The Thorvaldsens Museum Archives

 
No. 5102 of 10185
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NN 31.3.1830 [+]

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Omnes
Abstract

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Das Denkmal des Herzogs von Leuchtenberg.

Italien, als wollte es eine Lehensgabe dankbarer Erinnerung dessen, was einst Eugen für seine Wiedergeburt gethan, auf dem Grabe seines ehemaligen Königs niederlegen, sendete das Denkmal, welches die erhabene Gemahlin des unvergeßlichen Fürsten von Leuchtenberg über der Asche des Verblichenen von Thorwaldsens Meisel hat errichten lassen.

Entkleidet von allen Zeichen des alten Glanzes tritt uns der Fürst entgegen in jener einfachen Hoheit und bescheidenen Würde, die ihn im Leben mit größerer Herrlichkeit umgaben, als Krone und Purpur. Eine Toga ist um seine Schultern geworfen, das einfache Bürgerkleid der einfach-großen Vorzeit; das treue Schwert des Feldherrn allein wich nicht von seiner Seite, hinter ihm zu seinen Füssen liegt die Krone der Lombarden die noch kein Sterblicher mit Glück getragen; die linke Hand ruht auf der Brust, die Stelle bezeichnend, wo ein edles Herz für den Wahlspruch „Honneur et Fidelité“ der über dem Haupte des Fürsten an dem Grabmale glänzt, unwandelbar geschlagen. Die rechte Hand des „Ritters der Ehr’ und Treue” ist ausgestreckt, um den Lorbeer des Feldherrnruhmes, an welchen weder die Mißgunst des Geschickes noch der Menschen zu rühren wagte, unversehrt, wie er ihn getragen, in den Schooß der Geschichte niederzulegen. Diese bescheidene “und fast demüthige Haltung der kräftigen Gestalt, diese Trauer ihres gesenkten Hauptes, diese wehmüthig stille Einsamkeit, in welcher der alles Schmuckes baare Held dasteht ‒ tief ergreifender als jedes Wort von dem Unbestand und der Hinfälligkeit menschlicher Größe redend ‒ ist von unbeschreiblich rührender Wirkung. So müßte der Genius Frankreichs gedichtet werden, der über dem Grabe jener wie ein Meteor verschwundenen Tage des Waffenruhmes traurig sinnend steht.

Aber auf dem Antlize dieser Heldengestalt begegnet das Auge jener milden Größe wieder, die einst jedes Herz zur Bewunderung und Liebe hinriß. Das ist die sonnenklare Wölbung der Stirne, das Wohnhaus unerschütterlicher Besonnenheit, die an dem unglücklichen Tage von dem Schlachtfelde von Sacile das geschlagene Heer zurückführte, welches überwunden noch dem Feinde so gebieterisch drohte, daß er es nicht zu verfolgen wagte. Das ist die sinnende Stirne voll der großen Entwürfe, die auf den Feldern den Raab den Jahrestag von Marengo und Friedland durch Vernichtung des österreichischen Heeres fenerten ‒ das ist die Stirne des unerschrockenen Feldherrn, der bey Malojaroslawez mit vierzehntausend Mann hunderttausend Feinden glücklich trotzte, wie er am Mincio unter den ungünstigsten Verhältnissen mit vier und zwanzig tausend Streitern über mehr als fünfzig tausend Oesterreicher den Sieg errang. Das sind die starkgezogenen Augenbrauen, die auf dem brennenden Sande unter Aegyptens Pyramiden den wilden Reuterschaaren der Mamelucken, und ohne Zucken den Feuerschlünden von Saint-Jean-d’Acre entgegenblickten, wie sie auf Rußlands Schneewüsten, mitten unter einem Elende, dessen gleichen, seit die Geschichte schreibt, wohl noch niemals Sterbliche ertragen haben, unverzagt, einzig auf Rettung der Trümmer des geschlagenen Heeres sinnend, in die ungeheuere Zerstörung schauten. Das ist der Mund vom Ernst des königlichen Gebieters und von der kriegerischen Strenge des Feldherrn festgeschlossen, aber von jener Sonnenwärme der Milde und Menschenfreundlichkeit verklärt, mit welcher Engen, als Kapitain der Konsulargarde, an jenem unsterblichen Tage von Marengo, mit seinem Geschwader auf den Feind stürzend, einen zu Boden geworfenen Oesterreicher, den die Hufe der Rosse zu zermalmen drohten, dadurch rettete, daß er seinen Reitern zurief: „Oeffnet die Glieder! Achtung dem unglücklichen Muthe!“ ‒ Das ist der Mund, der wie durch einen Zauberspruch aus Italien’s bürgerlicher Zerrüttung, mitten unter den wilden Stürmen des Krieges alle Segnungen des Friedens und die schönsten Tage des alten Ruhmes in Wissenschaft und Kunst ‒ leider auf nur allzukurze Augenblicke — hervorrief. Das ist der Mund, umspielt von jenem wehemüthig heiterem Lächeln, mit welchem der Weise eine Krone niederlegt, deren er durch den königlichen Gleichmuth der Entsagung doppelt würdig ist. Das ist der Mund mit dem Ausdrucke der Zärtlichkeit des Gatten, der Güte des Vaters, der Huld und Freundlichkeit eines gütigen Herrn und des aufrichtigen Wohlwollens gegen Freunde.

