Hochgeehrter Herr!
Ich schätze mich für den glücklichsten, daß ich von dem gütigen Erlaubniß, Ihnen schreiben zu dürfen, einen Gebrauch machen kann – dieß zu thun, hielt ich schon längst für meine Schuldigkeit, wovon mich bis jetzt bloß dem einzige Umstand zurückgehalten, daß ich Willens war abzuwarten, bis das Werck Ihrer wehrthesten Hände nämlich dem bewußte Christus und die mir gnädigst zugesprochenen drey Gracien hier angelangt wären, um die Ueberraschung und den Eindruck, den diese Wunderwerke auf unsere Kunstverehrer machen werden, Eurem H[och]wohlgebohrnen mitzutheilen – Da ich aber durch diese zu lange Zügern nicht in dem Lage bin, von Ihrem mir so theueren Gesundheit Kenntniß zu haben, so beeile ich mich mit meinem Schreiben um so mehr, als ich dadurch die angenehme Hoffnung gewinne, mit Ihrem hochgeschätzten Antwort beglückt zu werden.
Vor meinem Abreise hatte ich vernommen, daß Ew Wohlgebohren auf einige Zeit in Ihr Vaterland zu reisen gesonnen wären; – es ist mir nun sehr davongelegen auch unterrichtet zu wissen, ob Hochdieselben von dahin zurückgekehrt sind, um dann, wenn Sie gütigst erlauben, mit einem, mit vieler Mühe ausgeführten Stück Ihnen mein Hochgeschätzter Herr dienen zu können, worin Sie mehr Fleiß als Geschicklichkeit wahrnehmen werden, welches Sie als Beweis meinem gränzenlosen Hochachtung für Ihnen, anzunehmen, geruhm wollen.
Die unbeschränkte Menschenfreundlichkeit, die Ihnen Hochgeehrter Herr dem als Unterstützer und Beförderer der schönen Künste höchst eigen ist, erkühnt mich, Sie mit einer Bitte zu belästigen, von der ich schon in meinem Schreiben an H. von Reinhart erwähnt habe; – es ist nähmlich meine Bitte, daß Euren HGeb. durch Ihren großen Einfluß, gnädigst bewirken wollen womit mir ein Patent, als Mitglied der Akademie des H. Lukas zu Theil werden könnte, welches hier mein Glück befördern und gründen könnte – Vergeben Sie gütigst dieser meiner Freyheit, denn Ihre erwiesene Freundschaftlichkeit hat mich hiezu bewogen –
Indem ich mich Ihrem ferneren Andenken empfehle und um die gnädige Wollfahrung meiner Bitte ersuche, habe ich die Ehre mich zu zeichnen
mit Ehrfurchtsvoller Hochachtung Eurem Wohlgeboren |
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ergebenester diener | |
Krakau 10/12 1835 | Johann Nepomuk Glowacki |