27.7.1841

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Berlin, 21. Mai. Der König der Franzosen hat dem Bildhauer Prof. Rauch den Orden der Ehrenlegion zugesandt.

31. Mai. Thorwaldsen ist vorgestern hier angekommen und bereits gestern Abend von Sr. Maj. dem Könige in dem Lustschlosse Schönhausen empfangen worden, wohin er zum Thee und Souper eingeladen worden war.

1. Juni. Am 30. Mai, dem Tage nach Thorwaldsen’s Ankunft in Berlin, wartete ihm eine Deputation des ältern Kunstvereins auf, zu welcher auch Hr. Kopisch gehörte, welchem die bei dieser Gelegenheit von Thorwaldsen mitgetheilten Zeichnungen von dessen neuesten Bildhauers arbeiten Veranlassung gaben, sich über die leztern in den Berlinischen Nachrichten in folgender Weise auszusprechen: “Besonders reich hat sich seine erfindende Kraft bei Schöpfung der mannigfaltigsten Reliefs entwickelt. Da sieht man einen pfeilschieβenden Amor und hinter ihm die Wirkung des Schusses in zwei Liebesgenien angedeutet, die Fackel an Fackel entzünden; da sieht man in einem andern Relief die keusche Artemis den Zeus bitten, sie unvermählt zu lassen, und so gewandt ist sie gebildet, daß man fühlt, sie werde sogleich nach der Bitte wieder zur Jagd des Wildes eilen. Lieblich gruppirt ist ein Amor zu einer Leda, welche den Schwan liebkost. Ueberaus neu und dichterisch und plastisch erscheint ein Perseus mit der Andromeda. Das drohende Seeungeheuer liegt von dem Helden besiegt tief in den Wogen des Meers, uns darüber schwebt, neben dem fliegenden Pegasus, der Sieger, ihn am Zügel ergreifend, dahin, und führt die noch von Angst erschöpfte Jungfrau mit sich fort. Anmuthig über den Rücken des Musenpferdes hingegossen, läβt sie mit liebevoller Innigkeit ihren schönen Arm am Halse des Heros ruhen, doch ihre Erschöpfung gönnt ihr nicht, ihn zu umfassen. Allen voran schwebt Amor und trägt im Triumph des Helden schreckliche Waffe. Selbst leichten Scenen des gewöhnlichen Lebens, die er spielend entworfen, hat Thorwaldsen antikes Gepräge verliehen, uns nirgend zeigen sie die gemeine Zufälligkeit des modernen Genre. Ueber Alles interessant aber ist es, an zwei großen, für kirchlichen Zweck bestimmten Friesen zu sehen, wie vollkommen sich der antike Styl und Geschmack mit echt christlichem Sinne verbinden lasse, und wie erhaben die vereinigte Wirkung beider sey. Der eine dieser Relieffriese stellt den Einzug Christi in Jerusalem dar, der andere seinen Ausgang nach Golgatha. Schon die Wahl dieser Gegensätze ist grandios und classisch. Die Idee, daß das Volk derselben Stadt den Heiland einmal jubelnd empfängt und das anderemal kreuzigen läßt, ist mit so tragisscher Tiefe und in solcher Hoheit noch nie zur Anschauung gebracht worden. Ernst und liebevoll segnend zieht in dem ersten der Heiland mit den Aposteln ein, das Volk ist ihm vor die Thore entgegengekommen. Vorausgeeilte, palmens schwingende Knaben haben sich von der Masse des Volks gelöst und sind zunächst dem Heilande, welcher, auf der Eselin reitend, des Ganzen Mitte bildet, so vereinzelt, daß die Hauptgestalt auch für den entferntesten Standpunkt wirksam hervortritt. Hinter den Knaben ist der Jubel und die Verehrung mir den mannigfalligsten Gebärden so energisch ausgedrückt, aber zugleich so abgestuft, daβ dahinter eine Gruppe von unheilspinnenden Pharisäern nicht unvorbereitet auftritt. Auf dem erwähnten Gegenstück des Relieffrieses ist der Moment gewählt, wo Simon von Kurene das Kreuz ergreift. Der Heiland hat sich, es noch tragend, emporgerichtet, und spricht zu den Weinenden im Volke: “Weinet nicht über mich; weinet über euch und über eure Kinder.” Sehr tief gedacht ist es, daß hier Trauer die Stelle einnimmt, welche dort der Jubel erfüllt. Maria ist vor Schmerz hingesunken und wird von den heiligen Frauen gepflegt. Hinter ihr aber ziehen die Urheber ihres Schmerzes, Kaiphas und sein verstockter Anhang einher, und den Schluß macht der Richter Pilatus, welcher, am Thore von Jerusalem sitzend, die Schuld von sich abwaschen will. Vor dem Heilande aber führen schön gruppirte römische Krieger leichten Sinnes die Schächer nach Golgatha; der Verstockte blickt zur Erde, der Reuige nach dem Heilande. So sinnvoll ist diese höchste Tragödie vorgeführt, daβ man sie in ihrer Auffassung und ihrem Rhythmus schwerlich wird überbieten können. Mit Recht hat demnach der Künstler in seinem eigenen, von ihm selbst geschaffenen Standbilde den Arm auf eine Statue der Hoffnung gestützt, welche den Lotus, das Sinnbild der Unsterbliclikeit, in der Rechten trägt. Er darf hoffen: Unsterblichkeit wird ihm werden.”

