The Thorvaldsens Museum Archives

 
No. 2552 of 10237
Sender Date Recipient
Sulpiz Boisserée [+]

Sender’s Location

Stuttgart

Information on sender

Rødt segl.
Poststempel: HAMBURG F.T.M.u [xxxxx] 28 [xx] / STUTTGART

18.6.1820 [+]

Dating based on

Dateringen fremgår af brevet.

Bertel Thorvaldsen [+]

Recipient’s Location

København

Information on recipient

Udskrift: Sr Hochwohlgeboren / Herrn EtatsRath [xxx]d Thorwaldsen / Bildhauer / Ritter des Daneborg ordens und [xxxxxx] [xxxx] / im Copenhagen

Abstract

On the occasion of Goethe’s seventieth birthday, Boisserée told Thorvaldsen about his plans for a monument to Goethe. Now an association has been formed consisting of 15 prominent citizens from Frankfurt and 4 from outside the town and with Boisserée as chairman. He encloses a copy of his proposal and asks Thorvaldsen if he will contribute a frieze of reliefs, and if he approves of the suggested subject. Subscription is to begin on Goethe’s next birthday, so he needs a quick answer. Boisserée has read Friederike Brun’s description of Thorvaldsen’s work for the Church of Our Lady in Copenhagen and wants to know if J.L. Lund will make drawings of his latest reliefs, in which case he will have them engraved and reproduced in J.F. Cotta’s Kunstblatt.

See Original

Als ich vorigen Sommer das Glück hatte mit Ihnen in Frankfurt zusammen zu seyn und wir Goethes 70en Geburtstag feierten sprach ich Ihnen vor den Wunsch, dass diesem grossen Dichter ein Denkmal gesetzt werden möchte. – Ich hatte mir damals sowohl für das Denkmal selbst als für die Mittel und Wege es zu erreichen einen Vorschlag ausgedacht, von den ich glaubte, dass er einigen Beifall finden könnte. Überzeugt dass man bey Unternehmungen, welche wie diese, auf die Theilnahme des Publikums sind, mit der grössten Vorsicht zu Werk gehen muss, theilte ich meinen Vorschlag Anfangs nur ein Paar meiner vertrausten Frankfurter Freunde zur Prüfung mit. Diese fanden ihn ausführbar und bereitete während diese Winter das Sache so weit vor, dass sich ein Verein bildete, welcher das zur Stand zu bringen beschloss. Der erster Schritt war von den Magistrat eine angemessene Platz zu fordern; da dieser aber nicht entscheiden konnte ohne andere Behörden Rath zu ziehen und ohne schliesslich die Einwilligung des Bürgercollegs erhalten zu haben, erzog es sich schon in die Länge. Nun aber ist alles nach Wunsch entschieden. Der Verein hat dem zu folge förmlich constituiert, hat meinem Entwurf zu Grunde gelegt und Aufträge zur den nöthigen Überschlagen gegeben. Das Verein besteht aus 15 meist der angesehenster Männer in Frankfurt und vier Auswärtigen. Unter den Frankfurter befindet sich Schöff von Guaita, Staatsrath von Bethmann, Pfarrer Kirchner, Senator Thomas, Senator Brentano, Banquier Metzler, Stadtbaumeister Hess und anderen; zu den auswärtigen Mitglieder gehöre ich selbst, auch hat mich der Verein zum Vorsteher und meinen Freunde Guaita und Thomas zum Stellvertretern, sodann die Hrn Bethmann, Brentano und Metzler zu Schatzmeistern gewählt. Wegen der Entfernung meiner Wohnortes und wegen meinen vielen anderen Geschäften und Obliegenheiten die Ehre der zugedachte Amter abgelehnt und mir bloss die Leitung des artistischen Theils vorbehalten.

Erst nachdem ich Sie mit diesem Stande der Dinge bekanntgemacht habe, gelange ich zum eigentlichen Zweck der gegenwärtigen Briefes und das ist kein anderer als Ihnen eine Abschrift meines Entwurfs mitzutheilen, und Sie zu bitten, mir darüber ganz offen Ihre Meinung zu sagen, und sich gütigst zu erklären ob Sie die Ausführung das Ihre zugedachten Basreliefs übernehmen möchten und welche Summen dazu erforderlich wäre ?

