The Thorvaldsens Museum Archives

 
No. 3863 of 10246
Sender Date Recipient
Theodor Wagner [+]

Sender’s Location

Rom

11.12.1825 [+]

Dating based on

Dateringen fremgår af brevet.

Johann Heinrich von Dannecker [+]

Information on recipient

Ingen udskrift.

Abstract

Kommentarerne til dette brev er under udarbejdelse.

Rom d. 11. Dez. 25.

Verehrtester Lehrer!

Noch nicht acht Tage waren verflossen, nachdem ich meinen lezten Brief an Sie abgeschickt hatte, als ich den werthen Ihrigen vom 20 und 23ten vor: Monats erhielt. Ich will daher Ihnen meinen tiefsten Dank sagen, für den herzlichen Antheil, den Sie an dem von Sr. Maj. mir bestimmten Glücke nehmen. Ich erhielt dadurch einen an Sie gerichteten Fragen, eher beantwortet als Sie deren Inhalt erfuhren, und auf eine Art, die ich nicht erwarten konnte, [XXX]ch verdiene, und die das bisher gehegte Gefühl der Dankbarkeit gegen meinem gnädigen König und gegen Sie meinen verehrten Lehrer für immer erhöhen muß. Ich kann mir keinen schönern Auftrag denken, als das Schönste aus dem Alterthum zu kopieren, indem ich so mit Gewißheit hoffe, nach Vollendung dieser Arbeit Ihnen mit mehr Vortheil beizustehe, und überhaupt glaube, nachher Etwas Besseres als bisher zu leisten.
Ich lege Ihnen nun Ihrem Wunsche gemäß mitfolgende Skizze bey. Erstens die Kolossen von Monte Cavallo wie sie jezt aufgestellt sind, und Zweitens einen so, wie die meisten Künstler neuerer Zeit übereingekommen sind, daß sie stehen sollten indem sie glauben, daß die Pferde verwechselt seyen, was auch aus verschiedenen Stützen hervorzugehen scheint. Hierüber werden Sie übrigens Selbst am besten entscheiden, was das Zweckmäßigere ist. Auch folgen hiemit Castor u. Pollux vom Capitol. Diese stehen freilich in Hinsicht der Komposition und Ausführung, wie Sie Selbst erinnern werden, weit unter jenen, und besonders scheinen die Verhältnisse verfehlt. Obgleich sie Winkelmann für Kunstwerke aus früherer Zeit hielt, so scheinen sie doch mehr aus der Zeit des Verfalls der Kunst herzurühren.
Was die Ausführung der Kolossen von Monte Cavallo in Stein betrifft, so zweifle ich fast, daß sie, wegen der vielen freistehenden Theile, besonders an den Pferden; in diesen Masse lange Wind und Wetter trotzen würden, und bitte Sie deßwegen, zu überlegen, ob es nicht vielleicht gut wäre, Sr. Maj. vorzuschlagen, ob Sie nicht solche aus gewöhnlichem caraeischem Marmor (marmo ordinario) fertigen lassen wollten. Wir sehen hier gegenwärtig in den Studien von Thorwaldsen und von Byström kolossale Statuen in demselben ausgeführt, und es ist nur eine Stimme darüber, daß er zu Werken in diesem Maaßstabe besser paße, als der weiße (statuario)[.] Hauptsächlich macht in diesem Alles mehr Effekt, und er ist nicht den Zufälligkeiten von Stichen und Flecken unterworfen wie jener, während er in unserem Klima auch nicht so durch Frost und Regen leidet. Der Preiß dieses Marmors ist weniger als die Hälffte des andern, er ist so groß als man will und sogleich zu haben, und wenn ich die Gruppen in Carara ausführen könnte, würde, wie Ihnen bekannt ist, in allen Theilen noch bedeutende Ersparniß getroffen werden können, so daß vielleicht die Summe zwar der Ausführung in Stein nicht weit überstiege, wofür mann besserer Ausführung und längerer Dauer der Statuen gewiß seyn könnte.
