Franziska Caspers
Wien
Rødt laksegl med utydeligt aftryk. Poststempler: WIEN og [xxxxxx xxxxx xxxxx]P.A. 29. Dec:
Charlotte Thierry
Hamburg
Udskrift: De Vienne / A Madame / Madame Charlotte Tieri / née Godeffroy / à / Hambourg / In der Katharinen / Gasse wohnend.
Dateringen fremgår af brevet.
Kommentarerne til dette brev er under udarbejdelse.
Wien den 17 December 21
Tausend Dank meine inniggeliebte Lotte – für Dein sehr hübsches – liebes, freundliches Geschenk – Leider hat Herr Georg ParischI mir nicht die Freude gemacht – es selbst zu bringen – gewiss ahndete ihn vor den vielen Fragen, mit denen ich ihn würde bestürmt haben – es hätte ein unendliches Interesse für mich gehabt – jemand zu sprechen – der Dich so kurz vorher sah! Welch herrliche Aussicht eröffnest Du mir, meine liebe liebe Lotte – ich soll Dich vielleicht im Frühjahr sehn – O! lasse dieses vielleicht zur schönen Gewissheit werden – komme ja zu mir – u ziehe dann nach dem göttlichen Süden, wohin auch mich heisse Sehnsucht zieht – doch die Finanzschickungen vernichten jede Aussicht u Hoffnung – u ich will Dir alle Freuden wünschen u weisen denen ich so gern entgegen gegangen wäre. Ich sprach neulich auf einem Ball auch einen Herrn der Dich kennt – doch nicht genau – aber es freute mich doch, Herrn von HessII aus Hamburg – er war auch kürzlich in Italien u noch ganz entzückt u trunken von allem schönen u herrlichen jenes classischen Bodens – doch scheint er mir in der Kunst etwas profan – Dort sprach ich auch Deine Cousine Godeffroy u die sehr hübsche Frau von Schwab – die ich zum erstenmal sah – u die sich gleich herzlich an mich anschloss – weil sie mich durch Sophie MedemIII kannte, die sie sehr zu lieben scheint. Sage der guten Sophie doch ja recht viel von mir – u auch von meiner Schwester, die sich schon so oft vornahm ihr zu schreiben – ohne es, wie ich glaube, bis jetzt ausgeführt zu haben – sage ihr dieses sey immer Gesellschafts Dame bei einer blinden Comtesse – Mirezet[?] – u es gehe ihr in ihrer Lage recht gut, nur sey ihre gesundheit sehr schlecht –
Es ist mir leid dass ich nicht wusste dass Herr von RumpfIV nach Hamburg reiste – ich hätte ihm etwas für Dich mitgeben u ihm tausend mündliche Dinge auftragen können. Wenn Du mal Gelegenheit findest liebe Lotte – so schicke mir doch einen recht schönen englischen Schwal – doch höher als 10 Ducaten kann ich mich nicht einlassen – Schwarz oder dunkelblau hätte ich ihn am Liebsten. Ich werde die Auslage augenblicklich an GodeffroyV hier erstatten. Auch wünschte ich englische Nähnadeln – die kann jeder mitbringen – oder auch eine recht schöne englische Halskette – versteht sich kein Gold. Bitte bitte so oft Du kannst – schicke mir etwas dergl. ich werde Dir sehr dankbar dafür seyn – u die Auslage gleich erstatten.
