The Thorvaldsens Museum Archives

 
No. 2176 of 10181
Sender Date Recipient
Franz Grillparzer [+]

Sender’s Location

Rom

14.4.1819 [+]

Dating based on

Dateringen fremgår ikke af dagbogsteksten, men af rammeværket i bogen, hvorfra teksten er afskrevet..

Omnes
Abstract

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Ich war in Thorwaldsens Studio. Es war an einem unglückseligen Tage. Von einer Diarrhöe und verdorbenem Magen, den traurigen Wirkungen des römischen Klima und meiner Unbekanntschaft mit der hiesigen Lebensweise, geplagt, schlenderte ich mißmutig durch die lauten Straßen, an all den rings sich aufdrängenden Kunstwerken vorüber, ohne dass mir etwas auch nur einen Blick abgewinnen konnte. Da, vor dem Palast Barberini, gewahre ich Marmortrümmer. Gedankenlos trete ich hinzu und frage: es ist Thorwaldsens Studio. Ich trete hinein und fahre erstaunt zurück. So etwas hatte ich nicht vermutet. Als ich Canovas Werkstätte betreten, glaubte ich das Beste gesehen zu haben, was die neuere Zeit gegenüber der alten an Bildwerken aufzuweisen hätte, und achselzuckend bedauerte ich den ungeheuern Abstand; aber hier – Canovas Bilder sind schön, aber tot und nebstdem so behandelt, daß mir dabei immer der Simson einfiel, den ich in der Osterwoche hier in einem Laden sah, und der höchst kunstreich aus – Butter gemacht war. Dagegen Thorwaldsen. Ich habe keine seiner ganz fertigen Statuen gesehen, und ich weiß daher nicht, ob er in der Vollendung des mechanischen Teils der Arbeit seinem Nebenbuhler gleichkommt – und eine Statue in seinem Studio, von der mir die Gehilfen sagten, es fehle nichts als die Politur, schien diesen Zweifel eher zu bekräftigen als zu heben –, aber was die edle Form, die Belebung des Toten und die Komposition betrifft, hierin steht meiner Meinung nach Thorwaldsen weit über Canova. Da ist ein Ganymed, der den Adler trinken läßt. Die Formen schmächtig, jugendlich, beinahe dünn, und doch wie reizend, gerade durch diese keusche Behandlung reizend. Welche himmlische Unschuld in dem ganzen Knaben, der auf nichts anders denkt als sein Geschäft und in genügsamer Geduld wartet, bis das gierige Tier genug getrunken hat. Und dagegen der Adler mit seinem gierigen Auge, als ob er Trank, Schale und Knaben mit einem Zuge verschlingen wollte, in herrlichem Kontraste mit dem sanften Kinde. – Ein anderer Hirtenknabe, wahrscheinlich auch ein Ganymed, mit der Rechten seinen Fuß nachlässig umfassend, die Linke hinter sich auf gestemmt, und unschuldig, halb gedankenlos vor sich hin in die Welt blickend, weicht dem andern an Schönheit kaum. Ich habe durch aus in meinem Leben nichts gesehen, was in dieser Gattung jenen beiden Statuen die Wage halten könnte. – Eine Venus mit dem Apfel, unbeschreiblich reizend. – Ein Antinous, vielleicht weniger vollendet, ebenso ein Amor mit dem Pfeil. Herrlich wieder eine in köstliche Falten gehüllte Tänzerin. Alles andere aber übertreffen die Basreliefs. Da ist ein Herkules gegenüber einer Hebe im herrlichsten Kontraste. Bemerkt man gleich, daß der Bildner des Werkes den farnesischen Herkules gesehen hat, und ist vielleicht auch mit Rücksicht auf diesen der Nacken des Unbändigen zu stark geraten, so kann man doch der kühnen, übermenschlichen Form seine Bewunderung nicht versagen. Briseis, die Agamemnons Herolde dem Achill entführen; der eine Herold hat das Mädchen angefaßt, die, mit Zögern ihm folgend, den traurigen Blick zurückwendet nach dem blühenden Bettgenossen. Dieser sitzt herrlich auf einem Stuhle in der linken Ecke des Bildes, die linke Hand krampfig auf die Brust gepreßt. Vielleicht wäre übrigens, bei aller Vortrefflichkeit dieser Figur, mehr Zorn und weniger Schmerz besser gewesen. Beinahe wird er von dem im Vorgrunde stehenden Patroklus verdunkelt. Oder wäre die Bedeutung der Figuren umgekehrt, dann wäre der Schmerz der sitzenden Figur zu heftig; so trauert man nur über eigenen Verlust. Alles andere übertrifft der Triumphzug des Alexander, ein Basrelief, dergleichen ich kaum unter den Antiken gesehen habe. Diese Krieger, immer verschieden und nur an Schönheit sich gleich, diese Pferde, diese Kinder voll unschuldiger Bewustlosigkeit, diese Viktoria, diese Griechen, diese Perser – was helfen die Worte, wo man kaum dem Sehen traut.

General Comment

Dette er en indførsel i Grillparzers dagbog fra hans Italiensrejse 1819.
Teksten er afskrevet fra Grillparzer, op. cit.

Other references

  • Franz Grillparzer: ‘Tagebücher’, in: Stefan Hock (ed.): Grillparzers Werke, Berlin 1911, vol. XV, p. 61-62.

Persons
Antonio Canova · Bertel Thorvaldsen
Works
Last updated 30.07.2012 Print