Was nun die Ausarbeitung der Modelle anbelangt, so wird diese wohl mit Schwierigkeiten verbunden seyn, indem sie nur auf folgenden zwey Weegen möglich ist. Ich müßte entweder die Erlaubniß erhalten, sie in einem die Gruppen umgebenden päpstlichen Pallast zu modelliren, von wo aus es wegen der Entfernung wohl nicht genau geschehen könnte, oder man müßte auf dem Platze ein Bretterhaus errichten, wozu die Erlaubniß vielleicht noch schwieriger zu erhalten wäre und was auch bedeutende Kosten verursachen würde. Da ich mich aber erinnere, daß Sie schon längst Sr. Maj. vorschlagen wollten, einen Abguß der Kolossen für den königl. Anticken Saal zu acqueriren, so dachte ich, ob sich diese Acquisition nicht mit dem Auftrage des Königs vortheilhaft verbinden ließe. In Rom existirt zwar keine Form und nur in England ist die Form von dem einen, wovon dort ein Abguß für 500 Pfund verkauft wird. Hier würde mann für beyde Formen und Abgüße nur 1800 röm. Scudi bezahlen, da aber die Formen doch schwerlich weiter dienten, so wäre es zweckmäßiger, einen sogenannten Calco di cera zu machen, auf welche Art mann als dann beide Abgüsse für 1200 Scudi erhielte, und den Vortheil dabey hätte, daß die 12 Fuß sehr beqvem, hiernach in Stein oder Marmor ausgeführt, besser ausfallen müßten, als nach Modellen vom besten Meister, und wären die Kopien vollendet, so könnte die Abgüsse dem Anticken Saal als seine schönste Zierde die ihm noch abgeht, beigegeben werden.
Nun würden freilich noch die Pferde fehlen, die auf alle Fälle modellirt werden müssen, da sie sehr restaurirt und überhaupt von geringerem Werthe sind. Die beste Art sie gut zu machen, wäre vielleicht, auf dem Platze eine kleine Kopie zu modelliren und sie hernach mit Beihülfe der besten antiken Fragmente und Statue im Attelier in derselben Größe zu modelliren, in der sie ausgeführt werden sollen. Auch würde mir hiebey in Ermanglung Ihres Raths gewiß Thorwaldsen gerne beistehen, der selbst gerade jezt ein schönes kolossales Pferd vollendet hat.
Verzeihen Sie meine freimüthige Ausserung, die ich Ihnen, als Bemerkung, welche mir bey der Betrachtung der Gegenstände hier am Orte selbst einfiel, mitzutheilen für nothwendig fand. Ihrer bessere Einsicht stelle ich es anheim, solche zu prüfen, und erwarte Ihre fernere Mittheilung über den Beschluß unseres gnädigen Königes!
Die Genehmigung meines Vorschlags wegen dem Christus am Kreuze, machte mir viele Freude und ich vollende nun mit doppeltem Eifer das Modell, woran ich noch gegen 14 Tage zu thun haben werde, um sagen zu können, ich kann es nicht mehr besser. Es wird alsdann sogleich gegossen werden und die Stuttgarter Silber Arbeiter sollen sich gewiß über nichts zu beschweren haben. Ich erhob bei Torlonia an der Summe 340 st wovon mir der theure Banquier 16 st abzog. H. Stadtpfarrer Dann bitte ich Sie mich herzlichst zu empfehlen.
Zwerger habe ich die Beilage sogleich übergeben, und schliesse Ihnen hiemit die Antwort darauf ein.
H. Gegenbauer haben Ihre Grüße sehr gefreut, er wird vor einigen Tagen sein Bild abgeschickt und an Sie geschrieben haben. Sie werden bey diesem Bilde mit Vergnügen die großen Fortschritte die er gemacht hat wahrnehmen.
H. Baun vom dem ich wie Sie mir sagen, bald einen Brief zu erwarten habe, wie auch Lauterbach u. Carl grüße ich vielmal.
Ihnen wie auch Ihrer lieben Frau danke ich nochmals herzlichst für Ihre Theilnahme an meiner Schicksale und empfehle mich stets Ihrem gütigen Andenken und Wohlwollen.

Ich bitte Sie noch höflichst
Herrn Oberst Hofmeister v. Seckendorff
meinen unterthänigsten Respekt
zu melden.

Ihr gehorsamer Schüler
Theodor Wagner

Archival Reference
Württembergische Landesbibliothek, Nachlass Danneckers, Cod.hist. 2o 750, 90
Persons
Joseph Anton Gegenbaur · Johann Nepomuk Zwerger
Last updated 29.10.2012 Print