The Thorvaldsens Museum Archives

 
No. 1216 of 10246
Sender Date Recipient
Carl Ritter [+]

Sender’s Location

Rom

Efter 20.1.1813 [+]

Dating based on

Dateringsbegrundelsen er under udarbejdelse.

Bertel Thorvaldsen [+]

Recipient’s Location

Rom

Information on recipient

Ingen udskrift.

Abstract

Kommentarerne til dette brev er under udarbejdelse.

See Original

Die Mutter wünscht ihrem Sohne der in der Blüthe seiner Jahre, er war 21 Jahr alt (geboren am 18ten Dec und gestorben am 20sten D. 1813), durch ein bösartiges Nervenfieber in 6 Tagen hinweggerafft wurde, ein einfaches Denkmal zu setzen. Sie wünscht es durch die Hand Thorwaldsens, den sie als Mensch und als Künstler schon seit langem hoch ehrt, weil nur die Vereinigung des Würdigen und Schönen im Denkmal auf das Ruhestätte ihres inniggeliebten Sohnes, ihr als dessen würdig und für ihren Schmerz mildernd erscheinen kann. Ihr erstes Schmerz bei der Nachricht erlaubte ihr nicht sich bestimmt über die Art des Monumentes zu äußern, aber sie bat mich in ihrem Sinne den ich kenne und in Bezug auf den Entschlafenen, den ich väterlich liebte, an dieses Monument zu denken und mich zu berathen. Ihrem jüngere Sohne schreibt sie, daß auf dem Steine durch wenige Worte bezeichnet werde, daß der Entschlafne brav und gut im edelsten Sinne war
Diese Andeutungen mir vergegenwärtigend und vergleichend mit dem Platze der Grabstätte und den örtlichen Umgebungen, schien es mir am gerathensten das Denkmal als ein [einen] Stein zu behandeln mit Basrelief und Unterschrift, der aufrecht an die Wand gelehnt ist; zu beiden Seiten stehen grünende Cypressen und ein Orangenbaum. Um das Maaß des Platzes nach Breite und Höhe zu erfahren, habe ich sogleich nach Livorno an Prediger Schulthessius geschrieben. Bisher ist in dieser Grabstätte des Dänen Holländer und Deutschen kein freistehendes Monument errichtet worden, und wie es scheint hat man diese absichtlich in den sogenannten Kirchhof des Engländer verlegt; hier nur einfache Leichensteine angebracht. Ein solcher Leichenstein, durch seine Form und ein bedeutungsvolles Basrelief geschmückt, ohne Ansprüche auf äussere Pracht, sondern nur ruhrend durch seinen innere Gehalt und zu dem Höhere dem einzigen Tröster hinleitend, würde ganz dem Sinne der Mutter entsprechen, die weniger dadurch die Aufmerksamkeit des Vorübergesenden erragen, als das Andenken des Entschlafenen würdig und in das Stille feiern möchte.
Ein Genius mit umgekehrter Fackel als Symbol des Todes, eine trauernde Mutter, eine Tochter, die sie tröstend, doch mit ihr um den Entschlafenen weint; ein Jüngling, der einzige Sohn, die Stütze der Mutter, der hoffnungsvoll der Mutter unterstützt [x]ru[xxxxxxxx]t einen Kranz von Eichenlaub tröstend auf- oder emporhält um das stille Verdienst, die Biederkeit des Entschlafenen zu bezeichnen, u.s.w. Dieß war meine erste Idee zu einem Basrelief die dem Künstler nur den Hauptsinn andeuten soll, ohne im geringsten die seinige zu beschränken.
Hier einige Erläuterungen.
Der Entschlafene heißt: Philipp Bethman Hollweg, geboren zu Frankfurt am Main und gestorben in Florenz; er hatte den letzten Winter in Rußland verlebt; das Clima sagte ihm nicht zu und die Ärzte rathen ihm den nächsten Winter im milden Italien zuzubringen, und gerade da starb er, nach dem er kaum seit einem Monathe den Boden Italiens betreten hatte. Er war in der letzten Zeit heiterer und wohler als vorher; bis ihn die Krankheit wie ein unerbittliches Wärgengel mit unglaublicher Schnelligkeit hinwegriß. Er war schön gebaut und hatte ein rüstiges Ansehn. Bei seinem Aufenthalt in den Bädern zu Baaden bei Wien, brach in diesem Herbste eine fürchterliche Feuers Brunst aus, die den ganzen Ort in Asche legte. Er zeichnete sich durch seinen Muth und durch seine Theilnahme während der Noth und durch seine Unterstützung der Verunglückten so aus, daß ihm der Kaiser ein eignes Danksagungsschreiben dafür ausfertigen ließ. Diese Handlung wobei er selbst Lebensgefahr nicht schaute, wünschte ich, ohne weiter sie zu ruhmen oder zu nennen, nur symbolisch durch der Eichenlaub anzudeuten: er hatte zugleich ächt deutschen Biedersinn.
Die Mutter, zwischen 40 und 50 Jahren, liebte ihren Sohn auf das zärtlichste; sie wird ihn bis zum Grabe im Stillen beweinen; doch hat sie Kraft den Verlust mit Seelengröße und mit Würde zu tragen; sie hat 2 Töchter, beide verheirathet und schöne Mütter rüstiger Kinder; die eine Tochter ist älter, die andre jünger als der entschlafene Bruder; die ältere eine edle Frau im schönsten Sinne, mit griechischer Gesichtsbildung, die jüngere voll Leben und Jugend.
Der einzige noch lebende Sohn, ist das jüngste der drei Geschwister, 17 Jahr alt; er widmet sich den Wissenschaften, und bereisete Italien in Gesellschaft seines ältere Bruders den er in Florenz verlas. Erst seit wenigen Monaten lebte er nach langer Trennung wieder mit ihm vereint, als sie beide auf immer getrennt wurden
Dieser Denkmal setzt die Mutter dem Sohne aus weites Ferne; die reinste Mutterliebe vermag sie dazu; ihr eignes Sinn ist ernst, einfach, edel. Die Worte zur Unterschrift haben wir noch nicht gefunden; vielleicht würde das Basrelief mehr sagen als die Worte, die wohl höchstens nur als Concentrirung des Ganzen auf eine Idee betrachtet werden müssen, und daher in keinen Bezug mit das Symbolischen Andeutung des Kunstwerks, gleichsam erklärend, stehen könnten. Ich denke mir sie etwa so, wie auf antiken Sarkophagen in Verbindung gestellt mit dem Nahmen des Entschlummerten.
Dieß sind die wenigen Bemerkungen die ich Ihnen, Verehrtester, mitzutheilen hätte; alles was Ihnen noch wissenswerth wäre würde ich gern hinzufügen. Meine fernen Freund werden sich erheiteren bey dem Gedanken daß Sie die Ausführung dieses Denkmals übernehmen.     Mit

inniger Hochachtung und Ergebenheit
C. Ritter

Archival Reference
m3 1813, nr. 11
Last updated 17.02.2012 Print