Arkivet, Thorvaldsens Museum

Kommentar til 1874 (1818-23)

[Publisher’s note in the text:]
Die Mittheilungen Louise Seidlers über Thorwaldsens Beziehung zu Fanny Caspers, welche den Vorzug genauester Bekanntschaft mit dieser letzteren für sich geltend machen können, haben außerdem noch deßhalb Werth, weil sie die irrige Darstellung seines dänischen Biographen berichtigen, zufolge deren auf Thorwaldsens Charakter ein tiefer Schatten fällt. Just Mathias Thiele in seinem “Leben Thorwaldsens” (deutsch von Henrik Helms) sagt (I, 344 ff.) Folgendes: “Eine andere Francesca, eine schöne lebhafte — erin, war in Begleitung einer reisenden Familie nach Rom gekommen, die Thorwaldsens Bekanntschaft gemacht und ihn in ihre gesellschaftlichen Kreise gezogen hatte. Diese Dame, die zwar nicht mehr in blühender Jugendfülle dastand, ist uns als eine sinkende Herbstsonne geschildert, aber von dem ganzen entzückenden Schimmer des Abendhimmels umflossen. Aus ihren Briefen ersehen wir, daß sie Thorwaldsen leidenschaftlich geliebt hat, und durch den Glanz ihrer Schönheit zog sie ihn so ganz und gar von seiner Bahn ab, daß er, wenigstens einige Zeit, diesem strahlenden Himmelskörper als Trabant folgen mußte. Denn unser Künstler schien von nun an alle Rücksichten aus den Augen zu lassen, und den Kranz, den in einer Gesellschaft ein Kreis von Bewunderern um sein Haupt wand, drückte er begeistert auf ihre reichen Locken und jubelte bei ihrem Anblick, während sein guter Genius sich weinend abwandte. Dies Betragen des großen Künstlers betrübte seine Freunde, und selbst bei Denjenigen rief es Bedauern hervor, die keine Freude an seiner Verbindung mit Miß Mackenzie empfunden hätten. Von den gemeinschaftlichen Freunden trat endlich eine vornehme englische Dame dazwischen und forderte im Namen ihrer Landsmännin Thorwaldsen eine bestimmte Erklärung ab. Die Folge hiervon war, daß Miß Mackenzie am 2. Mai 1819 Rom verließ. Die zweite Francesca genoß nicht lange ihren traurigen Triumph, Thorwaldsen schien wie aus einem unheimlichen Traume erwacht zu sein und dachte jetzt nur daran, selbst Rom zu verlassen.” — Brøndsted war, einer Notiz seines Tagebuchs zufolge, “Thorwaldsens wegen recht herzlich froh über das Scheitern der Verbindung mit Miß Mackenzie; sie hatte zwar Bildung und viele, vielleicht zu viele Kenntnisse, aber kein Naturell, keine Blume, keine heitere Mittheilung; sie hätte ihn zu Tode ennnyirt.” Louise Seidlers Erzählung des Sachverhalts dürfte der Wahrheit am nächsten kommen und somit das Verdienst einer Ehrenrettung des großen Künstlers für sich in Anspruch nehmen können. — Vergl. auch “Ein Engländer über Deutsches Geistesleben im ersten Drittel dieses Jahrhunderts”, S. 99 und 100. Das in der Anmerkung auf S. 100 erwähnte “Manuscript des Aufenthalts einer Künstlerin in Rom” ist dasjenige Louise Seidlers.

Sidst opdateret 15.01.2018