Was Rumpf von der Fürstin sagte, begreife ich nicht. Sie hat leider Thor.VI nicht einmal die alltäglichsten Höflichkeiten bezeugt – so wie ich überhaupt glaube, dass er nirgend so sehr en bagatelle tractirt würde – wie hier von den Wiener Chinesen denen die butternen Statuen von CanovaVII weit mehr zusagen als die edle einfache Arbeit des herrlichen Thorwaldsen – Ich kann es nicht läugnen, dass seyn hiesiger Aufenthalt mich sehr agitirte – u Du weisst es ja wie mein Ausser leider der zu treue plauderhäfte Spiegel meines Innern ist – Th:VIII zeichnete mich in jeder Hinsicht aus – wir wurden überall zusammen gebeten u ich überliess mich zu sehr dem Genusse der Gegenwart – Alles ist vorbei – Er konnte nie zu einem Entschlusse kommen – u bei der Nachricht des Unglücks in seinem Atelier verliess er Wien – auch ohne mir ein Wort des Abschieds zu sagen – Da wurde mir plötzlich klar, welch untergeordnete Rolle – seine Neigung zu mir in seinem Herzen spiele – u ich nahm mir ernstlich vor, jeden Gedanken an ihn aufzugeben – Bald darauf wendete ein junger Mann mir seine Neigung mit vollem Herzen zu – u ein stilles häusliches Glück schien mir zu winken – Doch die frühern Verhältnisse, wenn man es Verhältnisse, nennen kann zu Th: störten es – u ich stehe allein in einer Welt – die meiner Neigung u meinem Geschmack ewig fremd bleiben wird – Ich war vorigen Winter so maniglich angegriffen u gedrückt, dass ich es vermied über irgend etwas das mich reitzen könnten zu sprechen – Ich bin nun ruhiger, u trage mit frohem Muthe s[xxgxx] was ich nicht ändern kann. –
Ich kann Dir nicht genug sagen theure Lotte – wie innig mich immer Deine Briefe freuen – Du bist mir in kurzer Zeit so lieb geworden – u wir sind uns näher gekommen – als es sonst in Jahren zu geschehen pflegt – Ich lese immer recht fleissig italiänisch, diese Sprache ist mir vor allen lieb. Im Frühjahr werde ich mir einen Professor nehmen der den Dante mit mir liest. –
Thorwaldsens Amor – von der Gruppe der 3 Grazien – ist kürzlich hierhergekommen – man kann nichts schöneres sehen – auch ein wunderschöner Ganimed – Beides besitz der russische Consul Herr v KrauseIX der eine Hamburgerin die ich oft sehe – u welche sehr liebenswürdig ist, zur FrauX hat. – Sie haben auch sonst noch sehr schöne Statuen u alte u neue Bilder –
Habe ich Dir schon geschrieben dass Sigmund Gränzenstein auch gestorben ist. – Tobie ist wieder bei Koller in Neapel – Die Pobecheim bringt mit ihren Töchtern diesen Winter in Klagenfurt zu – Reinholds aelteste Tochter ist in Rom gestorben – Denke Dir die arme Nina OverbecXI erwartet ihr zweites Kind – Philipp Veit hat eine Italiänerin geheirathet – RosschweihXII ist noch immer in Rom – u wird die Sybillen von RaphaelXIII stechen – wenn er genug prénumeranten bekommt[,] der Preis für alle 4 ist 2 Louisd’or.
Behalte mich lieb – Fanisca –
Jeanette, welche immer feuerroth vor Freude wird, wenn ich ihr etwas von Dir ausrichte – grüsst Dich herzlich – O komme nur bestimmt –
Deinem lieben LouisXIV unbekannter Weise – alles schöne – Ich habe ihn lieb weil er Dich glücklich macht – Deinem VaterXV einen herzlichen Grüss – CarlXVI errinnert sich wol meiner kaum.
Dette brev blev skænket af efterkommere til Charlotte Thierry til Thorvaldsens Museum i 1975.
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Ganymedes skænker i skålen, Primo maj 1816, inv.nr. A43 |
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Hyrdedreng, Senest 6. oktober 1817, inv.nr. A177 |
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Amor med lyren, 1818, inv.nr. A786 |
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Fire Sibyller, 1831, inv.nr. E1025 |
Sidst opdateret 11.05.2011
Sandsynligvis en George Parish, der var svoger til Charlotte Thierrys søster Susette Parish.
Antagelig den tyske forfatter m.m. Jonas Ludwig von Hess (1756-1823).
Sandsynligvis en Sophie von der Meden fra Hamburg.
Antagelig den tyske, hanseatiske ministerpræsident Vincent Rumpff (1789-1867).
Sandsynligvis handelsmanden August Godeffroy, der var Charlotte Thierrys fætter i Wien.
Dvs. Thorvaldsen.
Den italienske billedhugger Antonio Canova.
Dvs. Thorvaldsen.
Dvs. den østrigske bankier m.m. Jacob von Krause.
Dvs. Julie von Krause.
Dvs. den tyske maler Johann Friedrich Overbecks kone Anna Schiffenhuber-Hartl, kaldet Nina (ca. 1790-1853).
Dvs. den tyske grafiker Ferdinand Ruscheweyh.
Der er antagelig tale om Ruscheweyhs kobberstik Fire Sibyller, 1831, som findes i Thorvaldsens samling, E1025.
Charlotte Thierrys mand, Johann Ludwig/Jean Louis Thierry (1792-1847).
Den tyske købmand Peter Godeffroy (1749-1822), der boede i Hamburg.
Charlotte Thierrys bror, den tyske diplomat Carl Godeffroy (1787-1848).