Zur Rechten des Fürsten sitzt Klio, die Vorläuferin des Weltgerichtes, „die da sitzet zu richten die Lebendigen und die Todten” ‒ zur Linken steht der Genius des Todes, die ausgelöschte Fackel, das Haupt mit geschlossenen Mohnblumen und die Flügel zur Erde gesenkt ‒ an ihn angeschmiegt, und doch zugleich wie aus seinen Armen sich entwindend, lehnt Psyche, mit ausgebreiteten Schmetterlingsflügeln, das Haupt mit aufgeblühten Rosen wie zu einem Feste geschmückt, die Fackel brennend und aufwärts gerichtet ‒ das Leben, das aus der Umarmung des Todes neuverjüngt, wie der Phönix aus der Asche, sich erhebt ‒ das Leben als Sieg über den Tod. Es ist nicht der Tod des Heidenthumes, der traurig Haupt, Flügel und die verlöschte Fackel zu Boden gesenkt, an die trostlose Oede der Schattenweit ermahnt ‒ es ist der Tod des Christen, dem „Sterben Gewinn ist”, dem über dem verwesenden Leibe die Herrlichkeit einer Zukunft aufgeht, in welcher „das Licht und das Leben” wohnt.

Wenn so Thorwaldsen die dem Alterthum entliehene Dichtung des Todes auf das glücklichste in eine christliche Symbolik übertragen hat; so darf diese tiefgedachte und mit der bewundernswürdigsten Zartheit ausgeführte Gruppe unbedenklich den schönsten Sculpturwerken dieser Art, die von griechischer Kunst auf uns gekommen sind, an die Seite gestellt werden, ja es ist sogar sehr die Frage, ob sie nicht Alles neben sich in Schatten stellen würde. Ein so lieblicher Zauber ist über diese Genien verbreitet, so anmuthig, weich und edel sind ihre Formen gehalten, daß es scheint, als wollten sie jeden Augenblick vor unseren Augen sich aufschwingen und in selige Höhen verschweben.

Der Fuß des Grabmales zeigt folgende einfache Inschrift:

Hic placide ossa cubant Eugenii Napoleonis Regis Italiae vices quondam gerentis. Natus Lut. Paris II. Septr. MDCCLXXXI. Def. Monach. D. XXI. Febr. MDCCCXXIY.
Monumentum posuit um posuit vidua moerens Augusta Ama.lia Max. Jos. Bav. Reg. Filia.

Es scheint uns Pflicht gegen die Manen des unsterblichen Prinzen, hier sein Andenken durch einige Worte zu erneuern, mit welchen sein Biograph, der General Vaudauncourt im Todesjahre des Fürsten seine Gedächtnißrede auf den Verewigten schloß:

„Als der erlauchte Fürst von dem Throne herabstieg, auf welchen ihn die Wahl seines Herrn und Adoptiv-Vaters berufen hatte, nahm er die Liebe, die Achtung und das Bedauern des edleren Theiles der Nation mit sich, die er beherrscht oder vielmehr neugeschaffen hatte. Als er in das Grab hinabstieg, begleitete ihn der Schmerz Aller, die das Verdienst eines tapferen und erfahrenen Feldherrn, das Genie eines erleuchteten Staatsmannes und Philosophen und die noch schätzbareren Tugenden eines Fürsten zu achten wissen, der unter dem Purpur niemals aufhörte, ein Mensch zu seyn. Der Glanz der Macht hat ihn nie geblendet, die Streiche des Schicksales seinen hochherzigen Geist, der seine Größe in sich selbst trug, nie gebeugt.”

„Mit dem Jahre 1805 begann die politische Laufbahn des Prinzen Eugen, der kaum vier und zwanzig Jahre alt, schnell die großen Eigenschaften entwickelte, mit deren ihn die Natur begabt hatte. Die italienische Republick hatte eine Administration, organische Gesetze und ein Heer; aber für das Königreich Italien mußte, so zu sagen, Alles erst geschaffen werden. Die Institutionen, welche das Gepräge des provisorischen Zustandes trugen, unter welchen sie entstanden waren, mußten befestigt, die Grundsteine zur Organisation eines Herres, das sich stets aus sich selbst erneuerte, gelegt, mit einem Worte, es mußten Nation und Provinzen, die Jahrhunderte lang getrennt waren, zu einem Ganzen vereinigt und lange widerstreitende Interessen und Meinungen in Ein Interesse, unter Eine Meinung vereinigt werden. Mit unermüdlicher Beharrlichkeit weihte sich der Prinz Eugen von dem Jahr 1805 bis 1814 dieser Aufgabe.”

