The Thorvaldsens Museum Archives

 
No. 5008 of 10185
Sender Date Recipient
Ernst Rietschel [+]

Sender’s Location

München

18.1.1830 [+]

Dating based on

Dateringen fremgår af den bog, hvori brevet er trykt.

Christian Daniel Rauch
Abstract

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Rietschel an Rauch.

München, d. 18. Jan. 1830.

Theuerster, verehrtester Herr Professor!

Jetzt darf ich Ihnen wohl meinen herzlichsten Gruß nach Neapel hin zurufen. Während wir hier bei dem, fast seit Ihrer Abreise, sich stets gleich bleibenden Winter frieren, und uns nur in der Oefen Nähe wohl fühlen, gehen Sie jetzt vielleicht am Meere spazieren, um die kühlendere Luft zu genießen, die freundlich und wohlthuend die Schweißtropfen trocknet, welche die warme Sonne und ein stetes reges Bewegen in Genuß, Glück und Freude auf die Stirn hervorlockte. Möchte es wenigstens so sein, ich wollte mich recht freuen und gern frieren, aber ich fürchte, Sie haben den Winter besonders in Rom gefühlt, denn ich habe von großer Kälte, dort, gehört; doch Ihr Geist, immer warm wird neue wärmende Flammen aus den herrlichsten Werken der Kunst hervorgelockt und somit die Mahnungen körperlicher Unbehaglichkeiten vergessen haben.

Recht erwartungsvoll sehe ich einem Briefe von Ihnen entgegen, der mir Thorwaldsens Ankunft melde, Sie werben doch nicht vergessen, damit er zu rechter Zeit eintreffe, weil ich dann erst unsrer Köchin schreiben kann, die doch noch zu Hause, in Landshut, ist, es ist doch mancherlei noch zu thun. Ich hörte schon einmal, Thorwaldsen käme noch im Januar nach München, es macht mich ordentlich etwas unruhig. Die Statue des Königs wird jetzt zusammengesetzt, damit sie auch Thorwaldsen sehe und auch damit der Stuhl gemacht werden kann. Zwar ist die Hintere Lehne mit Verzierungen und Säulen, sowie auch die unter dem Gewand hervorsehenden Seitenlehnen fertig, auch der Sitz mit seinen Gesimschen ist gezogen, jedoch beim Aufprobiren ergab sich’s, daß er nicht ganz passte, denn die Hintere Lehne, die doch von Holz war, war durch die Feuchtigkeit ausgedehnt, mit ihr natürlich die darauf stehenden Arabesken, so daß sie nicht so zum Sitz paßte, sondern fast einen Zoll breiter geworden ist. Entweder müssen nun die äusseren Säulchen hineingerückt, oder die angesetzten Geistchen das Gesimschen am Sitz wieder abgeschlagen, und auf beiden Seiten um 1/2 Zoll erweitert werden. Folgende Figur zeigt, wie die Säulchen nahe auf der Kante stehen. Wenn nun jetzt die Gewandstücken mit den Seitenlehnen stehen werden, wird man sehen, wie und wo man am schnellsten und besten hilft. Mir werden den Inspector O[h]lmüller dazu rufen, der Stuhl hat viel Arbeit gemacht, und macht sie noch, weil natürlich alles einzelne Stücke sind, die doch genau perpendiculär und winkelrecht passen müssen. Ich fürchte ordentlich für die Rechnung von Kreuter; drum will der Herr Inspector Stiglmaier mit ihm darüber sprechen, und wenn er für das Gethane zu viel verlangt, im Accord übergeben. Ich sehe ein, daß das alles hätte von Anfang geschehen können. Die Verzierungen an der Tunika und Aermel hat Kreuter etwas ausgebessert, doch will Herr Stiglmaier sie später von Rettinger sauber repariren lassen, damit sie vielleicht im Guß so kommen, daß nicht daran zu reparirt werden braucht. Die Troddeln hat Wilde ziemlich so hergestellt, wie sie modellirt waren, denn da waren natürlich die meisten Blasen. Wanche waren weggeblieben. Die Bavaria wird heut gefirnißt, ob sie aber Bianconi noch vor Thorwaldsens Ankunft formen kann, weiß ich nicht, weil er nun viel mit dem Zusammensetzen des Colosses zu thun hat, und käme er ja bald zum Formen, so wird es schwer so eingerichtet werden, daß sie Thorwaldsen sieht. Nachdem ich die fortuna von der Ausstellung habe holen lassen, sah ich wohl, daß die Bavaria in den Winkeln und Tiefen noch sauberer und reiner ist, daß mehr als an zinn gethan worden ist, ich hatte fast Sorge, daß Sie unwillig darüber werden möchten, doch versichere ich Sie, daß alle großen Theile, und wo es nur gehen möchte, von der Raspel verschont geblieben sind, zwar habe ich ungeheuer wachen müssen, denn wie diese Gipsreparateurs alle sind, sie wollen überall kehren. Die Hintere wand, der Fußboden war überall zu groß, das Holz war von der Feuchtigkeit gewaltig zerquollen, so daß ich erst meinte, der Tischler hatte das Maas falsch genommen, und diesem auf den Hals fuhr. Ich hoffte nun erst die angesetzte leiste durch etwas Abschneiden auf der einen Seite in Ordnung bringen zu dürfen, und nun mußte überall angesetzt und abgenommen werden, auf’s neue sehe ich, daß Rettinger ein Edelstein ist.