5. Juni. Heute Mittag gaben die Künstler Berlins, zunächst der ältern Künstlervereine, Thorwaldsen ein Festmahl im Jagorschen Saale. Die Hauptwand desselben war mit Thorwaldsen’s Büste in einer Laubnische geschmückt; über derselben schwebte eine der für die Walhalla bestimmten Victorien Rauch’s und hielt den Lorbeerkranz, der über des Künstlers Haupte zu erscheinen bestimmt war. Um 3 Uhr betrat der Gefeierte, von Vegas, Kopisch und Hesse geleitet, den Saal, in welchem sich bereits die ersten Notabilitäten der Kunst und Wissenschaft versammelt hatten. Sein Erscheinen machte einen unverschreiblichen Eindruck; Treue, Herzlichkeit, Biedersinn, mir genialer Kraft gepaart, leben auf seinem, die rüstigste Gesundheit athmenden und von langen Silberlocken umwallten Antlitz. Eine wahrhaft kindliche Einfalt verleibt dem Greis eine unwiderstehliche Grazie. Das ganze Fest, welches vorzüglich sinnreiche Toasts und Gedichte hervorrief, hielt sich auf der schönsten Höhe innig liebevoller und verehrender Gesinnung und wird gewiß auch bei dem Gefeierten eine bleibende, wohlthuende Erinnerung zurücklassen.

7. Juni. Gestern reiste Thorwaldsen, in Begleitung der v. Stampeschen Familie, von hier nach Dresden ab, nachdem er vorher noch vom Prof. Begas alla prima gemalt worden war, welches Porträt der große Bildhauer selbst für eines der gelungensten unter den vielen von ihm existirenden erklärte. — Auch Prof. Krüger hat Thorwaldsen’s Aufenthalt hier benutzt, um ihn in Kreide zu porträtiren.

12. Jun. Die k. Akademie der Künste hat in ihrer Plenarversammlung am 5. Juni den gegenwärtig hier anwesenden ersten Kupferstecher des Königs der Frauzosen, A. E. L. Boucher, Baron Desnohers, zu ihrem auswärtigen ordentlichen Mitgliede aufgenommen.

21. Juni. Der erste Architekt des Königs der Franzosen, Ritter Fontaine, hat von unserm König den rothen Adlerorden zweiter Klasse mit dem Stern erhalten.

Schinkel’s Gesundheitszustand hat sich seit einiger Zeit gebessert. Er konnte das Bett verlassen und erkannte seine Freunde wieder.

Dresden, 12. jun. In diesen Tagen fand auf dem Findlater’schen Weinberg ein von den Kiesigen Malern veranstalteten Fest zu Ehren des jetzt hier anwesenden Prof. Jul. Schnorr aus München statt.

13. Juni. Thorwaldsen hält sich seit einigen Tagen hier auf, und wurde gestern im Theater durch einen von Fräulein Berg gesprochenen Epilog begrüßt. Nach dem Schlüsse des Theaters versammelt in sich die hiesigen Künstler in dessen Foyer zu einer glänzenden Soiree.

Leipzig, 23. Juni. Auch hier wurde Thorwaldsen gestern ein Festmahl gegeben, zu dem sich um 1 Uhr gegen 80 Männer und Frauen im Gartensaale des Hotel de Saxe vereinigten. Nach demselben reiste der Gefeierte nach Frankfurt ab.

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Generel kommentar

Dette er en trykt tekst fra det tyske kunsttidsskrift Kunst-Blatt, op. cit. Kun de passager af teksten, der vedrører Thorvaldsen, citeres her.

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Sidst opdateret 15.06.2017