The Thorvaldsens Museum Archives

 
No. 5307 of 10185
Sender Date Recipient
Ernst Rietschel [+]

Sender’s Location

Rom

4.10.1830 [+]

Dating based on

Dateringen fremgår af den bog, hvori teksten er trykt.

Christian Daniel Rauch
Abstract

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[…] Straßen einen eigenthümlichen Charakter annahmen Doch erschien[en] mir dort immer noch die saftig grünen Berge und Thäler Deutschlands schöner, denn nirgends große Massen, überall sieht die Helle Erde zwischen den Weinreben und grauen Oelbäumen durch. 4 Stunden von Rom, wo man es auf einer höhe zuerst sieht, jubelten wir laut und erstaunten über die herrliche Lage und das schöne Gebirge, das sich vor uns ausbreitete. Unser erster Gang in Rom war nach der Peterskirche, ein anderer Tag nach dem campo vaccino und so fort, überall etwas herrliches Großes. Flüchtig besahen wir uns jetzt alles, um erst eine Uebersicht zu erhalten. Thorwaldsens Atelier ist ein eigenes Museum, in das ich oft zurückkehren werde, herrlich ist der Christus auch einige Apostel und viele seiner mythischen Sachen. Was Sie über die Gewänder des Papstes und des Kopernikus geäussert, finde ich ganz bestätigt. Auch im Poniatofsky kann ich den Poniatofsky nicht finden und mehrere seiner religiösen Sachen als die Bergpredigt, Abendmahl und andere gefallen mir weniger, doch wunderbar schön ist der Alexanderzug, sein Engel mit dem Taufbecken pp. Ich habe ihn in der Wohnung besucht, wo er mich sehr freundlich aufgenommen hat. Wolffs Fischerknaben habe ich gesehen, ich finde ihn schöner als frühere Arbeiten, die ich in der Berliner Ausstellung von ihm sah. Mathiäs und Wredows Ateliers habe ich noch nicht besucht, alle diese neueren Sachen will ich erst sehen, wenn ich das alte gesehen habe. Hübners und Bendemann’s grüßen herzlich, ich werde diese Winterabende oft dort sein. In 8 Tagen will ich nach Neapel gehen, um dort 4 Wochen lang noch die schöne Jahreszeit mitzunehmen, und dann ruhig in Rom sein zu können. Ich fühle mich ungemein wohl hier und sehne mich nach einer bedeutenden Arbeit, die allerdings nicht eher angehen wird als in Berlin. Doch darauf nun zu kommen, ich habe einige Sorge, ob nicht diese Monumentsangelegenheit durch die Unruhen in Sachsen sehr verschoben oder wo nicht gar aufgehoben werden kann. Ich erwarte auf diesen Brief eine frohe beruhigende Antwort von Ihrer Hand. So weh mir es gethan, daß auch in Dresden so rohe Aeußerungen gemeiner Pöbelwuth vorgekommen sind, so jubele ich doch laut über die großen und hoffentlich folgenreichen Veränderungen und das energische Selbstgefühl der Sachsen, und bedaure die Ereignisse in Dresden nicht miterlebt zu haben. Gebe Gott, daß es nun so, wie es eingeleitet, seinen segensreichen Gang findet. So leid wie mir es thut, daß mein Gönner und Wohlthäter der Graf Einsiedel sein Amt niederlegen mußte, so freue ich mich dennoch, wenn der Minister von Lindenau ein noch tüchtigerer Mann ist und durch seine energische Thätigkeit Sachsens Wohl mehr befördern wird. Was der Graf Einsiedel Sachsen genützt oder nicht genützt hat, weiß ich nicht zu beurtheilen, da ich sein Wirken zu wenig kenne. Traurig erscheint’s mir einerseits, daß der Geist der Unruhe sich durch ganz Deutschland zu verbreiten scheint, doch erfreulich ist es auf der anderen Seite zu sehen, daß die Völker ihre Würde fühlen und sich nicht mit Füßen treten lassen. Was die Franzosen und nach ihnen die Sachsen, Hessen und Braunschweiger gethan ist großartig, für die Greuel des Pöbels kann Niemand, der ist von Anfang immer derselbe gewesen. Nun weiß ich aber nicht, Herr Professor, wer mir das Modell des Königs hierherschicken wird, und an wen ich mich zu wenden, ich kann deshalb nicht anders als zu Ihrer großen Güte meine Zuflucht zu nehmen, und zu bitten, mir Nachricht zu geben, wann und wie es wohl kommen wird, und überhaupt, ob Sie etwas wissen, ob die Unruhen das Ganze wohl verzögern können, ich bin deshalb sehr begierig auf Ihre Antwort, die ich zu erhalten hoffe, wenn ich aus Neapel zurückgekehrt bin, was von jetzt an wenigstens 5 Wochen dauert, N. B. wenn es auch Ihre vielen Geschäfte erlauben. Wie mir gestern Wolff sagte, sind Sie jetzt noch mit Vollendung aller Marmorfrieße begriffen, das Monument Friedrichs des Großen ist also noch nicht angefangen.

Sind d’Altons nun zurückgekehrt? wie schwer mag es [...]

General Comment

Uddraget er afskrevet efter Rauch og Rietschels breve, op. cit. Kun de dele, der vedrører Thorvaldsen, er medtaget.

Thiele
Ikke omtalt hos Thiele.
Other references

  • Rauch & Rietschel: Briefwechsel zwischen Rauch und Rietschel, 1. Band, Berlin 1890, p. 142-143.

Persons
Bertel Thorvaldsen
Last updated 04.07.2017 Print