Den »tyske« Oehlenschläger

Resümee

Nahezu von Anfang an hat sich Adam Oehlenschlägers (1779-1850) literarische Wirksamkeit im Bewuβtsein einer gemeinsamen Kultur auf zwei Sprachen und zwei Literaturen erstreckt. Der Artikel versucht, sein dänisches und sein deutsches Werk als eine Einheit jenseits nationalliterarischer Ein- und Ausgrenzungen und Positionierungen zu betrachten und auf das zugrundeliegende Selbstverständnis und die ästhetischen Strategien aufmerksam zu machen, die das bilinguale und transnationale Projekt fast ein Jahrhundert lang gehngen lassen.

Im Rückgang auf den Begriff des Exotismus wird Oehlenschlägers Position innerhalb der deutschen Literatur des 19. Jahrhunderts reflektiert und ein anderer, unklassischer Oehlenschläger sichtbar gemacht, – ein nahezu modernistischer Autor, der poetisch und präzise kalkuliert, der situative und darstellerische Extreme bevorzugt und sie zugleich mit der Tradition europäischer Kunst, Moral und Religion vermittelt.

Als Beispiele seines literarischen Exotismus werden Oehlenschlägers nordische und morgenländische Dichtungen vor allem auch in ihrer deutschen Sprache betrachtet und die sich wandelnden, unterschiedlichen Stilisierungen der eigenen Dichterrolle in den literarischen Texten und Textsammlungen der deutschen Werkausgabe verdeutlicht.

Last updated 11.05.2017