The Thorvaldsens Museum Archives

 
No. 8003 of 10181
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NN 10.5.1839 [+]

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Dateringen fremgår af dokumentet.

Omnes
Abstract

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Wettrennen zweier Dichterrosse
am Tage
der Schillersstatue-Enthüllung

 
 
Heil, Friedrich Schiller, Heil!
Heute ruft Alles Heil!
Dichterfürst Dir!
Von allen Seiten her
Strömte ein Menschen-Meer!
Alles bestaunt umher
Dein Denkmal hier.
 
 
Heil Dir im Lorbeerkranz:
Mehr als Juwelen-Glanz,
Schmückt ‒ inn’rer Werth?
Du warst der Dichter Zier!
Deutschlands Homer, Shakespeare!
Du wirst von Allen hier
Jubelnd verehrt.
 
 
Dein Sohn und Enkelein
Zeigten uns im Verein
Dein Riesenbild.
Zehntausend rufen hier,
Ausländer, so wie wir:
„Heil, Friedrich Schiller, Dir!”
Von Lust erfüllt.
 
 
Thorwaldsens Meisterhand
Schuf dieß Bild, höchst frappant.
Drum ruft ihm „Heil!”
Sein edler Kunstgenoß,
Wißt, Stiegelmayer goß
Von Erz den Prachtkoloß,
Auf! ruft ihm „Heil!”
 
 
Dieß schöne Denkmal hier
Weihen Verehrer Dir
Aus Dankbarkeit.
Zum Ew’gen laßt uns fleh’n:
„Dieß Bild, vor dem wir steh’n,
„Laß es nie untergeh’n
„Im Strom der Zeit!“
 
 
Jeder nennt Schillers Bild
Würdevoll, ernst und mild,
Ein Meisterstück!
Sein Haupt ist sanft gesenkt.
Man glaubt, er dichtet, denkt.
Was man Begeist’rung nennt.
Strahlt aus dem Blick.
 
 
Dieß Denkmal nennen wir:
„Zierde der Hauptstadt hier!”
Das Jedes ehrt.
Wer Schillers Werke kennt,
Ihn „Deutschlands Liebling” nennt,
Der sagt: „Dieß Monument
„Ist Seiner werth!”
 
 
Es hebt des Festes Glanz
Ein großer Lieder-Kranz,
Der herrlich singt.
Lindpaintners Kraft-Genie
Schuf eine Meolodie,
So lieblich schön, daß sie
Zum Herzen dringt:
 
 
Der Chor klingt imposant,
Sänger vom ganzen Land
Sind beim Verein.
Der tausendstimmige Chor
Freut jedes Herz und Ohr,
Er steigt zu Dir empor.
Und wird Dich freu’n.
 
 
Heil, Friedrich Schiller, Dir?
Den eine Welt, wie wir,
Unsterblich nennt.
Einst, in der fernsten Zeit,
Sehen voll Lust und Freud,
Urenkel (wie wir heut)
Dein Monument.
 
 
Ganz Stuttgart ruf’ jetzt aus:
„Heil unserm Königshaus!
„Heil, Wilhelm, Heil!“
Stuttgarts Glanz ist sein Ziel,
Für sein Land thut er viel,
D’rum ruft voll Dankgefühl:
„Heil, Wilhelm, Heil!”
 
 
Weil Marbach (wie ihr wißt)
Schillers Geburtsort ist.
Ruft „Marbach Heil!”
In „Hoher Carlsschul” dann
Fing seine Bildung an,
D’rum ruf’ we[?] rufen kann:
,,Heil, Stuttgart, Heil!”
 
 
Er ging nach Mannheim hin.
Hoch schätzte Dalberg ihn.
Auch Iffland, Beil.
Er machte dort viel Glück,
Schrieb manches schöne Stück,
Mimen, preist sein Geschick,
Ruft „Mannheim Heil!”
 
 
Nach Weimar ging er dann,
An ihm nahm Jedermann
Großen Antheil.
Der Fürst Carl August war
Sein Gönner, Freund sogar.
Was ihm auch Göthe war.
Ruft ,.Weimar Heil!”
 
 
Schiller in jener Welt,
Du ‒ über‘m Sternenzelt,
Siehst All‘ uns hier.
Frölich tönt überall
Pauken, Trompetenschall!
Des Jubels Wiederhall
Steigt auf zu Dir!
 
 
Dein Ruhm bleibt unverletzt,
Den ganz Europa schätzt,
Ehrt selbst der Neid!
Dein Geist wirkt ewig fort,
Du lebst an jedem Ort,
Dich lohnet hier und dort
Unsterblichkeit!
 