Ich habe nicht vergessen, dass Sie mit Bestellungen überhauft sind aber auch nicht, dass Sie mir geäussert, Sie würden sich darauf abhalten lassen, andre Werke zu unternehmen, wenn Ihnen eine Aufgabe vorkäme, die Sie sehr anspräche. Meine Hoffnung grundet sich nur Hauptsächlich darauf, dass Sie Ihre Meisterhand gern zur verherrlichung eines Denkmals anwenden würden, welche dem Dichter, den auch Sie so hochverehren, von den deutschen Vaterland errichtet werden soll.

Rücksichtlich das zum Basrelief vorgeschlagenen Gegenstandes käme es sodann, nur darauf an, dass Sie ihm, wie ich wünsche, Ihren Beifall schenken oder wenn das nicht ganz der Fall seyn könnte, dass wir uns über etwaige Abänderungen verständigten. Schreiben Sie mir gefälligst hierüber sowie über den ganzen Entwurf mit der vollsten frei müthigkeit. Nur bitte ich recht sehr, antworten Sie sobald möglich, denn man wünscht zum das jährigen Geburtstag des Dichters, das ist am 28. August, die Subscription zu eröffnen, und eher das geschehen kann, muss doch eine Übersicht über die Art und Weise der Ausführung haben, und wissen ob wir rücksichtlich Ihrer Theilnahme auf die Erfüllung unserer Wünsche rechnen dürfen ? Überdem aber bitte ich den Entwurf niemanden mitzutheilen weil der Verein aus sehr begreiflichen Gründen beschlossen habe sich geheim zu halten bis alles entschieden ist.

Sollten Sie auf Ihrer Rückkehr nach Italien wieder durch die Hiesigen Gegenden kommen, so liesse sich mündtlich viels noch besser besprechen lassen. Sie sich aber dadurch nicht abhalten, mir vorlëufig auf meine Fragen zu antworten und haben Sie die Güte, im Fall die Reise Stattfindet, Sie mögen nun durch diesen Theil von Deutschland gehen oder nicht, die Zeit einigermassen bestimmen, damit ich mich danach richten kann, sowohl um Sie zu treffen, als um Ihnen Briefe zuzusenden.

Es wäre uns alle die grössten Freude, wenn wir Sie wieder bey uns sehen könnten. Über Ihren Arbeiten in Copenhagen, namentlich die Täufe und der Abendmahl haben wir Nachrichten von Frau Brun im Kunstblatt gelesen, das ist nun schon gut, weil man gern von Ihnen und Ihren Arbeiten hört, aber einen deutlichen Begriff erhällt man dadurch nicht. Dazu müsste man dabei seyn. Könnte Professor Lund oder sonstein geschicktes Zeichner nicht der gleichen entwerfen ? Hr. Cotta würde hier mit dem grössten Dank für sein Kunstblatt honorieren und ich wollte schwer Sorgen tragen, dass hier gut gestochen würden. Alle Kunstfreunde hätten eine Reihen lang entbehrte Befriedigung daran.

Dannecker ist jetzt mit der Draperie seines Christus beschäftigt sodann vollendet er die Psycke und hat eine weibliche Figur für das Grabmale des Prinzen von Oldenburg angefangen. Er so wie sein Schwager Rapp und Familie, mein Bruder und Hr. Bertram grüssen mit die besten wünschen.
Leben Sie recht wohl, und geben Sie uns bald angenehme Nachricht

Mit innigster Verehrung

Sulpitz Boisserée

Stuttgardt am 18 juny 1820

Archival Reference
m6 1820, nr. 20
Thiele
Omtalt hos Thiele III, p. 65-66.
Other references

Christian von Holst: Johann Heinrich Dannecker. Der Bildhauer, Stuttgart 1987.

Subjects
Commission for the Monument to J.W. Goethe · Commission for the Church of Our Lady, Copenhagen · Monuments, Comtemporary Figures · Journey to Denmark, July-October 1819 · Journey to Rome, August-December 1820
Persons
Johann Baptist Bertram · Simon Moritz von Bethmann · Melchior Boisserée · Friederike Brun · Johann Friedrich Cotta · Johann Heinrich von Dannecker · Johann Wolfgang von Goethe · J.L. Lund · Gottlob Heinrich Rapp
Works
Last updated 22.05.2020 Print