjet som note: zufolg der genau copirten Carreys’chen Zeichnung welche ich durch Güte des Herrn Boisseré’s besizze] schliessen, daß dieser der ehemals rechter Hand anzusehender Ersten weiblichen Statue des westlichen Mitteltheils des Giebels am Parthenon zugehörte, und aus der Nachforschung wegen dem Eigenthümmer der diesen Kopf vor ca. 150. Jahren in sein Palais hier einmauern ließ, erklärte ich mir wie dieselbe vom Parthenon bey Abführung der Löwen des Arsenals gleichzeitig hirherkam. Ob das Aufsehen welches mein Fund machte, ob Neid oder was immer für ein Grund die Obrigkeitliche Beschlag=Nehmung meines rechtlich vom dem Bildhauer Ferrari erkauften Eigenthums zur Folge brachte, kan ich nicht entscheiden – Soviel erfuhr ich nur, daß der marmor aus 3ten. Hand von Zandomeneghi herkam, welcher sich nun weiter wegen seiner Unachtsamkeit rechtfertigen mag! Sollte ich wie ich mir schmeichle mein Urtheil durch Ihre Beystimmung bekräftigt sehen dann werde ich mich um so glüklicher schäzzen, und es allen anderen Ansichten von Kunstfreunden und Kennern obenansezzen!
Den etwas vorspringenden Gyps=ristauro der Nase und der Lippen habe ich im Abguß wiederholen lassen, damit Künstler solchen nach eigener Einsicht leichter reformiren könnten – In dem nächsten im Kunstblatt erscheinenden Kupferstich, ließ ich den Ristauro (ihn) nach meinem Geschmak zeichnen, und mein Freund Schorn gewährte demselben eine sehr günstige Aufnahme.
Ich schliesse indem ich Sie um Verzeihung meiner Freyheit bitte, und Sie von den Gesinnungen reinster Hochachtung so wie von meiner Dienstfertigkeit zu versichern die Ehre habe

Venedig 26. May 1824
Ew. WohlEdeln ergebenster Diener
J.D. Weber, Kaufmann

[Tilføjet i margen:] Unter dem Hals des marmors zeigt sich ein reiner Absprung vom Kumpfe, und keine Spuren ehmaliger Ansezzung. Die Hinten am Scheitel mangelnde Stükke sind hier von einem Künstler zu Untersuchungen!! abgesschlagen worden.

Archival Reference
m9 1824, nr. 41
Last updated 06.08.2013 Print