The Thorvaldsens Museum Archives

 
No. 2549 of 10233
Sender Date Recipient
Friederike Brun
Redaktørerne ved Kunst-Blatt [+]

Sender’s Location

Stuttgart & Tübingen

15.6.1820 [+]

Dating based on

Dateringen fremgår af tidsskriftet, hvori teksten blev trykt.

Omnes
Abstract

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Ueber Albert Thorwaldsen’s zweytes, in seiner Vaterstadt verfertigtes Basrelief: die Einsetzung des heiligen Abendmahls.

Die traurigen Worte “Einer ist unter Euch, der mich verrathen wird” sind ausgesprochen: der Nachklang des Entsetzens’, welches dieselben in dem Herzen der redlichen, liebenden Jünger hervorgebracht haben, ist noch im Ausdrucke der Gesichtszüge, ja in den Stellungen sichtbar, (wie wir beym genaueren Durchgehen zeigen werden); aber schon verschmilzt derselbe in Andacht, Wehmuth und tiefem Gefühl;

denn: “Er steht das Gedächtnis seines Todes zu stiften,

“Schon spricht er die feyerlichen Worte!”

Jesus hat eben, vom neben ihm zur Seite stehenden Tische, den Kelch genommen, und hält ihn in der linken Hand leicht und fest: die Rechte ist feyerlich zum Einsegnen erhoben: das Haupt gen Himmel gerichtet, Auge und Seele mit ihm! Die hohe schlanke Gestalt, Ideal (aber in einem ganz andern Style, wie heidnisches Ideal) sanft und edel verlängert, die fließenden Umrisse, gleich einer Palme des Orients: gescheiteltes, glattabwallendes Haar unten in weiche Locken fallend, und hinter dem Ohr zurückgestrichen. Lange in tiefen Falten zu den Füßen hinabfallende Tunika, mit Aermeln bis auf die Hand; herrliches Obergewand, vom linken Arm über die rechte Schulter hinabsinkend, und vorn frey übergeschlagen; voll, weich und wunderschön. Christus schreitet vor, in lebenvoller Bewegung, redend, und im Altus ihnen den Kelch des Bundes zu reichen. Diese hohe Gestalt ist wieder Canon einer Christusgestalt: so rein ausgesondert von allen Nebengedanken, erinnert sie nur an sich selbst! Es ist der Jesus, der Heiland der Christen; das Lamm Gøttes, in prophetischer Begeisterung und Würde! Alles an derselben strebt himmelan, durch Schmerz und Wehmuth, der Verklärung entgegen!

Johannes ist vor ihm niedergesunken; in Liebe, Wehmuth und Andacht zerflossen, neigt er sich sanft auf einem Knie vorwärts über, zu dem erhabenen Meister und Freunde! Himmel und Erde vergehen um ihn! Das sanft geschlossene Auge der Innigkeit, der sanftgeöff[n]ete, einen tiefen Seutzer athmende Mund; die schwach gefalteten vor ihm herabsinkenden Hände; die ganze holde Jugendgestalt, die gleichsam bethauten Locken; selbst die weich um den herrlichen Körper wallenden Gewände; alles, alles ist Harmonie, Ausdruck der heiligsten Wehmuth! Man sieht ihn erbleichen, man erbleicht mit ihm, und findet sich mit thränendem Auge, und sanftgefalteten Händen, — man muß selbst die heilige Wehmuth ausathmen, ehe man diese einzige, ja einzige Gruppe verläßt!

Die dritte im innern Grunde des Basreliefs folgende Figur; ist ein schöner Mann in männlicher Reise: tiefere Züge, herrlicher, umlockter Kopf, und kräftiger Bart. Er hebt anbetend die zusannnengelegten Hände zu dem Erlöser empor; der Ausdruck der hingegebensten, redlichsten Treue bezeichnet das ganze biedere Gesicht, aus dem das weit offne Auge strahlt. Man sieht nur den Obertheil dieser Gestalt: sie redet nicht, sie betet schweigend an.

Dann die vierte Petrus: Er ist ganz im Vorgrunde in heftiger Bewegung auf das linke Knie niedergefallen, und streckt das rechte Bein vor; der linke Arm und die eine Hand sind kräftig abwärts gestreckt und ausgeschlagen; die Rechte betheuernd auf die Brust gelegt; heftig wogt noch in ihm das Entsetzen, über die angekündigte Verrätherey! Er sagt: “Herr ich verlasse dich nie!” Die starke lebenvolle Gestalt, das hohe Profil, das aus der tiefen Einfassung so treu und kräftig aufblickende Auge; die herrlich gewölbte Stirn, mit dem Kranze krauser Haare; der volle Bart — Alles zusammen bildet einen Kern- und Fels-Petrus! Nur so kann der hohe Fürst der Apostel gedacht werden: Muth, Treue, Liebe; und doch eine Beymischung von der Unbesonnenheit*), welche zu wallendes Blut bey denen hervorbringt, bey denen das Herz mit dem Kopfe davonläuft! – O! du guter Petrus, du Trost und Hoffnung, und Muster, der redlichen Gefallenen, du bist’s ganz! Zwischen Petrus und dem nun folgenden hochstehenden Jakobus erscheint im zweyten Grunde ein alter Kopf, den das tieffromme Auge bedeutend macht.