„Schon den Versuch, Hand an ein so großes Werk zu legen, würde zu einer Lobrede des Fürsten hinreichen. Allein er führte ihn auch aus. Es ist uns hier nicht erlaubt, alle einzelnen Schritte seiner weisen und glänzenden Verwaltung zu beleuchten. Die einfache Aufzählung der vorzüglichsten Einrichtungen, welche ihm ihre Begründung oder Ausbildung verdankten, wird hinreichen, ein Bild, wenn auch in nur schwachen Umrissen, von den hohen Conzeptionen und der Thätigkeit des Vicekönigs Italien zu entwerfen. Das Heer wurde auf sechzig taufend Mann gebracht, vollkommen organisirt, und aus den neugeschaffnen Militärschulen mit kenntnißreichen Offizieren versehen; die ungeheuren Befestigungen von Venedig, Mantua und Palma Nuova angelegt; die Gerichtsverfassung auf einen durchaus gleichmäßigen Fuß gestellt; die Administration mit so viel Ordnung und Sparsamkeit verwaltet und geleitet, daß die Staatskasse, ungeachtet der Lasten, welche das Königreich unter einem ununterbrochenen Kriege zu tragen hatte, ihre Fonds von Jahr zu Jahr anwachsen sah; die Universitäten Padua, Bologna und Pavia wurde wieder hergestellt, Lyzäen in allen Provinzen eröffnet; das Musäum der bildenden Künste zu Mailand, das seit 1810 die schönsten Jahrhunderte Italiens zurückzubringen schien, die prachtvolle Strasse über den Simplon, der Kanal von Mailand nach Pavia, die Vollendung der Kathedrale zu Mailand, welche Jahrhunderte nicht zu Stande gebracht; die Vertilgung der Betteley durch Errichtung wohlthätiger Anstalten; ‒ ans alles dieses gründen sich die Ansprüche, welche der Prinz Eugen auf die Dankbarkeit eines Landes machen kann, dessen Glück und Wohlfarth er begonnen hatte.”

„Mit dem Anfang des Jahres 1813 wurde dem Fürsten, der bisher durch seine glänzende Tapferkeit bekannt war, die Aufgabe des Oberfeldherrn, in welcher sein Kriegsruhm den höchsten Glanz erreichte. Ein neuer Fabius, wußte er mit den Trümmern eines Heeres, das er aus den eisstarrenden Einöden Rußlands gerettet hatte, einem furchtbaren Feinde die Spitze zu bieten, Schritt für Schritt die letzten Provinzen Polens und Preußens zu vertheidigen und so lange sich hinter der Elbe zu halten, bis Napoleon mit neuer Heeresmacht auf dem Schlachtfelde von Lützen erscheinen konnte. Hier entschied er den Sieg durch einen Marsch auf die Flanken des Feindes.”

„Um jene Tugenden, auf denen, wie auf unerschütterlichen Grundpfeilern, die großen Eigenschaften des Prinzen ruhten, in ihrem vollstem Strahle zu enthüllen, blieb ihm eine letzte Prüfung zu bestehen übrig. Die Ereignisse des Jahres 1814 boten hiezu die Gelegenheit. Es ist bekannt, um welchen Preis er sich eine Krone hätte verdienen können. Er verdiente sie weit besser, indem er sie ausschlug. In der schwierigsten und bedenklichsten Lage leiteten „Ehre und Treue” seine Schritte und er verdiente es, diese Worte als Devise seines Schildes zu tragen. Die öffentliche Meynung, die unbestechliche Richterin, hat sie ihm unbestreitbar zugesprochen. Nachdem er die härtesten und fast entgegengesetzte Pflichten auf die edelmüthigste Weise zu erfüllen gewußt hatte, trat er ohne Schmerz und ohne Tadel in das Privatleben zurück. Die Liebe, die Zufriedenheit und Billigung seines königlichen Schwiegervaters waren seine erste Belohnung. Er fand das Glück an der Seite seiner erlauchten Gemahlin, und im Schooße einer liebenswürdigen und geliebten Familie.”

LU.

General Comment

Denne tekst blev trykt i Das Inland, Num. 90, 1830.

Archival Reference
M17,22 (Thorvaldsens Museums Småtryk-Samling 1830)
Persons
Eugène de Beauharnais · Bertel Thorvaldsen
Works
Last updated 05.09.2014 Print