 
Wettrennen zweier Dichterrosse
am Tage
der Schillersstatue-Enthüllung

 
 
Leih, Jungfer Deckerinn,
Pallas, Erweckerinn,
Heut mir die Kraft,
Die ihm so reichliche.
Nirgends gebräuchliche.
Ach! unausweichliche,
Zuckungen schafft!
 
 
Er schuf ein „Jubel-Lied,”
Daß es ihm Rubel biet’, ‒
Originell! ‒
Hörst du nicht Schillers Fluch? ‒
Prosa von Sillabuch
Reißt ins Verhüllungstuch,
Bricht das Gestell.
 
 
Selbst übertreffend sich,
Schrecklich bekleffend dich,
Deutschlands Homer!
Steigt kolossalischer,
Sardanapalischer,
Halbkanibalischer
Ursina einher.
 
 
Horch doch auf, Schillers V‘rein,
Wie dein Lob superfein,
Decker singt dir!
Richte dich hoch empor,
Du, Denkmals Matador,
Reinbeck, und spitz’ dein Ohr,
Stolz nach Gebühr!
 
 
Lieber Freund, Stadelbau’r,
Sieh dazu nicht so sau’r.
Weil ungenannt.
Im „großen Liederkranz”
Steckst du als Erz-Popanz,
Schallend voll Resonanz
Im Vaterland.
 
 
Auch der Haupt-Schillerfreund,
Cotta hier still erscheint? ‒
Decker, wie dumm! ‒
Wer hat das Schillersfeld
Besser, als er bestellt;
Wer prägt so schönes Geld
Aus Schillers Ruhm? ‒
 
 
Menzel, den Kritikus,
Archipolitikus,
Nennst du nicht hier? ‒
„Ein Schiller, wie Ein Gott,”
Kreischt ja der Kunst-Zelot,
Göthe’n zum großen Spott;
Decker, selbst dir.
 
 
Thouret auch ungenannt? ‒
Ei! das ist „höchst frappant.”
„Drum ruf’ ihm „„Heil!””
Schwärmendes Dichter-Roß,
Bis dich zum Prachtkoloß
Auch Stiegelmayer goß,
Sonst kommst an’s Seil.
 
 
Kölle, der Kunstprophet,
Auch nicht darinnen steht? ‒
Potz Sapperment!
Decker! ‒ Er kam von Rom,
Von Paters heil’gem Dom,
Setz’ ihn mit Lavastrom
Aufs Monument,
 
 
Du auch, großmüthiger.
Ewig vollblütiger
Schillerfreund, Walz? ‒
Zeig’ ihm dein Riesenbild,
„Würdevoll, ernst und mild,”
Wie es von Schiller schwillt
Bis an den Hals!
 
 
Du auch der ritterlich,
Rastlos und bitterlich,
Schiller sein Feld,
Daß dort Zuckertaig.
Einst sich sein Tempel zeig
Unter der Galgensteig,
Zum Grab bestellt? ‒
 
 
Und der als Reichs-Prophet
Ausrief: ,,der Schiller steht
Wird nicht berührt? ‒
Großer Mercurius,
Suevo-tellurius,
Sieh! wie ein spurius
Wirst ignotirt.
 
 
Decker, sag’ an. wo steckt
Mäntler, der Architekt,
In deinem Lied? ‒
An Stiegelmayers Kranz,
Füge flux einen Schwanz,
Daß man auch Mäntlers Glanz
Daraus ersieht.
 
 
Auch Maler Dieterich, ‒
Decker, wie liederlich!
Kommt nicht ans Brett? ‒
Auf! sing’ den Mahlenden,
Schreibenden, Prahlenden,
Lachenden, Zahlenden
Noch ein Sonnet!
 
 
Die ihr mit Salbung schuft
Würzigen Albums-Duft,
Weiht noch ein Blatt,
Decker, dem würdigsten,
Euch ebenbürtigsten,
Kennern des Würdigsten,
An meiner Statt.
 
 
Was ihr verdienet habt.
Bringt euch hier wohlbegabt
Deckers Gesang.
Herrliches Schillerbild,
Bleib’, so lang Decker quillt.
Eingepackt, wohlverhüllt.
Sonst wird mir’s bang!
General Comment

Disse digte blev trykt i Der schwäbische Humorist, Nro. 56.

Archival Reference
Thorvaldsens Museums Småtryk-Samling 1839, Der schwäbische Humorist, 10.5.
Persons
Friedrich Schiller · Bertel Thorvaldsen
Last updated 15.05.2015 Print