Nun ragt die Prachtgestalt des jugendlich-schönen Zebedaiden Jakobus “der auch ein Sohn des Donners genannt wird” gebietend auf, schreitet lebenvoll und kräftig vor; der linke Fuß ist noch gehoben; der rechte Arm mit der ausgestreckten Hand pathetisch neben dem liegenden Petrus und über ihn hin, gegen den Erlöser ausgestreckt.

Das herrlich-schöne jugendliche Haupt des ersten Märtyrers unter den heiligen Aposteln, ist muthig und beynahe so hoch erhoben, wie das des Christus; die große Linie, welche den Umriß der ganzen erhabenen Gestalt vom Haupte bis auf den zurückweichenden Fuß hinab, umzieht, ist einer der gelungensten Würfe der Kunst. Wie schön die eröffnete linke Hand! Und welch Gewand, alle Umrisse des großartigen Körperbaues bezeichnend, leicht in sanft angegossenen Falten. Er ist ideal-schön, mit Jugendlocken und kurzem zierlichem Barte. Und welche Gefühle reden aus diesen seelenvollen Augen! Tiefer Schmerz, gekränktes Gefühl.- Mit innig auf die Brust gedrückter Hand will er noch seine Unschuld, seine Treue betheuern; als die feyerlich wehmüthigen Worte: “Dieser Kelch ist das neue Testament in meinem Blute!” ihn ergreifen, und jedes eigene Gefühl in selbstvergessende Wehmuth auflösen.

Nun folgt eine ehrwürdige Gestalt, Bartholomäus der freundliche Greis. Der kahle Scheitel, der lange fliessende Bart, starke Gesichtszüge, durch redlich-kräftige Gutmütigkeit, und heilige Einfalt belebt, bezeichnen ihn. Er hat voll Inbrunst die Arme über die Brust gekreuzt, treue Nachfolge gelobend, die er mit, seinem Greisen-Blute bald versiegeln wird! Sein Gewand ist wie das des Petrus gegürtet, doch hier auf nackten Leib: jenem hängt der Mantel über den Rücken und den linken Arm. Beyde Gewände sind sichtlich von schwerem, gröberem Stoffe, wie die des Christus, des Johannes und des Jakobus. Thomas ist dicht hinter Bartholomäus geknieet: dankend, zweifelnd, uneins mit sich selbst — hält er beyde Hände parallel nahe aber offen. Er kann sie nicht glaubend falten. Seine Stirn ist etwas hart und eng; die Nase etwas spitzfindig gebogen; das Ganze der Physiognomie und Gestalt zusammengezogen, alles in sich hinein; ein physiognomisches Meisterstück. Die Zweifel drängen die Wehmuth zurück!

Zwischen Jakobus, Bartholomäus und Thomas erscheinen, im inneren Grunde, drey Köpfe. Ein Greis, ein Mann, ein Jüngling, unter denen ich mir Andreas und Philippus, und beym Jünglings-Kopfe, mit reichen Locken umwallt, den Schäfer aus Saran Simon den Kananiten denken würde, den der unsterbliche Sänger des Messias “das Lied der himmlischen Schaaren neben den Quellen von Bethlehem” hat vernehmen lassen.

Jezt folgt Judas Ischariot, die lezte Gestalt der großen, lebendig vor dem Beschauer sich hinreihenden länglichen Gruppe. Er ist eben im Ausscheiden aus dem heiligen Kreise, (und zwar auf immer) begriffen. Er wendet sich von ihnen Allen ab. Durch Thomas Niederknien und sein Abwenden, ist ein Intervall entstanden, welches äußerst bedeutungsvoll ist. Christus Verkündigung des nahen Verräthers; seine Worte: “was du thun willst, das thue bald!” haben ihn tief erbittert! Abgewendet sind Gestalt, Sinn und Herz! Er wendet sich gehend ab; in der Linken hält er den Beutel fest; die Rechte ist unwillig zusammengeballt erhoben; das Antlitz finster (truce würde ein Italiener sagen) verschlossen, dunkelglühend der Blick, den er, dasselbe noch auf die Gruppe der Heiligen zurückwendend, ausschießt. Er ist wohlgestaltet, doch recht grundböse im Ausdruck. Das Gewand ist karg um die etwas hagere Gestalt gefaltet.

Fr. Brun, geb. Münter.

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General Comment

Dette er en trykt tekst fra det tyske kunsttidsskrift Kunst-Blatt, op. cit. Der citeres kun fra de passager i teksten, der vedrører Thorvaldsen.

Other references

  • Kunst-Blatt gebildete Stände, No. 48, 1820, p. 190-191.

Subjects
Commission for the Church of Our Lady, Copenhagen · Criticism of Thorvaldsen's Works, Positive
Works
Last updated 13.06.2017 Print