Der Stuhl wird heute hingesetzt, um den Coloß darauf zu setzen, die neuen Kugeln, die gedreht werden müssen, sind noch nicht fertig und so nehmen wir die alten, die Last ist doch jetzt nicht mehr so groß. Bianconi hofft das Ganze in einem Monat vielleicht trocken zu haben, was ein Glück sein wird, denn Herr von Klenze machte mir Angst, was auch gegründet ist, daß wenn ein Gips in München lange feucht ist, er endlich vom Salpeter zerfressen wird, es ist dem nicht vorzubeugen, weil es im Wasser liegt, wie Herr Stiglmaier sagt. Durch umgestellte Kohlenfeuer, so viel es nur geht, wird eine große Wärme erzeugt. Geheizt wird deshalb nur in dem einen Ofen, und nicht zuviel. Holz geht aber viel darauf, auch ist in unserer Wohnung schon eine Klafter verbraucht, und Jacob wird in diesen Tagen wieder eine kaufen; ach schon deshalb will ich mich freuen, wenn Sie wieder da sind, daß ich die Sorge los werde, über fremdes Geld zu walten. Immer bangt mir, wenn ich sehe, wie alles so viel Geld kostet.

Herr Stiglmaier hat, weil sein Guß des Obeliskenstückes (erst dann, wenn dies gelungen, will er Ihnen schreiben) wieder herannaht, für Rettinger zu thun. Morgen aber wird er sich wahrscheinlich an die Büsten machen, um diese zu vollenden, denn, ich sage es Ihnen ganz furchtsam, daß diese noch nicht fort sind. Aber hoffentlich in 8 Tagen. Die Büste nach Carrara ist fort.

Den 20. Jan. Don d’Alton habe ich einen Brief endlich erhalten, der mich wieder ganz versöhnt hat. Der Arme hat freilich mit seinen Fischen nach Paris so viel zu thun, daß er mehrmals bis Nachts um 2 Uhr gearbeitet, und sie erst kurz vor den Feiertagen geendigt hat, da hat er nicht können schreiben, und schon im voraus im Gedanken habe ich ihn um Entschuldigung meiner Vorwürfe wegen gebeten. Jn Ihrem Hause ist alles wohl und Ihre Frau Tochter sowohl als auch d’Alton sehen der bevorstehenden Entbindung nicht ohne Sorge, aber doch gefaßt entgegen; dazu gebe Gott seinen Segen!

