The Thorvaldsens Museum Archives

 
No. 5761 of 10246
Sender Date Recipient
Jacob Jahn [+]

Sender’s Location

Kiel

Information on sender

Rødt laksegl med knapt tydeligt aftryk af søjle, som et skjold læner sig op imod m.m.

3.2.1832 [+]

Dating based on

Dateringen fremgår af brevet.

Bertel Thorvaldsen [+]

Recipient’s Location

Rom

Information on recipient

Udskrift: Se. Hochwohlgeboren / den Herrn Etatsrath u Professor / Thorwaldson, Commandeur u Ritter & / d.E.[?] in Rom

Abstract

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See Original
Duplicat. Hochwohlgebohrner
Höchstgeehrtester Herr Etatsrath


Das Interesse eines Vaters wird mich entschuldigen, wenn ich mir erlaube diese Zeilen an Eu. Hochwohlgebohren zu richten. Es ist wahrlich nur das herzlichste innigste Gefühl, welches mich treibt, Ihnen zu sagen, wie dankbar ich Ihre gütige Theilname an meinen Sohn, die herrliche Gelegenheit, die Sie ihm gegeben unter Ihren Augen u ihrer Leitung sich in seiner Kunst fortzubilden, anerkenne.
Mein Herr, ich bin ietzt 61 Jahre alt, Vater von 6 Kindern, denen ich u meine Frau gelebt; mein Adolph ist der älteste Sohn. Es sind alles gute Kinder, mit grössere oder geringere Anlagen; das Künstlerfach ist ein schwieriges; Mancher ängstliche Blick in die Zukunft machte mich für ihn besorgt; Seine Moralität war mir ergrobt; aber wird auf dieser schwierigen Laufbahn durchbrechen ? wird es ihn gelingen die Mittelmässigkeit zu überflügeln ? mit einer gewissen Thätigkeit sich in seinem Fache fortzubilden ? unter der Leitung ausgezeichneter Männer. Wie Manches hängt hiebei von Zufallen ab! Jetzt bin ich für seinen Zukunft ruhig, u dieß Gefühl, das seegenvollste, welches Ältern zu Theil werden kan, verdanke ich Ihnen. Jeder seiner Briefe drückt seine Dankbarkeit für Sie aus u das Glück in Ihnen den grossen Künstler u menschenfreundlichen Mann gefunden zu haben, der sich seiner väterlich annimmt. Mögten Sie, werthgeschätzter Herr Etatsrath, fortfahren, in dieser edlen Gesinnung u einige Belohnung in der Überzeugung finden, nicht bloß in dem Glücke eines jungen Mannes, sondern einer ganzen dankbaren zahlreichen Familie beigetragen zu haben.
Als patriotischer Däne, als Verehrer unsres herrlichen Königs, stehen wir uns auch ohne Zweifel nahe. Wehmässig war es mir, als er diesen Sommer die Herzogthümer bereißte, merkliche Spuren seines zunehmenden Alters wahrzunehmen. Die politischen Aufregungen, welche grade ietzt vor einem Jahre durch die pariser grosse Woche in Kiel Statt fanden, u hie u da Sympathie fanden, nahmen bei einer so besonneren u ruhigen Nation, wie die unsrige, wo der Kern von Geist u Bürger u Wohlstand noch kräftig ist, einen ganz andere Character an. Jeder Besonnene mußte sich sagen, daß vom Könige an, alle hohen Beförder vom Geiste der Humanität beseelt sind, u was etwa zu tadeln sein mögte, auf einen gutmüthigen Schlendrians ganz u Collegien-Geist hinausläuft, wodurch Manches in seinem raschen Gang zum Bessere aufzuhalten werde. Aber Mängel der Art reichen nicht hin, um Barricade zu errichten, u einem König entgegen zu treten, den jeder Unterthan, ich mögte sagen, ohne Ausname als sienen Vater liebt. Doch hat jene Aufregung die gute Folge gehabt daß nun auch hier ständische Verfassungen eingerichtet werden sollen, u zwar für Dännemark u jedes Herzogthum besonders als freier Ergebniß des Königlichen Willens.
Meine Frau, eine viel emsigere Correspondentin als ich, wird meinen Adolph von Zeit zu Zeit von den Tagesangelegenheiten, namentlich den Fortschritten der Cholera näher unterrichten, die bis ietzt nah u Hamburg stehen geblieben ist, aber seit ihrer Nähe die Phantasie weniger beängstigt u immer mehr den Character der Furchtbarkeit werliret.
Getrosten Muths drücke ich Ihnen, werthgeschätzter Herr Etatsrath nochmahls die Hand. Was u wie auch mein Loos sei, bis zum Grabe bin ich I

Kiel d. 21e. Oct. 1831. Ihr dankbar
J. Jahn.


Zu meinem grösten Erstaunen erfahre ich von meinem Sohn, daß obiger Brief nicht in Ihre Hände gekommen, also verlohren gegangen sein muß. Es ist mir nicht gleichgültig den Gedanken einer solchen Verspätung meines Dankgefühls erregt haben zu können. Daher wähle ich den Weg der Absendung obige Duplicats, dem ich nur noch hinzufüge, daß seit dem Ablauf von reichlich 3 Monaten keine wesentliche Veränderungen im lieben Vaterlande vorgegangen sind, u namentlich dir Cholera nicht allein Hamburg so gut wie ganz verlassen, sondern auch die Herzogthümer gar nicht berührt hat, so daß wir ietzt ohne alle Furcht sind.
Nochmahls sei Ihnen mein Sohn angelegentlichst empfohlen, so wie Ihr

Kiel d. 3e. Febr. 1832. Gehorsamster
J. Jahn.
Archival Reference
m17 1832, nr. 15
Persons
Adolph Moritz Jahn
Last updated 10.05.2011 Print