The Thorvaldsens Museum Archives

 
No. 10213 of 10239
Sender Date Recipient
Johan Bravo [+]

Sender’s Location

Rom

2.2.1861 [+]

Dating based on

Dateringen fremgår af brevet.

Just Mathias Thiele [+]

Information on recipient

Ingen udskrift.

Abstract

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Rom d. 2 Februar 1861

Lieber Thiele

Dein freundliches Schreiben, vom 8 Novbr hatte ich den Vorsatz längst zu beantworten, indem man mir aus Kopenhagen schrieb Deine Tochter mit Gemahl, Major v Lønborg würden herkommen u so wollte ich Dir zugleich Ihre glückliche Ankunft melden. Du wirst jetzt wissen der Major Lønborg war alleine hier und ist nach dreien Tagen, ohne nach Gaeta kommen zu können wieder abgereist.

Statt Dir nun heute Deinen Brief Punkt für Punkt zu beantworten, welches ich auf einen andern Tag thun werde, gehe heute auf betrübende Nachrichten über. Daß ich in dieser Woche, fast gleichzeitig die Mittheilung von dem Ableben der lieben Schwester in Kopenhagen und des Bruders in Altona erhielt, war nicht genug. Ein Unglück kommt selten allein, ich hatte ja schon zwei, war moralisch bereits recht herunter, als unser Ernst Meyer, vorgestern früh in Caffe greco lustig und wohl mit mir scherzte und sagte daß er nach dem Frühstück nur herauf kommen wollte. Um 11 Uhr wurde er unwohl und die Aerzte und Freunde brachten ihn in einen Wagen nach seiner nahen Wohnung, ein Gehirnschlag hatte ihm getroffen und trotz aller u schnell angewendeter Mittel, schlug er die Augen nicht wieder auf und entschlief ruhig und ohne Todeskrampf um 2½ Uhr nach Mitternacht, vom 31 Januar auf 1 Februar, sanft ins andere Leben hinüber.

Das sind Schläge des Schicksals und mit Thränen im Auge schreibe ich diese Worte und bitte Gott um Stärke solche Leiden zu ertragen. Ich hatte Meyer Deinen Gruß gebracht und gesagt ich würde Deinen Brief beantworten so wie Deine Tochter ankäme, die auch für ihm ein Portrait der verstorbenen Camilla Jessen mitbringen sollte, er wollte auch Dir einige Worte schreiben u bat ich soll es ihm einige Tage vorher wissen um die Einlage machen zu kommen. [sic]

Heute Abend soll die Leiche bestattet werden u sehr viele Theilnehmer werden als Traurende von allen Nationen folgen

Mein Zustand ist fürchterlich und ich weiß nicht wo u wie das enden will.

In Folge meiner Stellung habe ich gestern früh einen Inventarium, seiner Nachlassenschaft aufgenommen und alles nach meiner Wohnung bringen lassen. Ein Testament hat sich nicht vorgefunden und nach Pflichtgefühl um für Dänemark zu sorgen, schreibe ich Dir die Sachlage. Meyer sagte mir nachdem er den Danebrogsorden erhalten, daß ich nach seinem Tode dafür sorgen müsse, daß seine Handzeichnung nach Kop. für die Samlung geschickt werden, der er sie vermacht. Auf meine Bemerkung er solle mir das schriftlich geben, denn ich könne ja vor ihm sterben und dann fände sich sein Wille im Consulat als ein Aktenstück deponirt. Ja, ja das will ich thun u so oft ich ihm auch daran erinnert, blieb es dennoch dabei und am ende wurde er mürrisch und sagte will schon machen ohne daß Du mich daran erinnerst.

Irrt mir mein Gedächniß nicht, so sagte er mir mal er habe es Dir geschrieben, wenn das ist laß es mir gleich wissen. Natürlich es ist nur die Rede von seinen Handzeichnungen, seine Bilder u vollendete Sache nicht. Wie ich höre hat er diese an mehreren andern Landsleuten auch gesagt, doch vor einem Gericht sind alle diese Zeuge und Beweise nicht gültig. Hat er es Dir schriftlich mitgetheilt so ist eine andere Sache.
Ich meinen Theil werde es der Familie, so vorstellen daß sie vermuthlich darauf eingehen müssen, denn es wäre Jammerschäfte, wenn die hüpschen Zeichnungen welche wir in seinem Nachlaß fanden und welche von den dänischen Künstler, bei dem Inventarium machen, in den vorhandenen Mappen legten.

Abends 10 Uhr

So eben komme ich von dem isralitischen Kirchhof zurück, wo Meyer begraben wurde. Nahe 40 Kutschen folgten und hunderte von Künstler aller Nation folgten zu Fuß. Die Theilnahme war eine Allgemeine und sein Sarg war mit Blumen bedeckt. Der Sekretär der Judengemeine sprach nach Beendigung der Gebete, eine schöne italienische Leichenrede. Viele Augen zeigten Thränen u zu diesen gehörte auch ich, denn ich hatte ja nicht allein ihm sondern zwei der meinigen verlohren. Du kannst es in Kop wissen lassen u sein Bruder muß, wenn Du die Nachricht erhälst längst davon unterrichtet sein, indem ich gestern bereits durch den Telegraphen, einem Bekannten des Bruder in Hamburg, die Todesmittheilung zukommen ließ. Lebe wohl, lieber Thiele grüß Deine gute Frau und schreibe bald Deinem Freund I. Bravo.

Verzeihe mein Geschmir doch ich bin zu aufgeregt um mit Ruhe schreiben zu können.

Archival Reference
m31, nr. 77
Last updated 10.05.2011 Print