Sie wissen aus meinem letzten Briefe, Herr Professor, daß ich ein kleines Hilfsmodell zu meiner Figur für die Glyptothek machen, gleich nach Neujahr anfangen wollte. Ich wurde aber den Tag vorher krank, bekam Fieber, Catarrh pp, so daß ich mehrere Tage im Bett liegen und dann mehrere Tage zu Hause bleiben mußte. Als ich endlich in’s Atelier kam und anfangen wollte, konnte ich noch keinen Platz gewinnen, Rettinger brachte Grund und plinthe der Bavaria ins Gleiche, einiges wurde noch an den Seitenlehnen des Stuhles reparirt. Endlich bereitete ich mich vor, daß ich am 10. Jan anfangen konnte. Da wurde ich den Tag vorher, Sonntag den 9ten wieder krank, eine heftige Erkältung hatte ein mich gewaltig schwächendes Abweichen hervorgerufen, 4 ganze Tage habe ich im Bett gelegen, durch gar nichts Essen, eine Menge süßliche Arzneien und Schwitzen kam ich endlich mit großer Mattigkeit auf die Beine, erst am 18ten bin ich ausgegangen. Meine Backen, die in München etwas stärker und rother geworden waren, sind wieder auf dem alten Flecke, ich hoffe mich aber bald zu erholen. Ich bin gestern und vorgestern im Atelier gewesen, muß mich aber sehr in Acht nehmen, denn dort ist es besonders an die Füße oft nicht zum Aushalten kalt, trotz warmer Schuhe. Abends auszugehen, hat mir der Dr. Fuchs jetzt noch verboten. Fräulein von Schleich (unten parterre, die dicke Dame) hat sich überaus gütig und freundlich gezeigt, sie hat mir Suppe, Bouillon pp. heraufgeschickt, oder sonst durch ihre Köchin thun lassen, was Jakob nicht konnte, der sich übrigens wie immer thätig und immer willfährig bewiesen hat.

Morgen oder Uebermorgen werde ich mein Figürchen anlegen. Manches, was ich componirt und gezeichnet habe, werde ich Ihnen bei Ihrer Rückkunft vorlegen.

Der König ist noch nicht hergestellt und deshalb hat noch nicht Alles von der Ausstellung geholt werden dürfen, weil vielleicht der König noch hinkommen könnte, wenn er gesund ist. Ihre Büste ist noch dort. Prof. Schorn hat sich sein Göthe-Figürchen genommen, der G. P. R. Wolf hat sich ungemein gefreut über sein Danaidenköpfchen. von Graf Arco, wegen Kaspar Hauser in Nürnberg schweigt alles; es scheint nicht wahr zu sein.

Möchte ich doch recht bald einen Brief von Ihnen bekommen, um Gewißheit wegen Thorwaldsens Ankunft zu erhalten und meine gethanen Fragen im letzten Brief, besonders wegen Thorw. recht ausführlich beantwortet zu sehen. Wann werden Sie Ihre Rückreise antreten? wenn der Coloß trocken ist? Ach möchten Sie recht bald kommen, das soll ein herrlicher Festtag für mich sein, ich sehne mich sehr danach, dann will ich noch einmal so heiter und fröhlich sein. Sie müssen mir aber schreiben, welchen Tag Sie eintreffen, dann laß ich mir nicht nehmen, Ihnen eine Poststation entgegen zu kommen, soll ich auch 1 oder 2 Tage da warten, um mit Ihnen nach München herein zu fahren. Nun von jetzt an denk und hoff ich in 6 Wochen, sind doch schon 10 Wochen vorüber. Schreiben Sie recht bald, mein theuerster Lehrer, bleiben Sie immer recht glücklich und schenken Sie immer Ihre Liebe und vertrauen

Ihrem alles dankbar erkennenden

Schüler

Ernst Rietschel.

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Uddraget er afskrevet efter Rauch og Rietschels breve, op. cit. Kun de dele, der vedrører Thorvaldsen, er medtaget.

Thiele
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Other references

  • Rauch & Rietschel: Briefwechsel zwischen Rauch und Rietschel, 1. Band, Berlin 1890, p. 65-69.

Persons
Bertel Thorvaldsen
Last updated 04.07.2017 Print