The Thorvaldsens Museum Archives

 
No. 2343 of 10244
Sender Date Recipient
Johann Baptist Bertram [+]

Sender’s Location

Stuttgart

22.8.1819 [+]

Dating based on

Dateringen fremgår af bogen, hvori brevet er trykt.

Sulpiz Boisserée [+]

Recipient’s Location

Wiesbaden

Abstract

Thorvaldsen has spent a week in Stuttgart with J.L. Lund in order to study the collection of art built up by Bertram and the Boisserée brothers. It has created quite a sensation in the town that he has studied the works every day and spoken about them to a large gathering, but an even greater sensation that he and Lund have copied them in order to collect compositions etc, for their own works. A a dinner party, Thorvaldsen has declared that he has not seen a finer collection so far on his journey from Rome.

Stuttgart, 22. August 1819.

Verflossene Nacht ist Thorwaldsen von hier abgereist, nachdem er acht Tage sich wegen unserer Sammlung hier aufgehalten. Dieser Aufenthalt, sein tägliches langes Verweilen vor unsern Bildern, seine Aeußerungen darüber vor einer Versammlung von einigen hundert Menschen, haben, wie Du Dir denken kannst, die größte Sensation gemacht. Nichts aber hat die Leute so frappirt, als daß er und sein Begleiter Professor Lund aus Kopenhagen nach den Bildern gezeichnet, wie Thorwaldsen sagte: um Studien zu machen zu Motiven für Composition, Gruppirung, Stellung und Drapperie; nun denke Dir, Thorwaldsen der nach unsern Bildern de facto studirt! Ich werde dann nicht nöthig haben, Dir seine Aeußerungen zu wiederholen. Dannecker sagte einmal: ich will ein Hundsvott seyn, wenn diese Kunst in der Hauptsache nicht dem Höchsten in der Antike gleich steht. Thorwaldsen erwiederte lächelnd: was bedürfen wir des Vergleichs mit der Antike, stellen wir diese Kunstwerke neben die Natur selbst hin, so haben wir den höchsten und einzigen Maßstab.
An der Tafel bei der Frau Herzogin Louis hat er versichert, von Rom bis hierher, durch ganz Italien habe ihn nichts so mit Bewunderung erfüllt und als Künstler nichts so beschämt wie unsere Bilder, die Hoheit ist darüber so in Erstaunen gerathen, daß sie sich gleich durch Dannecker bei uns hat ansagen lassen. Cotta war beinahe alle Tage gegenwärtig.
Thorwaldsen erzählte uns, er habe eine Statue der Hoffnung gemacht, mit Modifikationen im ernsten strengen Styl der Aegineten ; gerade diese Figur frappire das Publikum unter seinen Arbeiten am meisten, so sey es auch recht, wenn man im Leben auf ein großes Ziel losgehe, so schwanke man nicht rechts und links nach einer angenommenen Schönheitslinie, sondern man gehe gerade aus und stehe ohne Schwanken und Schweben fest auf seinen Füßen da. –
Wir hoffen, daß Du ihn noch begegnest, er geht auf unsern Rath nach Köln. Sonnabend war er bei uns zu Tisch, mit Dannecker, Cotta, Rapp und dem Dr. Lindner. Nach Tisch sah er Dein Domwerk.
[…]

General Comment

Dette er en afskrift af brevet trykt i M. Boisserée, op. cit. Det originale brevs opholdssted kendes ikke.

Other references

  • Mathilde Boisserée (ed.): Sulpiz Boisserée, Vol. I, Stuttgart 1861, p. 368-369.

Subjects
The Boisserée Brothers' Collection of Art · Journey to Denmark, July-October 1819 · Thorvaldsen on His Own Art · Thorvaldsen's Restoration of the Sculptures from the Temple of Aphaia
Persons
Johann Friedrich Cotta · Johann Heinrich von Dannecker · J.L. Lund · Gottlob Heinrich Rapp · Bertel Thorvaldsen
Works
Last updated 20.03.2020 Print